Kurden erobern Staudamm

Kriegsallianz rückt weiter auf Rakka vor. Unterstützung von US-Armee und Peschmerga

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SDF schicken Verstärkung über den Euphrat nach Tabka

Von Nick Brauns

Die kurdisch-arabischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK) haben am Wochenende einen Militärflughafen sowie den größten Euphrat-Staudamm bei der Stadt Tabka unter ihre Kontrolle gebracht. Tabka liegt rund 40 Kilometer westlich der vom »Islamischen Staat« (IS) kontrollierten Stadt Rakka, um die die SDK derzeit einen Belagerungsring schließen.

Der Angriff auf Tabqa begann Ende vergangener Woche mit einer spektakulären nächtlichen Luftlandeoperation. US-Kampfhubschrauber setzten rund hundert SDK-Kämpfer und Mitglieder von US-Spezialeinheiten hinter den feindlichen Linien ab, um den Staudamm einzunehmen. Laut kurdischen Quellen sollen auch Peschmerga der irakisch-kurdischen Patriotischen ­Union Kurdistans (PUK) an der Operation beteiligt sein. Bei den Kämpfen um den Damm wurde laut einer Meldung der Nachrichtenagentur ANHA auch der aus Bonn stammende deutsche »Emir« des IS, Abu Omar Al-Almani, getötet.

Am Sonntag abend nahmen Einheiten der SDK auch den Militärflughafen von Tabka ein. Der IS hatte den Flughafen im August 2014 erobert und dort ein Massaker an bis zu 200 syrischen Soldaten verübt. Bilder der damaligen Kriegsverbrechen waren im Internet verbreitet worden. SDK-Vertreter drückten nach Einnahme des Flughafens ihre Hoffnung aus, dass die US-geführte Anti-IS-Koalition damit bei Nachschub- und Personaltransporten für den nun anstehenden Sturm auf Rakka weniger abhängig von der Nutzung der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik sein werde. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor mehrfach damit gedroht, Incirlik für die Anti-IS-Koalition zu sperren, sollte diese weiterhin mit den innerhalb der SDK dominanten kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG kooperieren.

Der IS warnte am Sonntag über die Internetseite »Amaq«, die Sperrmauer von Tabka könnte wegen der Luftbombardements brechen. Sollte der 4,5 Kilometer lange Damm komplett kollabieren, würden sich die Fluten des Assad-Stausees bis nach Rakka ergießen. Vor einer solchen Katastrophe, die Zehntausende Menschenleben kosten würde, hatten die Vereinten Nationen bereits im Februar gewarnt, nachdem ein US-Luftangriff die Anlage beschädigt hatte. Zwar ist es derzeit nicht auszuschließen, dass der IS den Damm vermint hat. Doch wahrscheinlicher zielen die Warnungen des IS darauf, eine Massenpanik in Rakka auszulösen. So könnten sich die in der Stadt verbliebenen Dschihadisten unter die fliehenden Zivilisten mischen.

SDK-Sprecher Talal Silo versicherte unterdessen, bei der Einnahme von Tabka sorgfältig darauf geachtet zu haben, dass der Damm nicht beschädigt wird. Die Anti-IS-Koalition verbreite im Internet Bilder des Dammes, die beweisen sollten, dass dieser keine Schäden aufweisen.
aus: junge Welt vom 28.3.17


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