Waffenstillstand in Qamishli

Abkommen zwischen syrischer Regierung und kurdischer Selbstverwaltung nach dreitägigen Kämpfen

Die Mitte letzter Woche ausgebrochenen Kämpfen zwischen kurdischen Sicherheitskräften und syrischen Regierungstruppen in der nordsyrischen Stadt Qamishli sind beendet. Am Freitag einigten sich Vertreter der Selbstverwaltung mit einer aus Damaskus eingetroffenen Regierungsdelegation auf einen Waffenstillstand. Das Generalkommando der Asayis (Sicherheit) des Selbstverwaltungsgebietes Rojava gab an, dass bei den Gefechten 10 Angehörige der kurdischen Milizen sowie 31 Soldaten der syrischen Armee und der regierungsnahen Miliz der Nationalen Verteidigungskräfte (NDF) getötet wurden. Zudem wurden 17 Zivilisten unter anderem durch Mörserbeschuss von Wohnviertel durch Regierungstruppen getötet. 102 Regierungsanhänger gerieten in Gefangenschaft der Asayis, die auch ein bislang von der Regierung gehaltenes Gefängnis eroberte und politische Gefangene befreite.

Auslöser der bislang schwersten Gefechte zwischen Kurden und Regierungskräften waren Verschleppung mehrer kurdischer Milizionäre durch die NDF und einen Angriff auf einen Checkpoint der Asayis ausgelöst worden, bei dem zwei kurdische Polizisten getötet wurden. Die Regierung in Damaskus habe zeigen wollen, dass sie noch über Einfluss in der Region verfüge, meint die Vertreterin der Selbstverwaltung Ilham Ahmet gegenüber dem syrisch-kurdischen Sender ArtaFM. Die syrische Regierung hatte vergangenen Monat die Ausrufung einer föderalen Region Nordsyrien/Rojava durch eine um die kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD) gebildete Syrische Demokratische Konferenz als Angriff auf die territoriale Integrität des Landes verurteilt.

Stammesführer hatten auf eine Beilegung der Kämpfe in der von Kurden, Arabern und christlichen Assyrern bewohnten Großstadt gedrängt. Im Hintergrund dürfte die russische Regierung eine Vermittlerrolle eingenommen haben. Auf dem von der syrischen Armee kontrollierten Flugplatz von Qamishli sind russische Militärspezialisten stationiert. Die russische Luftwaffe hatte in den letzten Monaten sowohl die syrische Armee als auch die kurdischen Volksverteidigungskräfte YPG im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) unterstützt.

Die Lage blieb auch am Wochenende in Qamishli angespannt. Zudem flog die syrische Luftwaffe am Freitag einen Angriff auf den vor allem von Kurden bewohnten Stadtteil von Aleppo, Sheik Mesud, bei dem sechs Zivilisten getötet wurden. Sheik Mesud steht seit Monaten bereits unter Beschuss der von der Türkei unterstützten dschihadistischen Kampfverbände.


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