Geschenk Gottes

Vor einem Jahr scheiterte ein Putschversuch gegen den ­türkischen Präsidenten Erdogan

Von Nick Brauns

Es war am 15. Juli 2016 gegen 22 Uhr, als plötzlich Kampfflugzeuge im Tiefflug über Ankara flogen und in Istanbul Panzer am Taksim-Platz, den Bosporus-Brücken sowie dem Atatürk-Flughafen auffuhren. In Ankara beschossen Kampfhubschrauber die Zentrale des Geheimdienstes, eine Bombe traf das Parlament. Ein »Rat für Frieden in der Heimat« verkündete über den besetzten staatlichen Fernsehsender TRT die Übernahme der Staatsmacht. Doch über ein von einer Journalistin in die Kamera gehaltenes Mobiltelefon wandte sich Präsident Recep Tayyip Erdogan gegen 22.30 Uhr an die Bevölkerung. Er appellierte an sie, auf die öffentlichen Plätze zu kommen und den Putschisten »die Stirn zu bieten«. Nun strömten Hunderttausende auf die Straße, stellten sich den Soldaten entgegen und kletterten auf die Panzer. Schließlich gaben die Aufständischen, die nur eine Minderheit der Streitkräfte hinter sich hatten, auf. 250 Zivilisten waren durch Schüsse der Putschisten gestorben. Junge Soldaten, die glaubten, an einem Manöver teilzuhaben, wurden von einem islamistischen Mob gelyncht.
In junge Welt vom 14.7.17 lesen


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