Strategie der Spannung

Generalprobe für den Bürgerkrieg in der Türkei: Schlägertrupps der Regierungspartei AKP machen Jagd auf Kurden und oppositionelle Medien

Von Nick Brauns

Während Armee und Polizei in mehrheitlich kurdisch bewohnten Städten im Osten der Türkei unter Verhängung von Ausgangssperren Staatsterror gegen die Zivilbevölkerung ausüben, setzt Präsident Recep Tayyip Erdogan im Westen des Landes auf offenen Straßenterror durch faschistische Schlägertrupps. Innerhalb von zwei Tagen habe es im gesamten Land mehr als 400 Übergriffe und Anschläge auf Parteibüros, Zeitungsredaktionen, Geschäfte und Wohnhäuser von Kurden sowie Zelte kurdischer Saisonarbeiter gegeben, erklärte der Kovorsitzende der Demokratischen Partei der Völker (HDP), Selahattin Demirtas, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Diyarbakir. Allein gegen Büros dieser linken, prokurdischen Partei wurden meist unter den Augen mehr als 300 Anschläge verübt. Mehrere Parteibüros brannten vollständig aus. In der Nacht zum Mittwoch wurde die HDP-Zentrale in Ankara im Anschluss an eine Demonstration gegen »Terrorismus« angegriffen und Feuer im Erdgeschoss gelegt. Lediglich ein Brandstifter wurde hier festgenommen. Dagegen nahm die Polizei in Istanbul, wo zuvor Tausende Anhänger der faschistischen Grauen Wölfe auf einer Kundgebung »Massaker« gegen Kurden gefordert hatten, 50 HDP-Mitglieder fest, die ihre Büros gegen die faschistischen Angriffe verteidigten.

In junge Welt vom 10. September 2015 weiterlesen


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