Archiv für Februar 2016

Zivilisten unter Feuer

Türkische Armee beschießt von Hubschaubern aus kurdische Städte. Festnahmen bei Trauerzeremonie für Selbstmordattentäter

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Eine Mutter mit sechs Kindern ist in einem der Keller unter dem bombardierten Stadtteil Sur gefangen – mehrere Kinder wurden beim Beschuss des Hauses verletzt

Von Nick Brauns

Der türkische Staat geht immer brutaler gegen die kurdische Bevölkerung im Südosten des Landes vor. Wie die Nachrichtenagentur Firat am Mittwoch berichtete, haben zwei »Cobra«-Kampfhubschrauber die Kleinstadt Idil in der an Syrien und den Irak grenzenden Provinz Sirnak beschossen. Kurdische Zivilverteidigungseinheiten (YPS) haben hier Barrikaden errichtet, um das Eindringen der Einsatzkräfte zu verhindern. Panzer der Armee feuerten auf Wohnhäuser, zahlreiche gingen in Flammen auf. Anfang vergangener Woche war über die Stadt eine Ausgangssperre verhängt worden. Fast alle der rund 30.000 Einwohner von Idil waren geflohen, nur rund 2.000 Zivilisten blieben.
In junge Welt vom 25.2.15 weiterlesen

Kampfzone ausgeweitet

Neue Ausgangssperren verhängt: Ankara setzt seinen Feldzug gegen die kurdische Bevölkerung fort

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Diyarbakir-Sur weiter unter Beschuss

Von Peter Schaber

Die bisherige Bilanz des brutalen Krieges, den die türkische Regierung gegen die kurdische Befreiungsbewegung führt, hat im Südosten der Türkei zu einer humanitären Katastrophe geführt: Hunderte Zivilisten wurden ermordet, Zehntausende Menschen mussten fliehen, Städte wie Silopi oder Cizre sind durch Panzer- und Granatbeschuss zu großen Teilen unbewohnbar geworden.
In junge Welt vom 18.2.15 weiterlesen

Rund 200 Zivilisten in Sur von einem Massaker des türkischen Staates bedroht

Pressemitteilung des Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 18.02.2016

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Nach den Massakern des türkischen Militärs in der kurdischen Stadt Cizîr (Cizre) sind nun im Stadtbezirk Sur rund 200 Menschen der akuten Gefahr eines Massakers ausgesetzt. Der Bezirk Sur in der kurdischen Großstadt Amed (Diyarbakir) wird nun seit 79 Tagen durch das türkische Militär belagert und angegriffen. Seit den Morgenstunden des 18. Februar werden die in Sur eingeschlossenen Menschen massivem Raketenbeschuss ausgesetzt. Gleichzeitig kreisen Militärflugzeuge des türkischen Staates im Tiefflug über den Bezirk.
auf Civaka Azad weiterlesen

„YPG steckt hinter Anschlag in Ankara“ – Warum diese Behauptung so absehbar war

Pressemitteilung des Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 18.02.2016

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Schon am Morgen nach dem verheerenden Anschlag in Ankara, bei dem mindesten 28 Menschen ums Leben gekommen sind, haben die Ermittlerteams der türkischen Sicherheitskräfte ganze Arbeit geleistet und den scheinbar Verantwortlichen bereits ermittelt: Demnach ist der Täter ein 24-jähriger namens Salih Neccar, geb. 1992 in der nordsyrischen Stadt Amudê. Das ließ der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu am Donnerstag verlautbaren. Neccar habe sich selbst in die Luft gejagt und sei – welch Überraschung! – Mitglied der YPG (Volksverteidigungseinheiten, Teil der Demokratischen Kräfte Syriens).
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Das kurdische Volk ist stolz auf dich, Mehmet Tunç!

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Von Nurcan Baysal, 10. Februar 2016

Der folgende Artikel ist ein offener Brief an das Europäische Parlament und wurde an jeden EU-Abgeordneten und alle EU-Organe verschickt

Es gibt viele Verwundete, die in Kellern in Cizre seit fast einem Monat Zuflucht gesucht haben. Es gab einen Mann, der uns informiert hat, die ganze Welt, tatsächlich auch Sie, das Europäische Parlament, über das, was in Cizre geschieht; dieser Mann war der Co-Vorsitzende der Volksversammlung von Cizre.

Auch, als die Nachricht vom Tode Mehmet Tunçs schon zwei Tage lang über soziale Medien verbreitet wurde, wollte ich es nicht glauben. Während der letzten zwei Tage habe ich mit dem Telefon in der Hand, in Verbindung mit Menschen von Orten zwischen Cizre und Brüssel, versucht herauszufinden, was mit ihm geschehen ist. Ich wollte nicht glauben, dass dieser tapfere Mann gestorben ist.
Heute Abend bekam ich die Nachricht, dass Mehmet Tunç sein Leben verloren hat. Ich hatte mit Mehmet Tunc vor zwei Wochen gesprochen, als ich in Büssel war, um ein Seminar der 12. „EU, Türkei, Mittlerer Osten und die Kurden“ Konferenz (EUTCC) zu moderieren.

Mehmet Tunç hatte einen Aufruf an das Europäische Parlament verfasst aus dem Keller, in den sie sich zurückgezogen hatten.

Auf isku-Website weiterlesen

Moskau spielt die kurdische Karte

Autonomieregion Rojava eröffnet Büro in Russland. Türkei verärgert über Bündnispolitik der USA

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Von Nick Brauns

Ein kurdisches Sprichwort lautet: »Die Kurden haben keine Freunde außer den Bergen.« Das dürfte der türkischen Regierung anders vorkommen. Zumindest die Kurden im Nachbarland Syrien scheinen sich derzeit vor mächtigen Freunden kaum retten zu können.

So wurde am Mittwoch in Moskau eine diplomatische Vertretung der nordsyrischen Autonomieregion Rojava eröffnet. Da dieser Schritt auf Einladung der russischen Regierung erfolgte, kommt er einer, zwar nicht völkerrechtlichen, doch faktischen Anerkennung der drei mehrheitlich kurdisch besiedelten Selbstverwaltungskantone gleich.

in junge Welt vom 11.2.15 weiterlesen

13.Februar: Beats for Kurdistan


Im Rahmen der „Internationalismustage 2016“ findet am Samstag Abend unter dem Motto „Beats for Kurdistan“ ein grosses Solidaritätskonzert für den Widerstand der kurdischen Befreiungsbewegung und der fortschrittlichen linken Kräfte in der Region gegen Erdogans Staatsterror und der Barbarei des sogenannten „Islamischen Staates“ statt. Nachdem das Konzert nach Protesten von türkischen Nationalisten im Statthaus Böcklepark abgesagt wurde, findet es nun im „Jockel“ statt, Ratiborstr. 14 in Berlin Kreuzberg. Die Einahmen gehen an die Kampagne „Waffen für die YPG/YPJ – Solidarität mit Rojava“.

Line Up:

Aisha (Folk/Berlin)
Çığır (angefragt) (Liedermacher/Berlin)
Boykott (Rap/ Wilhelmshaven)
Guevarah (Rap / Berlin)
Thawra (Rap / Berlin)
Holger Burner (Rap / Hamburg)
FreeFighter Muzik (Rap / Stuttgart)
MC Intifada & Konta (Rap and more / Bonn / Berlin)
S.Castro & Vatez (Rap / Köln / Wuppertal)

FACEBOOK-EVENT

11.02: Demo gegen Kriegsverbrechen in Cizre


Neue Schreckensmeldungen erreichen uns aus einem weiteren Wohnhaus in Cizîr (Cizre). So berichtet ein Verletzter aus einem Wohnhaus telefonisch dem Fernsehsender MedNuce TV, dass in den Keller eines Wohnhauses in der Nähe des Kerem Hotels Spezialkräfte eingedrungen seien und dort die bis zu 20 verletzten Personen bei lebendigem Leib verbrannt hätten. Sie selbst, eine Gruppe von rund 25 Menschen, befinden sich in einem anderen Stockwerk des Wohnhauses, aus welchem sie die Schreie der Menschen aus dem Keller vernommen hätten. Die Verletzten aus dem oberen Stockwerk befürchten, dass die Spezialkräfte auch sie verbrennen werden.

Mehr Infos

Kommt alle zur Demo gegen die Kriegsverbrechen der AKP-Regierung: Donnerstag / 11. Feburar / 16 Uhr / Alexanderplatz

Merkel beim Terrorpaten

Türkische Armee ermordet Dutzende Verwundete in Cizre

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In Cizre massakrierte die Armee verwundete Zivilisten in einem Keller

Von Nick Brauns

Wenige Stunden vor dem Staatsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der türkischen Hauptstadt Ankara haben Polizei und Armee in der kurdischen Stadt Cizre ein Massaker begangen. Sanitäter hätten Dutzende leblose Körper in einem Keller gefunden, erklärte der Kovorsitzende der prokurdischen Partei der Demokratischen Regionen (DBP), Kamuran Yüksek, am Montag auf einer Pressekonferenz in Mardin.

Artikel weiterlesen in junge Welt vom 9.Februar 2016

Omertà

Türkisch-deutscher Interessenausgleich. Gastkommentar

Von Ulla Jelpke

Die deutsche Bundeskanzlerin zeigte sich auf einer Pressekonferenz mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu in Ankara »erschrocken und entsetzt« angesichts zahlreicher aus der syrischen Stadt Aleppo zur türkischen Grenze fliehender Menschen. »Diese Aggression muss so schnell wie möglich eingestellt werden«, forderte sie. Damit meinte Merkel nicht etwa die von der Türkei unterstützten islamistischen Terrororganisationen Al-Nusra und Ahrar Al-Scham, sondern die russische Luftwaffe, die in den vergangenen Tagen verstärkt Angriffe auf die Dschihadisten fliegt. Russland verstoße gegen eine UN-Resolution, die sich gegen Angriffe auf die Zivilbevölkerung richte, so Merkel.

Eine Massenflucht gibt es auch innerhalb der Türkei. Hier fliehen Hunderttausende Einwohner kurdischer Städte vor dem Beschuss von Wohngebieten durch Panzer und Artillerie. Erst am Vorabend des Kanzlerinnenbesuchs begingen Soldaten in der belagerten Stadt Cizre ein Massaker an Dutzenden verwundeten Zivilisten, die in einem Keller Schutz gesucht hatten.
In junge Welt vom 9.Februar 2016 weiterlesen

Ulla Jelpke ist innenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag