Türkischer Angriff auf Rojava und Syrien

Türkische Armee und FSA-Söldner greifen Grenzstadt Jarablus an

f

Von Nick Brauns

Die türkische Armee hat in der Nacht zum Mittwoch mit einer Militäroffensive gegen die nordsyrische Grenzstadt Jarablus begonnen. Artillerie, Panzer und Kampfflugzeuge bombardierten nach türkischen Regierungsangaben Dutzende Stellungen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Da bereits in den letzten Tagen zahlreiche IS-Kämpfer aus Jarablus in die Türkei evakuiert worden waren, ist allerdings fraglich, ob die bombardierten IS-Positionen überhaupt noch besetzt waren. An dem Einmarsch von Bodentruppen mit Panzern sind neben türkischen Spezialkräften mehrere unter dem Dach der Freien Syrischen Armee (FSA) agierenden Söldnerverbände beteiligt. Bei den rund 1500 in den letzten Tagen an der Grenze zusammengezogenen FSA-Gruppen handelt es sich um dschihadistische Verbände aus dem Umfeld der Al Nusra Front und Al Qaida sowie turkmenische Brigaden.
Bereits in den späten Abendstunden des Dienstag waren die Bewohner der türkischen Grenzstadt Karkamis von örtlichen Behörden zum Verlassen der Stadt aufgefordert worden. Grenznahe Regionen der Provinz Gaziantep wurden zum Sperrgebiet erklärt.
Offiziell richtet sich die Operation „Schild des Euphrat“ gegen die Präsenz IS im Grenzgebiet zur Türkei. Vertreter der türkischen Regierung hatten allerdings deutlich gemacht, dass ihr Hauptinteresse darin besteht, eine kurz bevorstehende Einnahme der seit drei Jahren vom IS kontrollierten Stadt durch die Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF) zu verhindern. Denn die stärkste Komponente dieses multiethnischen, von den USA unterstützten Kampfverbandes gegen den IS bilden die von Ankara als terroristisch eingestuften kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG. So erklärte das türkische Innenministerium, eine Bedrohung ginge neben dem IS auch von anderen „Terrororganisationen“ in Syrien aus – ein klarer Hinweis auf die YPG. Noch deutlicher wurde Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch. Der Angriff auf Jarablus richte sich gegen „die Terrororganisationen IS und PYD“.„Die Türkei steckt im syrischen Sumpf. Sie wird dort ebenso geschlagen werden, wie der IS“, erklärte der Co-Vorsitzende der in der nordsyrischen Selbstverwaltungsregion Rojava führenden kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Salih Muslim, über Twitter. Der Militärrat von Jarablus, dem vornehmlich arabische SDF-Einheiten angehören, hatte zu Wochenbeginn erklärt, jeden Angriff von Seiten der Türkei als völkerrechtswidrige Aggression gegen Syrien zurückzuschlagen. Die türkische Regierung forderte die YPG auf, sich auf die östliche Seite des Euphrat zurückzuziehen. Ein „kurdischer Korridor“, wie ihn die SDF zur Verbindung der Selbstverwaltungskantone Kobani und Afrin anstreben, sei für Ankara inakzeptabel.
Der Sprecher des US-Außenministeriums Mark Toner sah sich so genötigt, „beide Seiten“, – gemeint sind die Türkei und die SDF – „daran zu erinnern, dass der IS der Hauptfeind hier ist und dass dieser gemeinsame Feind konfrontiert werden muss“. US-Vizepräsident Joe Biden, der sich zu Gesprächen mit der türkischen Regierung in Ankara aufhält, erklärte später, dass die USA die Operation der türkischen Armee unterstützten. Biden forderte die YPG auf, sich auf die Westseite des Euphrat zurückzuziehen.


0 Antworten auf „Türkischer Angriff auf Rojava und Syrien“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


drei × = siebenundzwanzig