Krieg gegen die Kurden

10.000 Soldaten und Polizisten belagern Städte im kurdischen Südosten der Türkei. PKK warnt vor »Spiel mit dem Feuer«

Von Kevin Hoffmann, Istanbul

Die türkischen Sicherheitskräfte haben am Wochenende ihre Angriffe auf die kurdische Bevölkerung im Südosten des Landes ausgeweitet. Allein in den Orten Silopi, Cizre sowie im Zentrum von Diyarbakir wurden weit mehr als 10.000 Soldaten und Spezialeinheiten der Polizei gegen die Einwohner eingesetzt. Die Nachrichtenagentur DIHA berichtete von Angriffen mit Panzern und Artillerie. Zahlreiche Gebäude in den belagerten Stadtvierteln sollen in Brand stehen. Ein Augenzeuge berichtete gegenüber DIHA aus Silopi: »Wir mussten, um unsere Leben und unsere Kinder zu retten, unsere Häuser verlassen, nachdem diese von Artilleriebeschuss getroffen worden waren. Wir haben in einem Keller Schutz gefunden. Es gibt keinen Strom, kein Wasser und keine Nahrung mehr.« Der HDP-Abgeordnete Ferhat Encü veröffentlichte am Wochenende Fotos aus Silopi und Cizre, die zeigen, wie die Leichen von getöteten Zivilisten, mit Eis gekühlt, in Wohnhäusern aufbewahrt werden müssen. Es gebe keine Möglichkeit, Verletzte oder Tote aus den abgesperrten Gebieten in Krankenhäuser zu bringen, teilte er mit. »Gegen unser Volk wird eine ethnische Säuberung begangen. Was hier geschieht, ist ein Massaker. Der türkische Staat greift Zivilisten mit schweren Waffen an, als ob er mit dem Militär eines anderen Staates konfrontiert wäre,« schrieb Encü in einer Erklärung. Doch er zeigte sich zuversichtlich, dass sich der kurdische Widerstand gegen die Aggression durchsetzen werde: »Die staatlichen Kräfte konnten in den selbstverwalteten Gebieten keine Fortschritte erzielen. Die Banden des türkischen Staates werden aus Silopi, Cizre und dem gesamten kurdischen Territorium auf dieselbe Art vertrieben werden, wie der IS aus Kobani vertrieben wurde.«
In junge Welt vom 21.12.2015 weiterlesen


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