»Alle Tode der Erde«

Vor 100 Jahren verübte die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reichs systematisch Völkermord an den Armeniern. Das Deutsche Reich hatte davon detaillierte Kenntnis, unterließ aber alle Schritte, den Kriegsverbündeten zum Einlenken zu bewegen.

Von Nick Brauns

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Der Völkermörder mit seinem Bündnispartner: Enver Pascha (2. v. r.) während eines Frontbesuches des deutschen Kaisers Wilhelm II. (2. v. l.) an den Dardanellen im Oktober 1917 Foto: commons.wikimedia.org

»Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, dass während des jetzigen Krieges im verbündeten türkischen Reiche die armenische Bevölkerung zu Hunderttausenden aus ihren Wohnsitzen vertrieben und niedergemacht worden ist?« wollte der sozialistische Abgeordnete Karl Liebknecht am 11. Januar 1916 im Reichstag wissen.¹ Und welche Schritte die Reichsleitung bei der verbündeten türkischen Regierung unternommen habe, »um die gebotene Sühne herbeizuführen, die Lage des Restes der armenischen Bevölkerung in der Türkei menschenwürdig zu gestalten und die Wiederholung ähnlicher Greuel zu verhindern?« Der Reichsleitung sei bekannt, dass die osmanische Regierung, »durch aufrührerische Umtriebe unserer Gegner veranlasst, die armenische Bevölkerung bestimmter Gebietsteile des türkischen Reiches ausgesiedelt und ihr neue Wohnstätten angewiesen hat«, gab ein Vertreter des Auswärtigen Amtes in seiner Antwort die bis heute bei der türkischen Regierung gültige Lesart der Ereignisse wieder. Als Liebknecht in einer Nachfrage unter Berufung auf den Gründer des Armenischen Hilfswerks, Pfarrer Johannes Lepsius, von einer »Ausrottung der türkischen Armenier« sprach, wurde er von anderen Reichstagsabgeordneten unterbrochen und ihm dann unter »lebhaftem Bravo« vom Reichstagspräsidenten das Wort entzogen.
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