»Wie der IS«

Im Osten der Türkei tobt der Staatsterror gegen die Hochburgen der prokurdischen HDP. Eindrücke aus einem Wahlkampf im Zeichen der Repression

Von Fuoco Savinelli/ Diyarbakir


Spuren der Kämpfe werden beseitigt

Ganze Straßenzüge von Sur, dem Altstadtviertel der kurdischen Metropole Diyarbakir im Südosten der Türkei, zeugen von schweren Kämpfen. Das Portal der historischen Fatih-Pasha-Moschee ist ebenso wie viele Wohnhäuser von Einschüssen übersät, Reste von Barrikaden türmen sich an den Straßenrändern. Mehrfach war über dieses innerhalb der schwarzen Basaltmauern gelegene Armenviertel, das als Hochburg der kurdischen Befreiungsbewegung gilt, in den vergangenen Wochen eine Ausgangssperre verhängt worden. Sondereinheiten der Polizei lieferten sich in den engen Gassen Gefechte mit der Patriotisch-Revolutionären Jugendbewegung (YDG-H), der Jugendorganisation der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die Polizei griff die Stadtguerilla mit schweren Waffen an, auch aus Helikoptern. Zwei Tage habe seine zehnköpfige Familie in Todesangst in einer fensterlosen Vorratskammer ausgeharrt, berichtet ein Vater von der Beschießung des Viertels durch die Polizei. Eine Rakete hat die Hausmauer durchschlagen, selbst im Schlafzimmer sind Einschüsse zu sehen. Die Männer der Sondereinheiten trugen Skimasken, einige hatten lange Bärte. »Wie der IS«, erzählt eine andere Anwohnerin von der Stürmung ihres Hauses. »Sie schrien Allahu Akbar.« An einigen Hauswänden haben die Polizeikommandos dschihadistische Parolen hinterlassen. Mehrere Zivilisten wurden durch Polizeischüsse getötet, darunter ein zwölfjähriges Mädchen, das Brot holen wollte.
Artikel weiterlesen in junge Welt vom 22.10.2015


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