Archiv für November 2016

Zum Tod von Fidel Castro

Kondolenzschreiben der kurdischen Freiheitsbewegung

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Die Union der Gemeinschaften Kurdistans (KCK) sprach dem kubanischen Volk das Beileid der kurdischen Freiheitsbewegung aus:

Fidel, der bis zu seinem letzten Atemzug die edelsten Ideale und Sehnsüchte der Menschheit verkörpert hat, wird nicht vergessen werden. Sein Erbe wird fortleben in den Kämpfen für Freiheit, Demokratie und Sozialismus. Die kurdische Befreiungsbewegung wird den Beitrag Fidel Castros zu diesem Kampf niemals vergessen. Sie wird den Kampf des kurdischen Volkes und der Völker des Nahen Ostens in seinem Geist und im Sinne seiner politischen Ideale führen.

Die von Fidel Castro und Che Guevara geführte Kubanische Revolution war für die kurdische Bewegung eine wichtige Inspiration. Ihr revolutionärer Geist und ihre Sehnsucht nach Freiheit, das Herausfordern der Tyrannen, Faschisten, Diktatoren und Imperialisten haben bei der Entwicklung des Kampfgeistes der PKK eine bedeutende Rolle gespielt. Wie Kuba als kleines Land den Imperialismus herausgefordert hat, war auch ein Beispiel für den Freiheitskampf der Kurden. So wie die Revolutionäre in Kuba hat auch die kurdische Bewegung durch ihre politische Praxis bewiesen, dass kein Hindernis den Kampf für Freiheit und Demokratie aufhalten kann. Sie hat gekämpft und hat den Sieg errungen – wie mächtig der Feind auch ist, und wie viele Hindernisse ihr auch im Weg stehen.

Fidel Castro und das kubanische Volk haben unermesslich viel zur Freiheitsgeschichte der Menschheit beigetragen. Zu einer Zeit, als der Imperialismus und der Faschismus die Welt regierten, haben ihr Widerstandsgeist und die siegreiche Revolution des kubanischen Volkes den Befreiungskämpfen sämtlicher Völker Auftrieb verliehen. Vor allem haben sie dazu beigetragen, den Freiheitsgeist der Menschen in Südamerika zu wecken. Sie haben die verschiedenen Länder der Region in ein einziges Land des revolutionären Kampfes verwandelt, in dem das Ringen um Freiheit und Demokratie niemals zum Erliegen kommt.

Außerhalb Lateinamerikas war der Nahe Osten jene Region, die von Fidels Ideen am stärksten beeinflusst wurde. Er hatte eine große Bedeutung für die Entstehung der revolutionären Bewegungen in der Türkei und in Kurdistan. Der Einsatz Fidel Castros und Che Guevaras und der Charakter der Kubanischen Revolution waren eine Quelle der Inspiration für die Völker, die unter brutaler Unterdrückung litten. Der internationalistische Geist der Kubanischen Revolution hat etwa Haki Karer und Kemal Pir dazu inspiriert, sich der Freiheitsbewegung anzuschließen. Die kurdische Freiheitsbewegung und ihr Anführer Apo (Abdullah Öcalan, jW) haben die Menschen und Bewegungen, die sie in ihrem Kampf inspirierten, niemals vergessen. So werden wir es auch im Falle Fidel Castros und der Kubanischen Revolution halten: Wir werden das Erbe dieses Revolutionärs lebendig halten, indem wir für die Verwirklichung der von ihm verkörperten Werte eintreten.

Der revolutionäre Geist Fidel Castros und seiner Genossen wird fortleben im Kampf der ganzen Menschheit für Demokratie, Freiheit und Sozialismus. Eines Tages wird die Menschheit jene Welt erschaffen, nach der sie sich sehnt.

Übersetzung: Michael Streitberg, aus junge Welt 29.11.2016

Türkei : Große Teile von Sirnak dem Erdboden gleichgemacht

28. November 2016 Elke Dangeleit auf Telepolis

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Die Selbstverwaltungsstrukturen der Stadt wurden zerschlagen. An den Hängen um Sirnak herum leben über 30.000 obdachlose Familien in Zelten

Bekannt sind die Bilder von Kobanê, der kurdischen Stadt in Rojava/Nordsyrien, die 2015 vom IS fast eingenommen worden wäre, aber von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG/YPJ zurückerobert wurde. Der erfolgreiche Kampf der Kurden um diese Stadt wurde weltweit gefeiert, abgesehen von der türkischen Regierung, die sich nicht nur rausgehalten hat, sondern den IS laut vieler Indizien mit Waffen und Support unterstützt hat.
Auf Telepolis weiterlesen

Türkischer Angriff auf Minbic – Terror gegen Zivilbevölkerung zur Vernichtung eines politischen Projekts

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Michael Knapp, 25.11.2016

Die letzten Monate waren geprägt vom Säbelrasseln der türkischen Regierung. Der türkische Staatschef Erdogan erklärte immer wieder, dass die YPG aus Minbic (Manbij) vertrieben werde, dass Minbic nicht den Kurden, sondern den Arabern „gehöre“. Er feierte den Abzug der YPG aus Minbic vor wenigen Tagen als einen Triumph seiner Politik, die Tatsache bewusst verkennend, dass die YPG und YPJ Einheiten nur die Selbstverteidigungseinheiten von Minbic ausbildeten und sich dann zurückzogen. Die YPG stellte mit ihrem Abzug aus Minbic nochmals deutlich klar, dass sie keine Besatzungsmacht sind, sondern entsprechend dem Selbstverständnis von Rojava die Selbstverwaltung und Selbstverteidigung der Lokalbevölkerung übertragen.
Auf Civaka Azad Seite weiterlesen

„Wir sind selbst zu Flüchtlingen geworden“

Ein Gespräch mit Cudî B. und Bagok R.

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Nusaybin nach der Besatzung durch die türkische Armee

Cudî B. und Bagok R. stammen aus der kurdischen Stadt Nusaybin an der türkisch-syrischen Grenze, wo sie sich in der links-kurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) engagiert hatten. Im November kamen sie als Flüchtlinge nach Berlin. Ulla Jelpke und Sukriye Dogan sprachen mit ihnen über die Situation in Kurdistan und ihre Flucht

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Wir sind nicht freiwillig oder aus einer wirtschaftlichen Not gekommen. Wir sind Flüchtlinge. Wir mussten untertauchen, ansonsten wären wir verhaftet worden. An den drei Zufahrtsstraßen nach Nusaybin gibt es Kontrollpunkte. Dort werden Personen festgenommen, deren Namen auf einer schwarzen Liste stehen. Freunde hatten uns gewarnt, dass wir auch auf der Liste stehen. Von Rechtsanwälten, die Zugang zu Polizeiprotokollen haben, erfuhren wir, dass ein bereits Festgenommener unter Folter unsere Namen genannt hat. Einige unserer Freunde wurden schon verschleppt. Wir wissen nicht, was mit ihnen geschehen ist, denn es ist lebensgefährlich, sich bei den Behörden nach ihrem Verbleib zu erkundigen. Es ist schlimmer als in den 90er Jahren, als sehr viele Menschen verschleppt und ermordet wurden.
Weiterlesen auf Website von Ulla Jelpke

Das »kurdische Guernica«

Sirnak: Betretungssperre für Bevölkerung aufgehoben. Nach monatelangem Beschuss sind von der Stadt im Südosten der Türkei nur noch Ruinen geblieben

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Von Nick Brauns

Seit voriger Woche dürfen die vertriebenen Bewohner von Sirnak (kurdisch: Sirnex) wieder in die Stadt in den Bergen im äußersten Südosten der Türkei zurückkehren. Nach achtmonatiger Betretungssperre hoffen sie, kurz vor Wintereinbruch ihre Häuser, die während wochenlanger Kämpfe im Frühjahr beschädigt wurden, wieder notdürftig instand setzen zu können. Doch viele Rückkehrer, die sich zuerst an Polizeiposten registrieren lassen müssen, finden nicht einmal mehr Trümmer ihrer Häuser vor. 80 Prozent der Stadt wurden zerstört.
in junge Welt vom 24.11.16 weiterlesen

26.12. Demonstration gegen das PKK-Verbot

#DEMO 26.11 Revaler Str. Ecke Warschauerstr. Uhrzeit : 16:00 Uhr

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Aufruf des Verbandes der Studentinnen und Studenten aus Kurdistan YXK

Wir rufen alle demokratischen und antikapitalistischen Kräfte dazu auf am 26.11.16 gemeinsam gegen die zunehmenden staatlichen Repressionen und den erstarkenden Faschismus zu demonstrieren! Wir wollen gemeinsam mit allen Menschen, die an Freiheit und Gleichheit glauben, an diesem Tag auf die Straße gehen und ein starkes Zeichen für die revolutionären Kämpfe auf dieser Welt setzen.

Ob in Kurdistan, Europa oder anderen Teilen der Welt: Überall wächst der Widerstand gegen den zunehmenden staatlichen Druck auf die Gesellschaften. Insbesondere im Mittleren Osten führen Kurd_innen, Araber_innen und andere Völker einen entscheidenden Kampf. Das faschistische Regime der AKP, das Assad-Regime oder der iranische Staat versuchen vehement die Freiheitsbestrebungen der Völker zu unterdrücken. Sie verbindet eine Mentalität, die keinen Platz für gesellschaftliche Vielfalt, Solidarität und Gleichberechtigung kennt. Dagegen leistet die Kurdische Freiheitsbewegung seit 40 Jahren erfolgreich Widerstand. Mit der Revolution in Rojava hat sie einen Ort der Hoffnung für alle demokratischen und antikapitalistschen Kräfte auf der Welt geschaffen.
Auch in Europa setzen die Staaten zunehmend auf nationalistische und rassistische Kräfte. Stimmungsmache gegen Geflüchtete, die Militarisierung der Gesellschaft, und die Abschottungspolitik an den Grenzen bestimmen die Politik der europäischen Staaten. Der Druck auf die demokratischen und revolutionären Stimmen wächst auch hier. Die Kurdische Freiheitsbewegung, türkische revolutionäre Gruppen und solidarische deutsche Kräfte werden immer stärker kriminalisiert. Dafür sprechen die über 20 kurdischen und türkischen Aktivist_innen in Haft, die Repressionen gegen die Rigaer-Straße in Berlin oder die Korn in Hannover. Die europäischen Staaten zeigen damit, dass auch sie von gesellschaftlichen Kämpfen für Selbstbestimmung und Selbstverwaltung nicht viel halten.

Umso wichtiger ist es dass sich solidarische Kräfte gegen die bestehenden Verhältnisse zusammentun. Lasst uns dieses Jahr am 23. Jahrestag des Verbots der PKK und in Erinnerung an den 1992 ermordeten Antifaschisten Silvio-Meier, zusammen auf die Straßen gehen, nicht nur um ein Zeichen gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus im Nahen-Osten zu setzen, sondern auch um auf ihre Zusammenhänge mit den imperialistischen, neoliberalen und von Repressionen durchzogenen europäischen Verhältnissen, aufmerksam zu machen. Das Heißt die Kämpfe nicht getrennt, sondern zusammen zu denken und zusammen zu führen! Deshalb:

Rufen wir auf zur #Demonstration gegen das #Verbot der #PKK!
Rufen wir auf zur anschließenden #Demonstration im #gedenken an #Silvio-#Meier!
Schulter an Schulter gegen Faschismus!
Faşizme Karşı Omuz Omuza!
Hoch die Internationale Solidarität!
16:00 Uhr, Warschauerstr.
17:00 Uhr Anschluß an die Silvio-Meier-Demo U-Bahnhof Samariterstraße

»Türkei nicht länger unterstützen«

Ankara hilft Dschihadistenmiliz IS mit »Tornado«-Aufklärungsergebnissen. Deutsche Waffen für Krieg gegen die Kurden. Ein Gespräch mit Saleh Muslim Mohamad

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Saleh Muslim Mohamad ist Kovorsitzender der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) in Syrien

Wie würden Sie die aktuelle Lage im Norden Syriens in den von Kurden gehaltenen Gebieten beschreiben?

Wir befinden uns im Krieg. In einem heißen Krieg. Wir sind auf dem Vormarsch auf die Stadt Rakka, die vom Daesch – bei Ihnen bekannt als »Islamischer Staat« bzw. IS – besetzt gehalten wird. Die Allianz der »Syrischen Demokratischen Kräfte«, SDF, und als deren Teil die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG haben in der Stadt Ain Issa ihre Offensive gestartet und gleich in den ersten Tagen mehrere Ortschaften von der IS-Herrschaft befreit. Wir sind dabei, einen Belagerungsring um Rakka zu schließen. Wir liefern uns schwere Kämpfe mit Daesch und werden dabei von der »Internationalen Koalition« mit Luftangriffen unterstützt.
in junge Welt vom 23.11.2016 weiterlesen

Gemeinsamer Widerstand gegen Faschismus – jetzt erst recht !

Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V. – Cenî

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Gewalt gegen Frauen auf allen Ebenen

Gemeinsamer Widerstand gegen Faschismus – jetzt erst recht !Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen, womit wir an den staatlichen Mord an den drei Antifaschistinnen Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal am 25.11.1960 in der Dominikanischen Republik erinnern, rufen wir alle Frauen der Welt auf, gegen Gewalt, Faschismus und Ausbeutung Widerstand zu leisten.
Auf ISKU-Website weiterlesen

Wir verdammen die Gewalt, die Kader angetan wurde !

In den Tagen um den 25. November herum, an dem die Frauen für den Kampf gegen Gewalt an Frauen auf die Straße gehen, geht die Gewalt gegen Frauen, gehen die Morde an Frauen unbegrenzt weiter.

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Am Abend des 20. November wurde die aus dem kurdischen Nusaybın stammende 28jährige Kader Kadandır von ihrem 38 Jahre alten früheren Ehemann, Nurettin Bayrak, brutal mit einem Messer verletzt, anschließend an einem Strick um den Hals vor den Augen des 2 ½ jährigen Kindes hinter einem Auto hergeschleift. Durch eingreifende NachbarInnen wurde sie ins Krankenhaus gebracht, wo sie zur Stunde noch um ihr Leben kämpft. Kader war unzählige Male von Nurettin Bayrak, mit dem sie 2013 geheiratet hatte, gewalttätig angegriffen worden. Auch ihre Mutter, die dagegen protestierte, dass ihre Tochter geschlagen wird, wurde Opfer seiner Gewalt.
Aber Kader zog die Konsequenz und ließ sich 2014 von Nurettin scheiden. Wie viele andere Frauen wurde auch Kader Opfer eines grausamen Gewaltexzesses, gerade weil sie aufbegehrte.
Als Fraueneinrichtungen werden auch wir gegenüber Feminizid nie aufhören zu protestieren und Kader nicht allein lassen. Wir fordern alle auf, sich an der Kampagne der Kurdischen Frauenbewegung in Europa (TJK-E) zu beteiligen.
Als Frauen ist für uns eine Zeit, in der wir nicht gegen diese Herrschaftskultur ankämpfen, eine Zeit in der wir unser Menschsein verloren haben.
Denn mit jeder Frau, die umgebracht wird, wird auch uns dies angetan. Wir rufen die gesamte Gesellschaft aber auch besonders die Frauen auf, sich dieser grausamen Gewalt,
die Kader Kadandir erfahren hat, entgegenzustellen und lauthals zu protestieren. Erst recht an den Tagen um den 25. November, dem Kampftag gegen Gewalt an Frauen,
rufen wir die Frauen auf, gemeinsam auf die Straße zu gehen, um uns einer Männerherrschafts-Kultur entgegenzustellen, die jede Art menschenunwürdige Behandlung gegenüber Frauen hervorbringt. Gehen wir organisiert auf die Straßen und greifen wir die Kampagne der Kurdischen Frauenbewegung in Europa (TJK-E) auf:
‚Ji bo têkbirina dagirkeriyê xwebûn! Sömürgeciliği yenmek için kendin ol! Nimm deinen Platz ein, um den Kolonialismus zu besiegen!‘

CENÎ – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V.
Kurdish Women’s Office for Peace
Buroya Aşitıyê ya Jinên Kurd

Postfach 10 18 05
D – 40009 Düsseldorf
Germany

Tel.: +49 (0)211 598 92 -51/ Fax: -53
E-mail: ceni_frauen@gmx.de
www.ceni-kurdistan.com
FB: Ceni Frauen

Bankverbindung:
Stadtsparkasse Düsseldorf
IBAN DE14 3005 0110 1004 4397 15
BIC DUSSDEDDXXX

Prozesse gegen kurdische Oppositionelle in Deutschland

22. November 2016 Elke Dangeleit auf Telepolis

Seit Oktober 2016 findet vor dem Berliner Kammergericht der Prozess gegen den kurdischen Aktivisten Ali Hidir Dogan (52) statt. Ihm wird vorgeworfen, im Zeitraum der Jahre 2014 und 2015 in der BRD als sogenannter Gebietsleiter für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) tätig gewesen zu sein. In Deutschland laufen derzeit mehrere Prozesse gegen türkische Kommunisten und kurdische Aktivisten.

Nachdem Außenminister Steinmeier bei seinem Türkeibesuch die PKK mit dem IS auf die gleiche Stufe stellte, macht es ganz den Anschein, als ob die Bundesregierung beim Generalverdacht gegen die Kurden in Deutschland Erdogan entgegenkommen will. Dieser Eindruck entsteht, wenn man sich näher mit den Prozessen beschäftigt.

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