Grüße aus Moskau

Russische Armee errichtet Basis in kurdischem Kanton im Nordwesten Syriens
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Russische Soldaten und YPG-Kämpfer feiern zusammen Newroz

Von Nick Brauns

Pünktlich zum kurdischen Neujahrsfest Newroz ist die russische Armee mit Schützenpanzern in den von kurdischer Seite ausgerufenen selbstverwalteten Kanton Afrin im Nordwesten Syriens eingerückt. »Die Präsenz russischer Truppen im Bezirk Jandaris ist in einem Abkommen zwischen unseren Einheiten und dem russischen Militär in Syrien vereinbart«, erklärte Redur Xelil, Sprecher der Volksverteidigungseinheiten YPG, am Montag gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti. »Nach den Erfolgen unserer Kräfte gegen terroristische Gruppierungen wollen viele Kräfte uns unterstützen und schließen Abkommen mit uns«, sagte Xelil. So werden die um die YPG gebildeten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK) in den anderen Kantonen Manbidsch, Kobani und Cizire bereits von der US-geführten Allianz gegen den »Islamischen Staat« (IS) militärisch unterstützt.

Das am Sonntag vereinbarte Abkommen beinhalte die Einrichtung eines »heißen Drahtes« zum russischen Militär sowie Ausbildungshilfe für die kurdischen Kämpfer in »moderner Kriegführung« zum Kampf gegen den Terrorismus, erklärte Xelil. Der abchasische Sender ANNA News zeigte Aufnahmen von der Einrichtung des Stützpunktes bei Jandaris. Neben Lastwagen, die Material transportierten, waren auch Schützenpanzer mit russischen Fahnen zu erkennen.

Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums dementierte am Montag gegenüber der Presse, dass die neu geschaffene Basis ein Militärstützpunkt sei. Vielmehr handele es sich um ein »Zentrum der Aussöhnung«, das örtliche Waffenstillstände zwischen den sich bekämpfenden Seiten im syrischen Bürgerkrieg vermitteln und überwachen solle. Infolge eines Ende Dezember 2016 zwischen Russland und der Türkei geschlossenen Abkommens hatte Russland bereits zwei Dutzend solcher Beobachtungsstellen in verschiedenen Regionen Syriens geschaffen. Das Aussöhnungszentrum in Afrin solle Verletzungen des Waffenstillstandes in einem Gebiet verhindern, in dem sowohl kurdische Kräfte als auch Gruppen der Freien Syrischen Armee (FSA) präsent sind.

Im Norden und Osten grenzt Afrin an die Türkei beziehungsweise syrisches Gebiet unter der Kontrolle der von Ankara unterstützten islamistischen FSA-Gruppen. In den vergangenen Monaten war Afrin sowohl von den Dschihadisten wie auch von der türkischen Armee mehrfach beschossen worden. Gegen diese Bedrohung des kurdischen Kantons richtet sich die von der türkischen Grenze aus erkennbare russische Militärpräsenz.

Die türkische Regierung zeigte sich erwartungsgemäß irritiert über das Abkommen zwischen den YPG und Russland. Ankara habe sowohl Russland wie den USA mitgeteilt, niemals die Etablierung eines »Terrorstaates« im Norden von Syrien zu akzeptieren, erklärte der türkische Vizepremier Numan Kurtulmus am Montag. Aus Sicht Ankaras handelt es sich bei den YPG um den syrischen Ableger der in der Türkei als »Terroristen« verbotenen und scharf verfolgten Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

»Leider zeigten weder Russland noch die USA entsprechende Empfindlichkeiten bezüglich der Rakka- und Manbidsch-Operationen«, beklagte Kurtulmus. Die türkische Regierung hatte Ende Februar angekündigt, mit Hilfe der unter dem Dach der Militäroperation »Euphrat-Schild« versammelten Einheiten der türkischen Armee und ihrer dschihadistischen und faschistischen FSA-Söldner, die syrische Stadt Manbidsch westlich des Euphrat von den YPG »zu befreien«. Nach ersten Angriffen dieser Truppen auf Dörfer bei Manbidsch verstärkte die US-Armee, die in der Stadt ein Ausbildungscamp für die SDK unterhält, ihre Präsenz.

Die SDK wiederum schlossen ein Abkommen mit Russland, aufgrund dessen die syrische Armee Anfang März in zuvor von den SDK gehaltene Stellungen westlich der Stadt einrückte und einen Puffer zu den türkischen Truppen bildete. Im Internet wurden Bilder verbreitet, die russische Soldaten aus dem Kaukasus beim Halay-Tanz mit SDK-Kämpfern zeigten.

Erste von US-Spezialeinheiten unterstützte SDK-Einheiten erreichten zu Wochenbeginn die Vororte der vom IS kontrollierten Stadt Rakka. »Die Entscheidung ist gefallen«, hatte YPG-Kommandant Sipan Hemo vor wenigen Tagen den Sturm auf die zuvor von den SDK von allen Seiten eingekesselte Stadt für April angekündigt. Ein Großteil der IS-Kämpfer soll Rakka bereits in Richtung Deir Essor verlassen haben, berichteten unterdessen iranische Sender unter Berufung auf syrische Quellen.

Aus: junge Welt vom 22.3.17


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