Mesopotamisches Jerusalem

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Durch Referendum im Nordirak wachsen die Spannungen um Kirkuk

Von Nick Brauns

Der kurdische Präsident Masud Barsani hat am Dienstag abend in einer Fernsehansprache noch vor Auszählung aller Stimmen den Sieg im Unabhängigkeitsreferendum verkündet. Demnach stimmten 92 Prozent für die Eigenstaatlichkeit der kurdischen Gebiete des Irak. Auf Barsanis Ankündigung, nun in Verhandlungen mit Bagdad treten zu wollen, antwortete der irakische Ministerpräsident Haider Al-Abadi mit einem Ultimatum. Sollte die kurdische Regierung nicht bis Freitag die Kontrolle der Flughäfen im Norden des Landes an die Zentralregierung übergeben, werde der Luftraum über Kurdistan gesperrt. Dass die irakischen Kurden für Eigenstaatlichkeit votiert haben, kam nicht überraschend. Da es Barsani mit dem Referendum wesentlich um die Absicherung seiner eigenen Position im innerkurdischen Machtkampf ging, könnte Bagdad nach dieser völkerrechtlich nicht bindenden Meinungsbekundung wieder zur Tagesordnung übergehen. Doch die durch das Referendum in den Fokus gerückte Kirkuk-Frage lässt eine Beruhigung der Lage vorerst nicht erwarten.
weiterlesen in junge Welt vom 28.9.2017


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