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10.10.18: Kooperativen gegen Kapitalismus?

Zur Ökonomie des demokratischen Konföderalismus am Beispiel Rojava: Informationsveranstaltung mit Ercan Ayboga

Wann: 10. Oktober 2018 um 19 Uhr
Wo: Nav Dem Berlin, Residenzstrasse 54 13409 Berlin (Nähe U-Bahn Franz-Neumann-Platz)

Im Windschatten von Krieg und Bürgerkrieg wird in Rojava und weiteren befreiten Gebieten Nordsyriens eine neue demokratische Gesellschaft auf Grundlage von Volksräten und Kommunen geschaffen. Die verschiedenen ethnischen, religiösen und sozialen Bevölkerungsgruppen wirken daran gleichberechtigt mit und Geschlechtergerechtigkeit nimmt eine zentrale Stellung ein. Doch vergleichsweise wenig ist über die wirtschaftlichen Vorstellungen der kurdischen Freiheitsbewegung sowie die diesbezügliche Praxis in Rojava bekannt. Gegen die auch in Nordsyrien noch dominante kapitalistische Ökonomie soll eine „demokratisch-gesellschaftliche Ökonomie“ auf Basis vor allem von Kooperativen bzw. Genossenschaften entstehen. Diese werden in weiten Gebieten aufgebaut und nehmen Schritt für Schritt eine wichtigere Rolle ein. Sie schließen sich seit 2017 in übergeordneten Strukturen zusammen.

Um uns über die wirtschaftspolitischen Vorstellungen des demokratischen Konföderalismus und die Praxis in Rojava zu informieren und darüber zu diskutieren, inwieweit es sich hier tatsächlich um eine Alternative zum Kapitalismus bzw. eine neue Form des Sozialismus handelt, haben wir Ercan Ayboga eingeladen. Er ist Mitautor des Buches „Revolution in Rojava“ und hat die Entwicklungen in Rojava auch vor Ort studiert.

Kurdistan-Solidaritätskomitee Berlin; Café Rojava Berlin; Civaka Azad Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V.

28.9. Erdogan not welcome!

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Gewittersturm gegen Dschihadisten

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Bei Deir Al-Sor läuft eine Offensive gegen Reste des »Islamischen Staates«

Von Nick Brauns

Der Kampf gegen den »Islamischen Staat« (IS) ist weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch im Süden und Südosten Syriens geht die Gefechte gegen die Reste der Miliz mit unverminderter Härte weiter. Nach Schätzungen des syrischen Militärs halten sich noch mehr als 1.000 IS-Kämpfer in der Region Suwaida und bis zu 10.000 Kämpfer in den Gouvernements Deir Al-Sor und Homs auf.

Seit Anfang vergangener Woche haben die Syrischen-Demokratischen Kräfte (SDK) in Deir Al-Sor die letzte Etappe ihrer vor einem Jahr begonnenen Offensive »Gewittersturm der Dschasire« eingeleitet. Ziel sei es, den »Terrorismus östlich des Euphrat zu beenden«, erklärte Liwa Al-Abdullah, die Sprecherin des Einsatzes. Der Fluss markiert in diesem an Erdöl- und Gasfeldern reichen Gebiet die Grenze zwischen dem von den SDK kontrollierten Selbstverwaltungsgebiet in Nordsyrien und den unter Kontrolle der Regierung in Damaskus stehenden Landesteilen.

Der IS beherrscht östlich des Euphrats nur noch eine 350 Quadratkilometer große Enklave zwischen den Orten Hadschin an der Grenze zum Irak, Al-Sosa und Al-Schefa. Doch bei den hier geschätzt 1.500 bis 2.000 verschanzten Islamisten handelt es sich um die kampferprobtesten, darunter viele ausländische Dschihadisten, sowie zahlreiche IS-Führungsmitglieder. So nahmen die SDK zu Wochenbeginn Ahmed Al-Said gefangen, einen der wichtigsten IS-Männer in der Region.

An der Offensive beteiligt sind auf Seiten der SDK die kurdischen Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG und YPJ) und im Militärrat von Deir Al-Sor organisierte regionale arabische Stammeskrieger. Auch Einheiten der irakischen Armee sind eingebunden, um Absetzbewegungen der IS-Kämpfer über die Grenze zu unterbinden. Die letzte Etappe werde symbolträchtig von weiblichen Kämpferinnen angeführt, da Frauen unter der Herrschaft des IS einer besonderen Unterdrückung ausgesetzt und versklavt worden seien, erklärte Al-Abdullah. So konnten in den vergangenen Tagen bereits mehrere Jesidinnen befreit werden, die von IS-Kämpfern als Sklavinnen gefangengehalten wurden.

Seit Beginn der Offensive kommt es zu schweren Gefechten an mehreren Abschnitten der Front. Innerhalb von 24 Stunden seien 35 Dschihadisten getötet worden, meldeten die SDK am Dienstag. Der IS habe Dörfer und Straßen mit Sprengfallen und Gräben gesichert, die ein Vorrücken erschwerten, Selbstmordattentäter sorgten immer wieder für Verluste. Man richte sich auf eine schwierige und langandauernde Schlacht ein, erklärte Sean Ryan, Sprecher der US-geführten »Anti-IS-Koalition«. Diese unterstützt die SDK mit Artillerie und Luftangriffen.

Neben US-Soldaten sind offenbar auch französische Spezialeinheiten beteiligt. So veröffentlichte die US-Armee im Internet vor einer Woche zwei Fotos, auf denen im Hintergrund ein nur von der französischen Armee verwendeter gepanzerter Mannschaftstransporter vom Typ »Aravis« zu sehen ist, berichtete der französische Auslandssender France 24.

In der vom IS gehaltenen Enklave am Euphrat leben rund 60.000 Zivilisten, die von den Dschihadisten als lebende Schutzschilde missbraucht werden. Über Fluchtkorridore versuchen die SDK, die Bevölkerung aus dem Kampfgebiet zu evakuieren. Derartige Rücksichten nimmt Washington offenbar nicht. So bombardierten US-Kampfflugzeuge nach Angaben russischer Militärs die Stadt Hadschin mit Phosphorbomben, wie RT am 9. September meldete. Weder die USA noch die SDK haben sich bislang zum Vorwurf des »Russischen Zentrums für Versöhnung in Syrien« geäußert, dass dieser nach der Genfer Konvention verbotene Kampfstoff zum Einsatz gekommen sei.

Im Grenzgebiet zwischen den Gouvernements Homs und Deir Al-Sor gelang es der Syrischen Armee unterdessen, die letzten IS-Kämpfer in der Al-Badija-Wüste zu eliminieren, meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA am Dienstag.

Aus: junge Welt 20.9.18

Erdoğan not welcome

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Die Bundesregierung hält sich bezüglich des Programms bei Erdoğans Deutschland-Besuch Ende des Monats weiter bedeckt. Das Bündnis „Erdoğan not welcome“ ruft zur Flexibilität bei der Protestplanung auf.

In der Berliner Zeitung war am 30. August zu lesen, dass Erdoğan sein gesamtes offizielles Programm mit der deutschen Regierung jetzt am 28. September absolvieren wird. Ursprünglich waren offiziell der 28. und 29. September dafür eingeplant.

Das Bündnis „Erdoğan not welcome“, das zu einer Großdemonstration am 29. September in Berlin aufgerufen hat, teilte heute hinsichtlich der neuen Sachlage mit: „Derzeit ist noch nicht absehbar, wie lange sich Erdoğan konkret in Berlin aufhalten wird und wo er vor seinen Anhängern sprechen wird. Pressemeldungen ist zu entnehmen, dass ein Besuch der DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld im Raum steht. Diese wurde jedoch noch nicht bestätigt.

Für die Demonstration in Berlin bedeutet die derzeitige Informationslage, dass wenn Erdoğan nicht bis zum Samstag, dem 29. September, in Berlin bleibt, die Großdemo auf Freitag 16.00 Uhr beginnend vom Potsdamer Platz vorverlegt wird. Dies wäre Plan B. Wenn Erdoğan bis Samstagnachmittag in Berlin bleibt, findet die Großdemo, wie bereits beworben, ab 12.00 Uhr vom Neptunbrunnen am Alexanderplatz statt. Dies wäre Plan A. Bezieht diese beiden Optionen bitte in eure (Reise)-Pläne für das Wochenende des Staatsbesuchs mit ein. Wir veröffentlichen bis zum Ende der Woche, je nach Informationslage, welcher von beiden Plänen in Kraft tritt.“

Die „Erdoğan not welcome“-Demonstration in Berlin wird von einem breiten Spektrum von weit über 100 Gruppen und Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet unterstützt. Außerdem rufen unabhängig von der Demonstration zahlreiche linksradikale Gruppen zur Störung des Staatsbesuchs Erdoğans auf.

ANF

18.9. Buchpräsentation: Partisanen einer neuen Welt

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Eine Geschichte der Linken und der Arbeiterbewegung in der Türkei. Buchpremiere mit den Herausgebern Nick Brauns und Murat Cakir

Dienstag, den 18. September 2018, Beginn 19:00 Uhr Junge Welt Ladengalerie Torstrasse 6 Berlin (Nähe Rosa-Luxemburg-Platz)

Die Geschichte der Linken in der Türkei ist hierzulande weitgehend unbekannt – zu Unrecht. Denn nur wenige Länder können auf einen so reichhaltigen Erfahrungsschatz an sozialen Kämpfen zurückblicken: Von Streiks und Fabrikbesetzungen über den Guerillakampf bis zur Gezi-Park-Rebellion im Jahr 2013 und der Bildung von Volksräten in kurdischen Städten. Das von Nick Brauns und Murat Cakir herausgegebene Buch zeichnet erstmals den Werdegang der sozialistischen Linken vom ausgehenden Osmanischen Reich bis in die Gegenwart in Wechselwirkung mit der politischen und sozioökonomischen Entwicklung der Türkei nach.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Eintritt: 5,00 €/ erm: 3,00 €

Zur Veranstaltung bitten wir um Anmeldung unter mm@jungewelt.de oder 0 30/53 63 55 56

Feuer als Waffe

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Systematische Brandstiftung: Türkische Soldaten legen in Kurdistan gezielt Feuer – Foto: anfdeutsch.com

In Kurdistan brennen die Wälder. Ziel ist nach Ansicht kurdischer Politiker die Vertreibung der Bevölkerung

Von Nick Brauns

Kurdistan brennt. In den kurdischen Siedlungsgebieten der Türkei aber auch im von Ankara besetzten Kanton Afrin in Nordsyrien und der Autonomieregion Kurdistan-Irak lodern seit Wochen verheerende Waldbrände. Tausende Hektar Wald und Anbauflächen fielen den Flammen bereits zum Opfer. Es handelt sich um gezielte Brandstiftung durch die Armee. Unter dem Vorwand von »Militäroperationen« oder »Sperrgebieten« legen die Soldaten systematisch Feuer, erklärte die Abgeordnete der linken Demokratischen Partei der Völker (HDP), Dersim Dag, Ende Augst gegenüber der Nachrichtenagentur Firat. Ziel des Staates sei die Entvölkerung der Region durch die Zerstörung der Natur. Betroffen sind im Osten der Türkei die Region um die Kreisstadt Lice, die Provinz Tunceli und das Bergland an der türkisch-irakischen Grenze.
In junge Welt vom 6.9.18 weiterlesen

Verbot eines Kulturfestivals als Geschenk für einen Diktator

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Pressemitteilung von Civaka Azad- Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit zum Verbot des Internationalen Kurdischen Kulturfestivals am 8. September 2018, 4.09.2018

Nur Wochen vor dem umstrittenen Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan in Deutschland sorgt das Verbot des 26. Internationalen Kurdischen Kulturfestivals am 8. September in Dinslaken für Aufsehen. Laut Vertretern der ‚Afrin Solidarity Platform‘, ein Zusammenschluss von 93 Organisationen, der das diesjährige Kulturfestival organisiert, wurde die Durchführung des Festivals durch die zuständigen Behörden in Dinslaken untersagt. Technische Fragen werden als Begründung für das Verbot vorgeschoben.
Auf Civaka Azad Seite weiterlesen

14.9.: Öcalans ‚Demokratischer Konföderalismus‘ – ein kurdischer Anarchismus?

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14.9. um 19 Uhr in der Bibliothek der Freien. Anarchistische Bücherei im Haus der Demokratie
Greifswalder Str. 4, 2. Hof, Raum 1102
10405 Berlin – Prenzlauer Berg

An dem Ziel, eine freie Gesellschaft zu schaffen, sind sowohl der Realsozialismus als auch nationale Befreiungsbewegungen gescheitert. Vor diesem Hintergrund hat die einstmals marxistisch-leninistisch geprägte kurdische Freiheitsbewegung einen radikalen Wandel vollzogen: Statt der Errichtung eines sozialistischen Nationalstaates wird heute eine auf Rätestrukturen beruhende Selbstverwaltung angestrebt, die auf den Aufbau einer basisorientierten, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft abzielt.
Der inhaftierte Vordenker der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Abdullah Öcalan ließ sich bei der Entwicklung des ‚Demokratischen Konföderalismus‘ vor allem von den Konzepten des US-amerikanischen Anarchisten Murray Bookchin leiten, der klassische libertäre Ideen mit modernen Ansätzen eines ökologischen Kommunalismus verbunden hat. Diese Bezugnahme hat die Frage nach der anarchistischen Dimension des ‚Demokratischen Konföderalismus‘ aufgeworfen. Der Referent Nick Brauns ist Historiker und Mitautor des Buches „PKK – Perspektiven des kurdischen Freiheitskampfes“. Neben theoretischen Aspekten des ‚Demokratischen Konföderalismus‘ wird er beleuchten, wie im Windschatten von Krieg und Bürgerkrieg in Nordsyrien (Rojava) versucht wird, diese Ideen in die Praxis umzusetzen. (Vortrag mit Diskussion)

Erdogan ist nicht willkommen!

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Ein Diktator kommt nach Berlin – und wird mit allen Ehren empfangen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan wird Ende September erneut um deutsche Unterstützung für seine Kriegspolitik bitten. Es ist abzusehen, dass auch dieses Mal Waffenverkäufe abgesegnet, Kredite zugesagt und Investitionen in der Türkei vereinbart werden. Der Besuch des deutschen Wirtschaftsministers samt 80-köpfiger Entourage Ende Oktober in der Türkei passt da ins Bild. Der Besuch Erdoğans in Berlin wird Anlass zum Protest für all diejenigen sein, die sich in Deutschland und der Türkei für Demokratie, Freiheit und Frieden einsetzen.
Aufruf weiterlesen

Razzien wegen YPG-Fahnen

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Polizei durchsucht Wohnungen kurdischer Aktivisten in München. Rechtshilfefonds beklagt verstärkte Repression gegen Kurdistan-Solidaritätsgruppen

Von Nick Brauns

In München hat die Polizei am frühen Dienstag morgen zwei Wohnungen kurdischer Aktivisten durchsucht. Hzrwan A. und Azad A. wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, auf Kundgebungen Fahnen der syrisch-kurdischen Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG und YPJ getragen zu haben. Nach Ansicht der Ermittlungsbehörden ist dies ein Verstoß gegen das 1993 verhängte Verbot der Arbeiterpartei Kurdistans PKK. Die beiden Kurden sollen die Fahnen auf einer Demonstration gegen den türkischen Angriffskrieg auf den Kanton Afrin in Nordsyrien und auf einer weiteren anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März gezeigt haben.
In junge Welt vom 15.8.18 weiterlesen