Archiv für März 2018

Afrin unter Besatzung

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1. Schultag im türkisch besetzten Afrin

Türkei nimmt Maßnahmen zur demographischen Veränderung der Region vor. Vormarsch in Syrien geht weiter

Von Nick Brauns

»Schlag gegen die YPG. Die kurdische Region Afrin im Norden Syriens ist nun vollständig vom türkischen Militär besetzt worden«, feierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vor wenigen Tagen die Einnahme der letzten noch unter Kontrolle der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG stehenden Dörfer durch den NATO-Verbündeten. Die Einwohner könnten »aufatmen«.

Weiterlesen unter junge Welt vom 29.3.18

29.3.: „Türkischer Kolonialismus in Kurdistan: Kommunen unter Zwangsverwaltung“

FINISSAGE der Ausstellung „Wasser als Waffe – Hasankeyf soll leben!“ in der Galgerie Olga Benario

am DONNERSTAG 29. MÄRZ 2018 19:30 Uhr

Der Abend steht unter dem Motto:

„Türkischer Kolonialismus in Kurdistan: Kommunen unter Zwangsverwaltung“

Gespräch zwischen Elke Dangeleit (Bezirksverordnete für Die LINKE in Friedrichshain-Kreuzberg) und dem im Berliner Exil lebenden Bürgermeister der ostanatolischen Stadt Varto Hüseyin Güneş (Übersetzung durch Vertreter von Civaka Azad).

Anschließend Livemusik mit kurdischen Künstlern

Die Galerie OLGA BENARIO findet Ihr in der Richardstraße 104 in 12043 Berlin-Neukölln.

Wachablösung in Sengal

Nach türkischen Kriegsdrohungen übergibt PKK Kontrolle über jesidische Region an Bagdad

Von Nick Brauns

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Denkmal am Fuße des Sengal für die bei der Befreiung und Verteidigung 2014 gefallenen Kämpfer der PKK und YBS. Am 10. April 2017 aufgenommen, zwei Wochen später wurde es durch türkische Bomben zerstört
Foto: Willi Effenberger

Die irakische Armee ist am Sonntag in den Westen der nordirakischen Region Sengal (Sindschar) eingerückt und hat die volle Kontrolle über die syrisch-irakische Grenze übernommen. Diese Siedlungsgebiete der religiösen Minderheit der Jesiden standen zuvor unter Kontrolle der Guerilla der Arbeiterpartei Kurdistans PKK, die am Freitag überraschend den Abzug ihrer Kämpfer angekündigt hatte. Die PKK ist seit dem Sommer 2014 in Sengal. Ihre Guerilla brachte damals gemeinsam mit den Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ Zehntausende Jesiden durch einen Fluchtkorridor vor Angriffen des »Islamischen Staates« (IS) aus Nordsyrien ins Landesinnere in Sicherheit. »Die Guerilla hat auf dem Sengal interveniert, um die jesidische Bevölkerung vor einem Genozid zu retten. Mit dem Erreichen des Ziels von Frieden und Sicherheit auf dem Sengal wird die Guerilla von dort abgezogen«, hatte die Union der Gemeinschaften Kurdistans KCK als Dachorganisation der PKK ihren Abzug erklärt. Die Jesiden könnten nun als organisierte Gesellschaft selbst für ihre Sicherheit und die Verteidigung von Sengal sorgen.
in junge Welt vom 27.3.2018 weiterlesen

Die Besatzung Afrins als Beginn der Teilung Syriens

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Journalist Ferda Çetin über die Konsequenzen der türkischen Besatzung in Afrin für Syrien, 21.03.2018

Das Szenario der Teilung Syriens in drei Teile wird Wirklichkeit. Mit der Besatzung des türkischen Staates in Afrin hat die Teilung de facto begonnen. Die Position der USA, Russlands, der EU und der UNO hinsichtlich der Angriffe der Türkei auf Afrin zeigt die unbegrenzte Unterstützung dieser für die Besatzung und weitere Massaker.

Ein Syrien ohne Widersprüche zwischen den Ethnien, Religionen und Konfessionen, ohne den Forderungen auf Öl und Boden oder mit den alten Grenzen kommt weder Russland, noch den USA gelegen. Denn für solch ein Syrien zu stehen würde eine Unterstützung des in Nordsyrien und Rojava umgesetzten demokratisch-autonomen Kantonsystems bedeuten. Die USA und Russland möchten mit einem dreigeteilten Syrien die Widersprüche und Spannungen zwischen den Völkern, Religionen und Konfessionen nicht beenden, sondern im Gegenteil weiter lebendig halten und so Abhängigkeit schaffen. Die selbstsichere und bequeme Position von Erdoğan und den türkischen Staatsvertretern rührt nicht aus dem Glauben an ihre eigene Stärke, sondern aus deren Miteinbeziehung in den Plan des „dreigeteilten Syriens“ durch die USA und Russland.
Auf Civaka Azad Seite weiterlesen

Auf zum weltweiten antiimperialistischen Efrîn-Aktionstag von ICOR und ILPS am 21. März

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Die Vorbereitungen für den weltweiten antiimperialistischen Efrîn-Aktionstag diese Woche laufen auf Hochtouren. Aus rund 50 deutschen Städten sind Aktivitäten bekannt. Er hat angesichts der Evakuierung der Stadt noch an Bedeutung gewonnen.

In Berlin: Mittwoch, den 21.3. um 16.30 Oranienplatz:
Kundgebung, Musikbeiträge und Demonstration

Liste der geplanten Aktionen

Hände weg von Efrîn! Türkei raus aus Rojava!

Alle Imperialisten raus aus Syrien!

Schluss mit den Waffenlieferungen und der militärischen Unterstützung der Bundesregierung an die Türkei!

Es lebe der proletarische Internationalismus!

Türkei lässt plündern

Milizen rauben Häuser im besetzten Afrin aus. Kurdische Kräfte erklären Guerillakrieg gegen Invasoren

Von Kevin Hoffmann

Der Widerstand gegen die türkische Besatzung im nordsyrischen Afrin ist in eine neue Phase eingetreten. Das erklärte am Sonntag abend der ehemalige Kovorsitzende der Partei der Demokratischen Union (PYD), Salih Muslim, gegenüber der kurdischen Nachrichtenagentur Firat. »Ab jetzt werden die YPG und YPJ einen Guerillakrieg führen«, so Muslim. Zuvor hatten die kurdischen Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG und YPJ) bis zum Sonntag morgen einen Großteil der Zivilisten aus der Stadt Afrin evakuiert. So sollten diese vor den einrückenden türkischen Soldaten und den mit Ankara verbündeten islamistischen Milizen, die das Stadtzentrum besetzten, geschützt werden.
in junge Welt vom 20.3.18 lesen

Newroz Piroz be!

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20. März um 17 Uhr Newroz-Demonstration ab Marheinekeplatz Berlin

21. März Kundgebung, Kultur und Demonstration im Rahmen des weltweiten Aktionstages „Afrin wird leben“ um 16. 30 Uhr ab Oranienplatz Berlin

Widerstand geht weiter

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Türkische Armee und Dschihadisten marschieren in syrischer Stadt Afrin ein. YPG kündigen Übergang zum Guerillakampf an

Von Nick Brauns

Die türkische Armee und dschihadistische Söldner der »Freien Syrischen Armee« (FSA) sind am Sonntag, 58 Tage nach Beginn ihres völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf Afrin in Nordsyrien, in das Zentrum der Stadt eingerückt. Der Vormarsch stieß auf keinen größeren Widerstand. Die kurdischen Volks- und Frauenverteidigungskräfte YPG und YPJ hatten ihre Kampfstellungen verlassen, um weitere Opfer unter der Zivilbevölkerung und die Zerstörung der Stadt zu vermeiden. In den letzten Tagen hatte die türkische Armee ihre Luft- und Artillerieangriffe auf die belagerte Stadt massiv verstärkt. So wurde in der Nacht zum Samstag das Krankenhaus von Afrin von Bomben getroffen. Dabei starben mindestens 16 Menschen. Bei einem Luftangriff auf einen Autokonvoi mit Flüchtlingen wurden am Samstag nach Informationen der Nachrichtenagentur ANF Hunderte Menschen getötet. Um nicht »Opfer eines Völkermordes« zu werden, sei ein Großteil der Bevölkerung in die benachbarte Scheba-Region evakuiert worden, erklärte der Kovorsitzende des Kantonalrates von Afrin, Asman Scheik Isa, am Sonntag auf einer Pressekonferenz. Die stellvertretende Vorsitzende der Hilfsorganisation Kurdischer Roter Halbmond, Cemile Heme, berichtete gegenüber dem ZDF von einem Massenexodus, dem sich fast alle rund 900.000 Einwohner des Kantons angeschlossen hätten.
In junge Welt vom 19.3.18 weiterlesen

Kurdische Verbände kriminalisiert

Polizei untersagt das Zeigen von Bildern ermordeter Politikerin. Bücher konfisziert

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In Hannover verboten: Fahnen mit den Bildern der ermordeten Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Saylemez

Von Nick Brauns

Im Januar 2013 wurden die Mitbegründerin der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Sakine Cansiz und ihre Genossinnen Fidan Dogan und Leyla Saylemez von einem türkischen Geheimagenten in Paris ermordet. Das Verbrechen blieb bis heute ungesühnt, der Mörder Ömer G. verstarb in Untersuchungshaft kurz vor Prozessbeginn an einer Krankheit. Nun hat die Polizeidirektion Hannover es untersagt, Fahnen mit Bildern der drei Politikerinnen auf Demonstrationen zu zeigen. Zwar seien die lilafarbenen Fahnen mit den »PKK-Märtyrerinnen« im aktuellen Kennzeichenverbot des Bundesinnenministeriums vom 29. Januar noch nicht gelistet, heißt es in einem Auflagenbescheid für geplante Demonstrationen, der dieser Redaktion vorliegt. Die Abbildungen hätten jedoch »aufgrund ihrer Symbolhaftigkeit« einen eindeutigen Bezug zur verbotenen PKK. Dadurch würde der Versammlungscharakter der Kundgebung »Gegen die Militäroffensive in Syrien – Überall ist Afrin – Überall ist Widerstand« unzulässig verändert. In dem seit mehr als 50 Tagen von der türkischen Armee angegriffenen kurdisch verwalteten Kanton Afrin in Nordsyrien wird Cansiz von den Frauenverteidigungseinheiten YPJ als Leitfigur betrachtet. Ihr Bild wird oft gemeinsam mit dem Porträt der vor 99 Jahren von rechten Freikorps in Deutschland ermordeten Kommunistin Rosa Luxemburg gezeigt.
In junge Welt vom 13.3.2018 weiterlesen

#DefendAfrin

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Montag 12. März um 17 Uhr
Demo vom Brandenburger Tor zur Russischen Botschaft