Archiv für Januar 2018

Aktionen für Afrin in Berlin

Nächste Demonstrationen gegen den Krieg der Türkei gegen Afrin finden in Berlin statt am

Mittwoch 31.1. 18 Uhr Demo ab U-Bahnhof Uhlandstrasse

Freitag 2.2. 18 Uhr Demo ab Brandenburger Tor

Sonntag 4.2. 15 Uhr Internationalistische Demo ab Oranienplatz

Ankaras Dschihad

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Die Türkei setzt in Syrien auf islamistische Terrorbanden, bombardiert Krankenhäuser und Schulen. Kurden melden sogar den Einsatz von Napalm

Von Peter Schaber

Je länger der Angriffskrieg der Türkei gegen die selbstverwaltete Region Afrin im Norden Syriens andauert, desto verstörendere Einzelheiten über die Kriegführung Ankaras dringen an die Öffentlichkeit. In den vergangenen Tagen bombardierten die Kampfjets Erdogans nicht nur zivile Wohngebiete, sondern auch Infrastruktur und historische Ausgrabungsstätten: Ein Tausende Jahre alter Tempel nahe der Ortschaft Ain Dara und ein Krankenhaus in Dschindires wurden teilweise zerstört, in dem Dorf Gubele starben bei einem einzigen Angriff acht Zivilisten, darunter drei Frauen und zwei Kinder.
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Afrika trotzt Ankara

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Protest gegen Erdogans Einfluss auf Zypern nach faschistischem Überfall auf linke Tageszeitung Afrika

Von Nick Brauns

Im türkischsprachigen Norden der seit der türkischen Invasion 1974 geteilten Mittelmeerinsel Zypern beginnt sich Widerstand gegen die Bevormundung aus Ankara zu regen. Vor dem nordzyprischen Parlament der Hauptstadt Nikosia (Lefkosa) kam es am Freitag abend zu den größten politischen Protesten gegen die Besatzungsmacht seit mehr als einem Jahrzehnt. Rund 5.000 Menschen schlossen sich einem Friedens- und Demokratiemarsch an, zu dem ein Bündnis aus rund 20 nordzyprischen Gewerkschaften, linken Parteien und Zivilorganisationen aufgerufen hatte. Die Demonstranten, darunter auch einige griechische Zyprioten, skandierten »Wir wollen unser Land zurück!« und »Schulter an Schulter gegen den Faschismus!« Mitglieder einer kommunistischen Organisation forderten offen einen Abzug der türkischen Besatzungstruppen.

Unmittelbarer Anlass des Protests war der Angriff eines türkisch-nationalistischen Mobs auf die Redaktion der kleinen unabhängigen Tageszeitung Afrika am Sonntag vor einer Woche. Die linksgerichtete Zeitung hatte in ihrer Schlagzeile den türkischen Krieg gegen den kurdischen Kanton Afrin in Nordsyrien mit der türkischen Invasion Nordzyperns im Jahr 1974 verglichen und als neue Besatzungsoperation bezeichnet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Afrika daraufhin auf einer Kundgebung in der westtürkischen Stadt Bursa als »schamlos« und erklärte, seine »Brüder« auf Zypern würden »die notwendige Antwort geben«. Kurz danach verwüsteten rund 500 Anhänger der faschistischen »Grauen Wölfe« und islamistische Siedler das Redaktionsbüro in Lefkosa. Nur das Eingreifen der Polizei konnte verhindern, dass Afrika-Herausgeber Sener Levent und andere Mitarbeiter, die sich in den Redaktionsräumen verschanzt hatten, gelyncht wurden. Hunderte Menschen fanden sich in den nächsten Tagen vor dem Gebäude ein, um die Redaktion vor weiteren Übergriffen der »Grauen Wölfe« zu schützen.

»Der äußerst gewalttätige Angriff war für die türkischen Zyprioten sehr erniedrigend, da sie sich in ihrem eigenen Land nicht mehr sicher fühlen«, schilderte der Vorsitzende der linksgerichteten Lehrergewerkschaft, Sener Elcil, gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian die Wirkung des Überfalls. »In der Türkei sitzen alle Intellektuellen, Journalisten und Schriftsteller im Gefängnis. Es gibt da keine Opposition mehr. Aber auf Zypern glaubt das Volk an Demokratie und Frieden.« Hinter dem Überfall vermutet er paramilitärische Verbände, die auf Weisung der türkischen Botschaft agieren. Das Außenministerium der Republik Zypern äußerte die Sorge, Erdogan versuche, zu Gewalt anzustacheln und so seine autoritäre Politik einschließlich der Unterdrückung von Meinungs- und Pressefreiheit auch im türkisch besetzten Teil Zyperns umzusetzen.

Die von mehr als 30.000 türkischen Soldaten besetzte Türkische Republik Nordzypern wird nur von der türkischen Regierung anerkannt und ist von deren finanziellen Zuwendungen abhängig. Viele türkische Zyprioten fürchten angesichts zahlreicher Neueröffnungen religiöser Schulen und Moscheen sowie Zehntausender sich oftmals aus einem religiös-nationalistischen Milieu aus Anatolien rekrutierender Siedler, die bereits rund 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen, um ihre zypriotische Identität und ihren säkularen Lebensstil. Die fortgeschrittenen Verhandlungen zwischen dem konservativen Präsidenten der Republik Zypern Nikos Anastasiadis und seinem liberalen nordzyprischen Amtskollegen Mustafa Akinci über eine Wiedervereinigung der geteilten Insel wurden in den letzten Jahren systematisch von Ankara hintertrieben. Insbesondere die in der Türkei mit Erdogans »Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung« (AKP) in einer faktischen Kriegskoalition stehende faschistische Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) ist nicht bereit, Nordzypern als traditionelles Refugium ihrer »Grauen Wölfe« aufzugeben. So schlossen sich laut der Nachrichtenagentur Cyprus News Agency 50 Mitglieder einer nach dem langjährigen rechtsradikalen nordzyprischen Präsidenten Rauf Denktas benannten Vereinigung aus Nordzypern als Freiwillige dem türkischen Angriff auf Afrin an.

Aus junge Welt vom 30.1.2018

Aktionen für Afrin in Berlin

Luftangriff zerstört Tempelanlage

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Bei türkischen Luftangriffen auf den kurdischen Kanton Afrin in Nordsyrien wurden Jahrtausende alte archäologische Stätten zerstört. Von der Kantonal-Administration am Wochenende verbreitete Bilder zeigen die Trümmer von Monumentalskulpturen und der 3000 Jahre alten späthethitischen Tempelanlage für die Göttin Istar in der antiken Residenzstadt Ayn Dara im Süden von Afrin. Auch die seleukidische Ausgrabungsstätte Neri Hiri (Cyrrhus) wurde durch Bomben verwüstet. Die aus Afrin stammende Europavertreterin der Demokratischen Föderation Nordsyrien Sinam Mohamad verglich diese gezielte Zerstörung der wichtigsten archäologischen Stätten der Region mit den Kulturbarbareien der Terrormiliz Islamischer Staat, die unter anderem Monumente in der antiken Stadt Palmyra in Syrien gesprengt hatte.

Die Kurden – Bauernopfer der Weltpolitik?

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Eine Kolumne von Nick Brauns in Yeni Özgür Politika über die Angriffe und Besatzungsversuche der türkischen der türkischen Streitkräfte.

Seit 100 Jahren scheint es das Schicksal der Kurden zu sein, zwischen den Hegemonial-Interessen imperialistischer Großmächte und regionaler Vormächte zerrieben zu werden.

Unter dem Schutz der sowjetischen Armee wurde im Januar 1946 im persischen Teil Kurdistans die Republik Mahabad unter Präsident Ghazi Muhammad ausgerufen. Doch die Sowjetdiplomaten spielten ein doppeltes Spiel. Während sie die Kurden zur Unabhängigkeit ermutigten, verhandelten sie mit dem Schah von Persien über Ölkonzessionen. Als sich die Sowjetarmee nach einer Einigung mit dem Schah zurückzog, bedeutete dies nach einem Jahr den Todesstoß für diese erste kurdische Republik. Iranische Truppen marschierten in Mahabad ein, Ghazi Muhammad wurde hingerichtet. Nicht das Leninsche Prinzip des proletarischen Internationalismus, sondern russische Großmachtinteressen hatten damals die Politik der unter Stalin von ihrer sozialistischen Orientierung in der Außenpolitik abgekommenen Sowjetunion gegenüber den Kurden bestimmt.
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#Defend Afrin

Grünen-Bürgermeisterin verlässt der Mut

Erste deutsche Städtepartnerschaft mit Kommune in Nordsyrien droht zu scheitern

Von Nick Brauns

Im September hatte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit großer Mehrheit von Linkspartei, Grünen, und SPD einem Antrag der Linksfraktion zugestimmt, eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Dêrik in der kurdischen Autonomieregion Rojava in Nordsyrien einzugehen.

In junge Welt vom 23.1.18 weiterlesen

Solidarität mit Afrin in Berlin

Brüchige Bündnisse

Türkischer Einmarsch in Afrin

Kommentar von Peter Schaber

Artilleriebeschuss, massive Luftangriffe und der Einmarsch türkischer Truppen – Ankara hat einen großangelegten Militäreinsatz gegen die mehrheitlich von Kurden bewohnte und von ihnen selbst verwaltete Region Afrin im Norden Syriens begonnen. Die Invasion ist klar völkerrechtswidrig. Bombardiert werden häufig Wohngebiete, man will die Bevölkerung in Panik versetzen. Und von der türkischen Seite werden massenhaft Kämpfer islamistischer Banden eingesetzt.
In junge Welt vom 22.1.18 weiterlesen