Suchergebnisse für 'rojava'

Vor dem Angriff

d
Arabische Stämme in Nordsyrien protestieren gegen türkische Kriegsdrohungen

Türkei und USA verhandeln über »Schutzzone« in Nordsyrien. Kurden bereiten sich auf Offensive Ankaras vor

Von Nick Brauns

Werden weiter kämpfen: Kurdische Volksverteidigungseinheiten nach dem Sieg in Kobani am 26. Januar 2015
Die türkische Regierung ist entschlossen, tiefer nach Nordsyrien vorzudringen. »Wir sind in Afrin, Dscharabulus und Al-Bab einmarschiert, und nun werden wir östlich des Euphrat einmarschieren«, verkündete Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag in der westtürkischen Stadt Bursa vor Anhängern. Ziel sei die Zerschlagung des »Terrorkorridors«, begründet Erdogan den geplanten Angriff auf das von Kurden auch als Rojava bezeichnete Gebiet der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien. »Nordsyrien muss in Brand gesetzt werden«, sekundierte der Führer der faschistischen MHP, Devlet Bahceli, dem türkischen Präsidenten. Vor dem Hintergrund der Wahlniederlage seines Kandidaten in Istanbul, der anhaltenden Wirtschaftskrise und Austritte führender Politiker aus der Regierungspartei AKP braucht Erdogan dringend Erfolge.

Zehntausende türkische Soldaten sowie dschihadistische Söldner sind gegenüber den grenznahen syrischen Städten Tel Abjad, Kobani und Serekaniye aufmarschiert. Um einen Krieg, mit dem die US-Regierung nach Informationen der Washington Post vom Wochenende innerhalb der nächsten zwei Wochen rechnet, doch noch abzuwenden, verhandelt eine ranghohe US-Delegation seit Montag in Ankara über die Forderung der Türkei nach einer »Sicherheitszone«. Denkbar wäre eine Pufferzone von fünf Kilometern, aus der sich die Demokratischen Kräfte Syriens (DKS) zurückziehen, so das von den US-Militärs übermittelte Angebot der Selbstverwaltungsbehörden an Ankara. Das Gebiet könne unter Aufsicht der »Koalition gegen den Islamischen Staat« stehen, eine Präsenz türkischer Militärs sei aber ausgeschlossen.

Ankara besteht dagegen auf einer 30 Kilometer tief ins Landesinnere reichenden »Sicherheitszone« unter Kontrolle des türkischen Militärs. In diesem Gebiet, das fast alle größeren Städte der Selbstverwaltungsregion umfassen würde, soll ein Großteil der 3,5 Millionen in der Türkei lebenden syrisch-arabischen Flüchtlinge angesiedelt werden. Denn deren Anwesenheit in der Türkei stößt dort auf wachsende Ablehnung. Ihr Transfer nach Rojava würde eine drastische demographische Veränderung und die Vertreibung eines Großteils der dort lebenden kurdischen Bevölkerung bedeuten.

LPG-Genossenschaft
Das türkische Beharren auf dem 30-Kilometer-Radius hat zudem einen strategischen Hintergrund. In dieser Entfernung verläuft die Verbindungsstraße vom Nordirak nach Aleppo. Mit der Einnahme dieser zentralen Handelsroute käme die türkische Regierung, deren Truppen derzeit auch im Nordirak vorrücken, ihren neoosmanischen Träumen näher. So zeigen türkische Regierungssender Landkarten, die das Gebiet vom syrischen Aleppo bis zu den Ölfeldern von Kirkuk im Nordirak als türkisches Territorium ausweisen.

Dass die USA, die nach Informationen der Washington Post noch 1.000 Soldaten in Nordsyrien stationiert haben, bei einem begrenzten türkischen Einmarsch tatsächlich zum Schutz ihrer taktischen kurdischen Verbündeten auf ihre türkischen NATO-Verbündeten schießen werden, ist unwahrscheinlich. Militärisch entscheidend ist allerdings, ob die USA auch den Luftraum freigeben. Denn in fehlender Luftabwehr besteht – wie sich schon bei der türkischen Invasion in Afrin im vergangenen Jahr gezeigt hat – die Achillesferse der DKS.

»Wenn der türkische Staat nicht bereit ist, einen Dialog für eine Lösung zu führen, dann sind wir bereit zum Krieg«, erklärte die Oberkommandierende der DKS, Newroz Ehmed, am Montag gegenüber Firat News. Während die Türkei Nordsyrien schrittweise erobern wolle, würden die DKS auch bei einem begrenzten Angriff die gesamte 600 Kilometer lange Grenze zum Kriegsgebiet machen. Vertreter der Selbstverwaltung warnen zudem, dass im Kriegsfall Tausende IS-Kämpfer aus Gefangenenlagern entkommen könnten.

Von der syrischen Regierung und ihren Verbündeten Russland und Iran kann die Selbstverwaltung keine Unterstützung erwarten. Auf einem Treffen der Astana-Gruppe zwischen dem Iran, Russland und der Türkei in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan wurde zu Monatsbeginn mit Blick auf Rojava die gemeinsame Ablehnung von »unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung errichteten« selbstverwalteten Gebieten und die Entschlossenheit, »dagegen vorzugehen«, bekundet. Mit der Verlegung großer Truppenkontingente nach Deir Al-Sor bereitet sich das iranische Militär offenbar auf einen Vorstoß in die noch von den DKS gehaltenen öl- und gasreichen Gebiete östlich des Euphrat vor.

Aus: junge Welt vom 7.8.2019

14.Mai: » Rheinmetall verschrotten«

f

Dienstag | 14. Mai 2019 | 19 Uhr | Bandito Rosso | Lottumstraße 10a

Am 28. Mai 2019 findet in Berlin die Hauptversammlung von Rheinmetall, dem größten deutschen Rüstungskonzern, statt. Rheinmetall profitiert von steigenden Rüstungsausgaben und Kriegen weltweit. Der Umsatz ist 2018 um 4,3 Prozent auf 6,15 Milliarden Euro gestiegen. Der Konzern verdient unter anderem am Krieg im Jemen und dem Krieg der Türkei gegen die kurdische Freiheitsbewegung.-=- Über die Tochterunternehmen RWM Italia auf Sardinien und Rheinmetall Denel in Südafrika liefert Rheinmetall Munition an Saudi-Arabien. Seit 2015 führt Saudi-Arabien mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Staaten Krieg gegen den Jemen, bei dem Zehntausende Menschen starben. Über 350 Leopard-2-Panzer, die von Rheinmetall und Kraus-Maffei Wegmann gebaut wurden, wurden in den letzten Jahren in die Türkei geliefert. Diese Panzer wurden auch beim Angriffskrieg der Türkei gegen Afrin in Rojava eingesetzt. Wir haben das Cafe Rojava eingeladen, um über die deutschen Rüstungsexporte an die Türkei und insbesondere von Rheinmetall zu sprechen. Außerdem werden wir auf die Mobilisierung gegen die Aktionärsversammlung von Rheinmetall in Berlin und zum antimilitaristischen Camp am Rheinmetall-Standort in Unterlüß im September eingehen.

Revolutionäre Perspektive Berlin

Eine Lösung für Syrien oder endloses Chaos?

Die Journalistin Bêrîtan Sarya über die Entwicklungen in Syrien und die Revolution in Rojava als das einzige demokratische Modell für eine gemeinsame Zukunft, 17.04.2019

g

Vor zehn Jahren begannen im Rahmen des sogenannten »Arabischen Frühlings« in Tunesien, Ägypten und Libyen Aufstände, die zur Absetzung der Machthabenden führten. Auch in Syrien nahmen 2011 Proteste gegen das Regime ihren Anfang, die sich jedoch zu einem brutalen Krieg entwickelten, der bis heute andauert. Trotz dieses seit acht Jahren andauernden Krieges fand kein offizieller Regime-Wechsel statt. Heute ist Syrien in drei Gebiete aufgeteilt: Die verschiedenen Regionen werden von jeweils unterschiedlichen Mächten kontrolliert, die in ihrem Einflussgebiet sehr unterschiedliche Systeme errichtet haben. Als ein Ausweg aus der Krise und der Zerstörung, die heute in Syrien herrschen, kann praktisch nur das Modell der demokratischen Selbstverwaltung angesehen werden, wie es in Nord- und Ostsyrien vorzufinden ist. Klar ist, dass die Art der Lösung in Syrien zwangsläufig Auswirkungen auf den gesamten Mittleren Osten und die Welt haben wird.
Auf Civaka Azad weiterlesen

25.1.19 Infoveranstaltung: Modell Rojava – Wie die NATO das Projekt zerstören will

f

21.1.19: Podiumsdiskussion „Von Imrali nach Rojava“

„Die Mittelost-Strategie der USA bleibt dieselbe“

f

Bese Hozat, Kovorsitzende des Exekutivrats der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK), im Gespräch über die Hintergründe des US-Truppenrückzugs und die neuen Pläne der USA und der Türkei für Nordsyrien, 12.01.2019

Während die Drohungen Erdogans gegen Nordsyrien und Rojava einen neuen Höhepunkt erreichen, verkündete Donald Trump jüngst den US-Truppenrückzug. Kam diese Entscheidung wirklich unerwartet?

Die US-Rückzugsentscheidung kam keineswegs unerwartet. Wenn man sich daran erinnert, warum die USA in Syrien interveniert hat, wird leicht erkennbar, warum nun die Rückzugsentscheidung gefällt wurde. Wir müssen diese Entscheidung als Teil der Mitteloststrategie der USA betrachten. Mit der Entscheidung verwirft die USA weder ihre Syrien- noch ihre Mittelostpolitik. Ganz im Gegenteil, sie gibt ihr nur eine neue Form. Wie bekannt verfolgt die USA seit vielen Jahren eine Politik, die insbesondere den Iran, Nordkorea und Syrien zu Zielen ihrer Angriffe macht. Mit der US-Intervention im Irak Anfang der 90er Jahre begann eine Phase, die wir den `Dritten Weltkrieg` nennen. Ziel des damals begonnenen Krieges im Mittleren Osten war die Umgestaltung der Region entsprechend der Bedürfnisse des Kapitalismus. Eines der wichtigste Angriffsziele war Syrien. Das Land wurde zu einem zentralen Schauplatz der Auseinandersetzungen, die sich im Zuge des `Arabischen Frühlings` entwickelten. Ein weiteres Ziel der US-Intervention in Syrien bestand darin, das Baath-Regime zu schwächen, um es in die eigene Strategie für die Region integrieren zu können und die von ihm ausgehende Bedrohung für Israel aus dem Weg zu schaffen. Zudem ging es darum die Entstehung einer revolutionären Bewegung zu verhindern. Aus dieser Perspektive betrachtet bot der Islamische Staat (IS) den passenden Vorwand für die USA, um in Syrien zu intervenieren. Als der IS Kobane angriff, nutzte die USA die dadurch entstandene Gelegenheit sehr gut aus. Indem sie begann den Widerstand der Kurdinnen und Kurden gegen den IS durch Luftschläge zu unterstützen, verschaffte sie ihrer Intervention die notwendige Legitimität und sicherte sich einen bedeutenden Prestigegewinn. Auf diesem Weg schaffte sie die Grundlagen dafür, dass ihre Syrien-Intervention als legitim und normal betrachtet wurde.
Auf Civaka Azad Weiterlesen

20.12. Der Welt zeigen, dass der Kampf in Rojava auch der unsere ist!

„Stell dir vor es ist Krieg und alle sehen weg!“ – Unter diesem Motto findet am 20. Dezember um 18 Uhr ab Hermannplatz in Berlin eine Demonstration gegen die türkischen Angriffe auf Kurdistan statt.

f

Am 20. Januar begann die türkische Armee, unterstützt durch Russland, zahlreiche dschihadistische Milizen und ausgestattet mit deutschen Waffen, einen Angriffskrieg auf den mehrheitlich von Kurd*innen bewohnten Kanton Efrîn in Nordsyrien. Nach zweimonatigem erbittertem Widerstand wurde Efrîn am 18. März durch die dschihadistischen und faschistischen Truppen der Türkei besetzt und unter türkische Zwangsverwaltung gestellt. Während die Besatzungstruppen die Politik des ‚Islamischen Staates‘ (IS) in Efrîn umsetzen, indem sie dort plündern, foltern, morden und vergewaltigen, bläst der Schirmheer der ethnischen Säuberungen und völkerrechtswidriger Angriffskriege, Recep Tayyip Erdoğan, nun zum Großangriff auf die Demokratische Föderation Nord- und Ostsyrien.

Aus diesem Anlass ruft das „Widerstandskomitee Berlin“, das sich im vergangenen Februar gebildet hat, um gemeinsame Aktionen zur Verteidigung Efrîns zu planen, zu einer Demonstration am kommenden Donnerstag um 18 Uhr am Hermannplatz auf.

Samstag 16.12. Protest gegen türkische Luftangriffe auf Shingal und Makhmour

f

Samstag 16. Dezember um 14. Uhr vor dem Reichstag Protestkundgebung gegen die Luftangriffe der Türkei auf Shingal und Makhmour, gegen die Kriegsdrohungen gegen Rojava und gegen die Isolationshaft von Abdullah Öcalan

Die kurdischen Dachverbände KCDK-E und TJK-E rufen zu Protesten gegen die Bombardierung von Mexmûr und Şengal in Südkurdistan durch die türkische Luftwaffe auf.

In dem gemeinsamen Aufruf heißt es: „Mit den mörderischen Angriffen auf Mexmûr und Şengal zielt der türkische Staat auf die Errungenschaften des gesamten kurdischen Volkes ab. Der Diktator Erdoğan will mit seinem schmutzigen Krieg einen Genozid in Kurdistan durchführen. Der Terrormiliz IS und anderen Dschihadisten soll damit neue Kraft gegeben werden. Dieser Krieg findet vor den Augen der Weltöffentlichkeit statt. Wir rufen dazu auf, auf die Straßen zu gehen und gegen den türkischen Besatzerstaat zu protestieren.“

Aktionsplan

Demonstrationen sind neben Deutschland und Österreich in England, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Schweden, Dänemark und Griechenland geplant.

In Wien findet am Samstag um 13 Uhr eine Demonstration ab Westbahnhof statt. In Deutschland sind folgende Demonstrationen angekündigt:

Köln, 17 Uhr Hauptbahnhof

Saarbücken, 15 Uhr Landwehrplatz

Frankfurt, 14 Uhr Hauptbahnhof/Kaisersack

Stuttgart, 15 Uhr Rotebühlplatz

Berlin, 14 Uhr Platz der Republik

Hamburg, 14 Uhr Hachmannplatz

Darmstadt, 14 Uhr Luisenplatz

Hannover, 14 Uhr Hauptbahnhof

Was hat Öcalan mit Rojava zu tun?

r

Ali Çiçek, Mitarbeiter von Civaka Azad, in einem Jahresrückblick über die zweite Etappe des Internationalen Komplotts gegen die kurdische Freiheitsbewegung und die Rolle Deutschlands, 14.12.2018

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Es begann mit dem Besatzungsangriff der türkischen Armee und ihrer islamistischen Verbündeten und endet ähnlich ereignisreich: Zum einen finden unbefristete Hungerstreiks kurdischer Inhaftierter in türkischen Gefängnissen und Aktivisten in Europa für Abdullah Öcalan statt. Zum anderen droht Erdogan mit einer türkischen Intervention östlich des Euphrat, worauf die Demokratische Föderation Nordsyrien mit der Ausrufung des Ausnahmezustandes reagiert. Es war ein Jahr, das geprägt war von ideologischen Angriffen gegen die kurdische Freiheitsbewegung, sowohl in Kurdistan, Rojava, als auch in Europa, insbesondere in Deutschland.
Bei Civaka Azad weiterlesen

Mobilmachung in Rojava

f

Nordsyrische Selbstverwaltungsregion bereitet sich auf türkischen Angriff vor. Großoffensive Ankaras unwahrscheinlich

Von Nick Brauns

Der Exekutivrat der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien – das oft auch Rojava genannt wird – hat nach der Drohung eines türkischen Militäreinmarsches zur Mobilmachung aufgerufen. Zuvor hatte der türkische Präsident ­Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch angekündigt, »in Kürze« eine weitere Militäroperation in Syrien zu beginnen, um die Gebiete östlich des Euphrat von »separatistischen Terroristen« – gemeint sind die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG – zu »säubern«.
In junge Welt vom 14.12.18 weiterlesen