»Die Orte sind hermetisch abgeriegelt«

Sondereinheiten der türkischen Polizei und des Militärs gehen seit Wochen gegen Aufständische im Südosten des Landes vor. Gespräch mit Ercan Ayboga

Ercan Ayboga ist Umweltreferent in der Senatsverwaltung von Diyarbakir (kurdisch Amed).

Seit Wochen hören wir von Kämpfen im Südosten der Türkei und von zahlreichen Todesopfern. Wer stirbt in den Straßen von Cizre, Silopi, Dargecit und Sur?

Einerseits sterben türkische Sicherheitskräfte, also Polizisten, Soldaten und Sondereinheiten, andererseits vor allem Zivilisten. Es kommt natürlich immer darauf an, wer die Angaben herausgibt. Die türkische Regierung behauptet, sie hätte seit dem Beginn der Operation bis zum jetzigen Zeitpunkt mehr als 200 Terroristen getötet. Die an den Kämpfen beteiligte Jugendorganisation YDG-H sagt dagegen, dass es sich bei den Getöteten in der Mehrzahl um Zivilisten handele, und dass sie selbst nicht mehr als zehn Kämpfer verloren hätte. Ich denke, dass die Zahl der YDG- H der Wahrheit nahekommt, weil wir ansonsten deutlich mehr öffentliche Begräbnisfeiern hätten. Was ich bestätigen kann ist, dass Zivilisten sterben. Es gab hier einen Fall in Cizre, wo eine Frau angeschossen wurde und mehrere Tage schwer verletzt auf der Straße lag und die Angehörigen sie nicht holen konnten, weil auf sie ebenfalls geschossen wurde. Die Frau ist schließlich vor den Augen ihrer Angehörigen gestorben ist. So etwas gehört hier zum Alltag.

Interview in junge Welt vom 30.12.15 weiterlesen


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