Niederlage von Assad in Hasaka

Waffenstillstand zwischen Rojava-Administration und Regimeunterstützern in nordsyrischer Großstadt

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Asayis befreit politische Gefangene aus dem Gefängnis von Hasaka

von Nick Brauns

In der nordostsyrischen Großstadt Hasaka einigten sich Vertreter der syrischen Regierung und der Rojava-Administration auf einen seit Dienstag Nachmittag geltenden Waffenstillstand. Vorangegangenen waren einwöchige schwere Kämpfe zwischen kurdischen Milizen und Regierungstruppen, bei denen die syrische Armee erstmals Luftangriffe auf Stellungen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG flog. YPG und die Polizeimilizen Asayis nahmen während der Kämpfe mehrere zuvor von den loyalistischen Nationalen Verteidigungskräften (NDF) kontrollierte Stadtteile ein, hunderte Regierungsanhänger ergaben sich. Die Asayis eroberten zudem das Gefängnis, aus dem politische Gefangene und Kriegsdienstverweigerer befreit wurden.
Das Friedensabkommen bedeutet einen vollständigen Sieg der kurdischen Seite. Die syrische Regierung willigte, die Armee und NDF-Milizen aus Hasaka abzuziehen während die Asayis die Kontrolle auch über die zuvor eroberten Stadtviertel bekommt. In der Innenstadt behält die Regierung allerdings eine „Sicherheitsbox“ um mehrere Regierungsgebäude, für deren Schutz die syrische Polizei sorgen wird. Zudem sollen die in der öffentlichen Verwaltung beschäftigten syrischen Beamten ihren Dienst weiter ausüben. Beide Seiten tauschten ihre Gefangenen aus und bauten Straßensperren ab.
Das Waffenstillstandsabkommen sei auf Wunsch einflussreicher lokaler Persönlichkeiten, Stammesführer und des Auslandes geschlossen worden, berichtete die kurdische Nachrichtenagentur Firat. Gemeint ist wohl Russland, das bereits am Wochenende zu vermitteln versuchte. Aber auch die USA, deren Luftwaffe am Donnerstag Abend zum Schutze von US-Spezialeinheiten in Hasaka syrische Kampfflugzeuge bedrängten, dürfte kein Interesse an einer weiteren Front im syrischen Krieg gehabt haben und entsprechend Druck auf ihre kurdischen Verbündeten ausgeübt haben.
Ilham Ahmed, die Co-Vorsitzende des hinter den SDF stehenden politischen Gremiums Syrisch-Demokratischer Rates, sieht die Angriffe der Regierungstruppen in Hasaka als Ergebnis einer neuen Kooperation zwischen der Türkei, dem Iran und der syrischen Regierung. Es sei allerdings noch nicht klar, ob es sich um eine taktische oder strategische Kooperation handele. „Es ist offensichtlich, dass wir es mit einem großen Spiel zu tun haben und der türkische Staat ist der Kopf davon“, erklärte Ahmed am Dienstag gegenüber Firat News. Das syrische „Regime“ müsse seine Entscheidung überdenken und „das Feuer löschen, das sie entfacht haben“, reichte die kurdische Politikerin zugleich der syrischen Regierung versöhnlich die Hand. „Wenn es dies macht, wird dies das Ende der Interessen des türkischen Staates in der Region bedeuten.“
Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS), die im vergangenen Jahr in Kooperation von YPG und Regierungskräften aus Hasaka vertrieben worden war, nutzte die Auseinandersetzungen unter ihren Feinden bereits für eine neue Offensive südlich der Stadt.


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