Archiv für April 2015

Demonstrationsverbot auf dem Taksim

j

Der traditionsreiche Taksim-Platz im Herzen von Istanbul bleibt am 1. Mai für die Gewerkschaftsbewegung gesperrt. Der Gouverneur von Istanbul, Vasip Sahin, begründete das Verbot gegenüber der linksgerichteten Föderation der revolutionären Arbeitergewerkschaften (DISK) mit dem „Schutz der Istanbuler“. 10.000 Polizisten und Wasserwerfer, die auch vor der DISK-Zentrale stationiert werden, sollen das Verbot aufrechterhalten, kündigte die Polizei am Mittwoch an. Zudem sollen mehrere U-Bahn-Stationen gesperrt werden.
„Wir sagen in aller Deutlichkeit, dass der Taksim-Platz der angemessene Platz für Feiern zum Tag der Arbeit in Istanbul ist. Unsere Entscheidung, am 1. Mai auf dem Taksim zu demonstrieren, lässt keine Debatte über den Austragungsort zu“, heißt es dagegen in einer Erklärung von DISK. Anders als in den letzten Jahren haben die linksgerichteten Gewerkschaftsdachverbände KESK und DISK keine festen Sammelpunkte für ihre Mitglieder angegeben, um der Polizei keine Möglichkeit zu geben, die Demonstrationszüge vorab zu blockieren.
Für die sozialistische- und Arbeiterbewegung der Türkei hat der Taksim einen hohen Symbolwert. Am „blutigen 1. Mai“ 1977 wurden dort 34 Menschen bei Angriffen der NATO-Konterguerilla Gladio auf eine Gewerkschaftskundgebung getötet. Im Jahr 2010 hatte die Regierung erstmals seit 1977 wieder eine Mai-Kundgebung auf dem Taksim erlaubt. Seit 2013 wurden die Aufmärsche allerdings wieder untersagt und es kam zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und Gewerkschaftern. Im Sommer 2013 lösten Bebauungspläne des am Taksim gelegenen Gezi-Parks landesweite Proteste von Millionen Menschen gegen die autoritäre AKP-Regierung aus.

Grußwort aus Kobanê zum 1.Mai

f

An alle Genossinnen und Genossen, Arbeiterinnen und Arbeiter und Gewerkschaften !

Wir als Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem Kanton Kobanê, dem Kanton der Revolution, des Widerstands und der Märtyrer, grüßen Euch herzlich und begehen heute den 1. Mai, den Tag des Widerstandes und Kampfes der Arbeiterinnen und Arbeiter gegen die Tyrannei, Unterdrückung und Ausbeutung des Kapitalismus!

Die Revolution der Bevölkerung aus Rojava stellt für den Kampf der Arbeiterinnen und Arbeiter wie auch aller anderen Unterdrückten im Mittleren Osten und auf der ganzen Welt einen neuen Aufbruch dar, sich die politische Autorität wieder anzueignen. Es war die Revolution der Frauen, Jugend und Arbeiterinnen und Arbeiter durch die ein neues System aufgebaut wird, das die Macht wieder ihrer ursprünglichen Besitzerin, der Bevölkerung zurücküberträgt. Auch unser Widerstand gegen die Terroristen des IS und seine internationalen Unterstützer zielt nicht nur darauf ab, das Leben und die Würde unserer Bevölkerung zu schützen, sondern ist ebenfalls ein Kampf zur Verteidigung der Errungenschaften der Revolution und des Systems radikaler Demokratie, welches auf Aufhebung hierarchischer Organisierung abzielt.

Durch den mutigen Kampf unserer Genossinnen und Genossen der Volksverteidigungseinheiten (YPG) und der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) wurden die Terroristen aus der Stadt vertrieben, aber die Angriffe auf Vororte und die Blockade der Straßen des Kantons dauern an. Unser Widerstand hat eine kritische Phase erreicht. Diese Phase ist von der Wiederherstellung des sozialen Lebens in Kobanê geprägt, während die Angriffe und das ökonomische und logistische Embargo andauern und etwa 80% der lebenswichtigen städtischen Infrastruktur zerstört sind.

Die Geschichte der Klassenkämpfe hat uns gezeigt, dass die Einheit der Arbeiterklasse keine Schranken kennt, und wir verstehen in diesem Sinne auch unseren Widerstand gegen den grausamen Terrorismus und seine internationalen Unterstützer als einen stellvertretenden Kampf für alle Menschen auf der Welt. Wir sind davon überzeugt, dass für eine Revolution, welche die Fundamente der Herrschaft zerstören und eine neue Welt gründen soll, die Respekt, Gleichheit und Freiheit aller Menschen zur Grundlage hat, eine ausdauernde Praxis und ein entschlossener Kampf nötig sind. Und genauso ist die internationale Solidarität der Arbeiterinnen und Arbeiter eine historische Notwendigkeit und ein konkretes Feld, um die Errungenschaften der Klassenkämpfe zu verteidigen und Schulter an Schulter gegen die Herrschaft und die Unterdrückung des Kapitalismus zu stehen.

Wir, als Arbeiterklasse und Vertretung des Kantons Kobanê, gedenken der Kämpfe um Freiheit und Gleichheit unterdrückter Menschen weltweit. Wir schätzen Eure Unterstützung und Eure Solidarität mit unserem Widerstand gegen die Angriffe der Terroristen. Wir laden unsere Arbeitergenossinnen- und -genossen, Gewerkschaften, Syndikate und alle freiheitsliebenden Menschen ein, an der praktischen Solidarität mit der Revolution von Rojava und dem Widerstand von Kobanê teilzunehmen. Und Euch laden wir ein, uns in dieser historischen Situation anzuschließen und die Errungenschaften der Revolution gemeinsam zu verteidigen!

Es lebe Kampf der Freiheitskämpferinnen und -kämpfer Weltweit!
Es lebe die Einheit der Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Welt!

Selbstverwaltung des Kantons Kobanê

»Die schönste und notwendigste Arbeit«

Die Autobiographie der kurdischen Befreiungskämpferin Sakine Cansiz (1958–2013) wird am Mittwoch in der jW-Ladengalerie vorgestellt

f

Von Anja Flach

Sakine Cansiz – Nom de guerre: Sara – war schon zu Lebzeiten eine Legende in der kurdischen Bewegung. In den schwarzen Jahren nach dem Militärputsch von 1980 hatte sie den Widerstand der PKK aus dem Gefängnis in der Türkei mitorganisiert. In Folge der Massenverhaftungen war die Außenwirkung der Kurdischen Arbeiterpartei in dieser Zeit fast nur auf den Gefängniswiderstand beschränkt. Er trug viel zum Überleben der Partei bei. Während viele unter der Folter zusammenbrachen und aussagten, blieb Sakine Cansiz standhaft. So wurde sie, die 1978 als eine von wenigen Frauen an der Gründung der PKK beteiligt gewesen war, zum Vorbild für ihre Genossinnen.

Im Januar 2013 wurden Sakine Cansiz und zwei weitere bedeutende kurdische Aktivistinnen, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez, Opfer eines politischen Attentats in den Räumen des Kurdischen Informationsbüros in Paris. Ein Jahr nach der Ermordung der drei Frauen gelangten im Zuge einer Schlammschlacht zwischen der Gülen-Bewegung und Erdogans Regierungspartei AKP Dokumente über die Planung der Morde in Ankara an die Öffentlichkeit.

Zum Vermächtnis von Sakine Cansiz, die zuletzt auch dem Leitungsrat der PAJK (Freie Frauenpartei Kurdistans) angehörte, gehört eine dreiteilige Autobiographie, die sie Mitte der 90er Jahre in den kurdischen Bergen verfasste. Nun ist der erste Teil auf Deutsch erschienen. Mit viel Charme beschreibt sie darin ihre Kindheit und Jugend in Dersim. Eine zentrale Rolle spielt die Entstehung verschiedener linker Parteien und Organisationen, darunter auch die »Kurdistan-RevolutionärInnen«, aus denen später die PKK hervorgehen wird. Lebendige Schilderungen führen uns diese rebellische Jugend der 1970er vor Augen.

Anschließend verbrachte Sakine Cansiz eine Zeit in der Westtürkei, wo sie etwa mit Abdullah Öcalan und Mazlum Doğan zusammenarbeitete. Nach der Rückkehr nach Kurdistan wurde sie Berufsrevolutionärin. Ihre Aufgabe nach dem Gründungskongress der PKK war der Aufbau der Frauenbewegung. »Es war keine leichte Aufgabe, sich das notwendige Wissen über die Theorie und Praxis der Frauenbewegungen weltweit von der Vergangenheit bis heute anzueignen und daraus Schlüsse für Kurdistan zu ziehen«, schreibt sie in ihrer Autobiographie. »Es war die schönste und notwendigste Arbeit, die ich mir vorstellen konnte. Ich war ungeduldig und wollte sofort damit beginnen.« Schon Anfang 1979, ein halbes Jahr später, wurde sie verhaftet. Mit der Verhaftung endet der erste Band. Der zweite wird gerade übersetzt und soll noch im Laufe des Jahres erscheinen.

Sakine Cansiz hätte heute anders geschrieben, vieles ist noch durch die Brille der 90er Jahre gesehen. Die Frauenbewegung kämpfte damals noch ums Überleben in der PKK, die Frauenarmee wurde erst aufgebaut. Heute sind das Grundbestandteile der Bewegung. Und so ist die Befreiung von Kobanî nicht zuletzt ein Sieg von Frauen wie Sara.

Sakine Cansiz: Mein ganzes Leben war ein Kampf, Erster Band: Jugendjahre. Mezopotamien Verlag, 444 Seiten, 12 Euro, zu bestellen bei der Informationsstelle Kurdistan, Spaldingstr. 130–136, 20097 Hamburg Isku@nadir.org

Buchvorstellung am Mittwoch, 19 Uhr, jW-Ladengalerie, Moderation: Nick Brauns

Aus: junge Welt Ausgabe vom 28.04.2015, Seite 10 / Feuilleton

29.04.2015: Mein ganzes Leben war ein Kampf

Buchvorstellung und Erinnern an Sakine Cansiz (Sara)

l

Zeit: Mittwoch 29. April 19 Uhr
Ort: junge Welt Ladengalerie, Torstrasse 6 (U-Bahn Rosa-Luxemburg-Platz)

Am 9. Januar 2013 wurde die Mitbegründerin der Arbeiterpartei Kurdistans PKK und Symbolfigur der kurdischen Frauenbewegung Sakine Cansiz (Parteiname Sara) gemeinsam mit ihren Genossinnen Fidan Dogan und Leyla Saylemez bei einem politischen Attentat in Paris ermordet. Auf Deutsch ist jetzt der erste Band ihrer Lebenserinnerungen „Mein ganzes Leben war ein Kampf“ erschienen. Darin schildert die 1958 in Dersim geborene Sakine Cansiz ihre Jugendjahre, erste politischen Schritte vor dem Hintergrund gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen revolutionären Linken, Faschisten und dem Staat aber auch ihre Flucht aus familiären Zwängen…

Eine Veranstaltung der junge Welt Ladengalerie in Kooperation mit Kurdischer Frauenverein DEST-DAN e.V. Berlin Kurdistan-Solidaritätskomitee Berlin

Moderation: Nick Brauns

Eintritt: 5,00 € ermäßigt: 3,00 €

»Es war ein Völkermord«

Bundestag erkennt Genozid an Armeniern vor 100 Jahren an

Von Nick Brauns

»Das, was im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, war ein Völkermord« – mit diesen Worten eröffnete Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am Freitag die Plenardebatte des Bundestages zum 100. Jahrestag der Vernichtung der Armenier. Auch alle weiteren Redner der Regierungskoalition und der Opposition ließen keinen Zweifel daran, dass die vom damaligen jungtürkischen Regime geplante und durchgeführte Vertreibung und Ermordung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern sowie Angehörigen anderer christlicher Bevölkerungsgruppen nur mit diesem Begriff zu fassen sei.

Noch am vergangenen Wochenende hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) aus Rücksicht auf den NATO-Partner Türkei erklärt, man solle für die damaligen Ereignisse nicht den Begriff des Völkermordes verwenden. Im Antrag der Regierungskoalition heißt es spitzfindig: »Das Schicksal der Armenier steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von denen das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist.« Mit betretenem Blick lauschten Kanzlerin Angela Merkel und ihr Außenminister nun der Schelte aus den eigenen Reihen. Bei Völkermord müsse die Abwägung aufhören, sagte etwa der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen (CDU). Man sei es den Opfern schuldig, die Wahrheit beim Namen zu nennen.
jetzt Umsteigen

Regierung und Opposition entschuldigten sich bei den Armeniern für die deutsche Mitschuld an den Verbrechen. So habe die kaiserliche Regierung trotz genauer Informationen nichts gegen die Massaker ihrer türkischen Verbündeten unternommen. Während der Antrag von CDU/CSU und SPD hier verharmlosend von einer »unrühmlichen Rolle« des Kaiserreichs spricht, ist bei der Linksfraktion unter Verweis auf deutsche Offiziere an der Spitze der osmanischen Armee von »Beihilfe zum Völkermord« die Rede. Dort, wo vor 100 Jahren in der syrischen Wüste der Todesmarsch des armenischen Volkes endete, seien heute die Nachfahren der überlebenden Christen auf der Flucht vor den Schlächtern des »Islamischen Staates«, schlug Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke (Linke) den Bogen in die Aktualität. Die über die türkische Grenze kommenden Dschihadisten würden von der türkischen Regierung unterstützt. »Reden Sie endlich Klartext mit Erdogan und seiner Regierung – über 1915 und die Gegenwart«, forderte Jelpke von der Bundesregierung.

Bereits am Donnerstag abend hatte Bundespräsident Joachim Gauck nach einem Gedenkgottesdienst im Berliner Dom den Völkermord benannt – und damit die Koalition entsprechend unter Druck gesetzt. Türkische Medien reagierten empört. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte sich bereits im Vorfeld am Dienstag telefonisch bei Kanzlerin Merkel beschwert. Für Sonnabend ruft der nationalistische »Bund türkischer Jugendlicher« zu einer Großkundgebung gegen die »imperialistische Lüge vom Völkermord« in Berlin auf. Gleichzeitig wollen armenische Verbände für die Anerkennung des Genozids demonstrieren.

junge Welt 25.4.2015

»Alle Tode der Erde«

Vor 100 Jahren verübte die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reichs systematisch Völkermord an den Armeniern. Das Deutsche Reich hatte davon detaillierte Kenntnis, unterließ aber alle Schritte, den Kriegsverbündeten zum Einlenken zu bewegen.

Von Nick Brauns

d

Der Völkermörder mit seinem Bündnispartner: Enver Pascha (2. v. r.) während eines Frontbesuches des deutschen Kaisers Wilhelm II. (2. v. l.) an den Dardanellen im Oktober 1917 Foto: commons.wikimedia.org

»Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, dass während des jetzigen Krieges im verbündeten türkischen Reiche die armenische Bevölkerung zu Hunderttausenden aus ihren Wohnsitzen vertrieben und niedergemacht worden ist?« wollte der sozialistische Abgeordnete Karl Liebknecht am 11. Januar 1916 im Reichstag wissen.¹ Und welche Schritte die Reichsleitung bei der verbündeten türkischen Regierung unternommen habe, »um die gebotene Sühne herbeizuführen, die Lage des Restes der armenischen Bevölkerung in der Türkei menschenwürdig zu gestalten und die Wiederholung ähnlicher Greuel zu verhindern?« Der Reichsleitung sei bekannt, dass die osmanische Regierung, »durch aufrührerische Umtriebe unserer Gegner veranlasst, die armenische Bevölkerung bestimmter Gebietsteile des türkischen Reiches ausgesiedelt und ihr neue Wohnstätten angewiesen hat«, gab ein Vertreter des Auswärtigen Amtes in seiner Antwort die bis heute bei der türkischen Regierung gültige Lesart der Ereignisse wieder. Als Liebknecht in einer Nachfrage unter Berufung auf den Gründer des Armenischen Hilfswerks, Pfarrer Johannes Lepsius, von einer »Ausrottung der türkischen Armenier« sprach, wurde er von anderen Reichstagsabgeordneten unterbrochen und ihm dann unter »lebhaftem Bravo« vom Reichstagspräsidenten das Wort entzogen.
Artikel weiterlesen auf jungewelt.de

Aghet – Die Verleugnung bleibt ein Verbrechen

Erklärung des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan YXK zum 100. Jahrestag des Beginns des armenischen Genozids

f

Es ist 100 Jahre her, seitdem der Völkermord an den ArmenierInnen durch das Osmanische Reiche begann. Dieser Schmerz ist unter den ArmenierInnen zu einem Teil der armenischen Identität geworden. Auch heute wird vom „Aghet“ (Katastrophe) gesprochen. Aghet stellt einen tiefschwarzen Fleck in der Geschichte der Völker des Mittleren Ostens dar, der bis heute seitens des türkischen und des deutschen Staates verleugnet wird. Das erste Genozid am Anfang des 20. Jahrhunderts sorgt noch immer für viele Diskussionen zwischen den ArmenierInnen, HistorikerInnen und der türkischen Regierung – die Fakten sprechen allerdings für sich.

Die Jungtürken wollten ab Anfang 1900 durch eine Oppositions-bewegung das Osmanische Reich zu einem Nationalstaat unter türkischer Führung reformieren. Während des Ersten Weltkriegs (1914 – 1918) wurde das Massaker an den ArmenierInnen vollzogen. Die Deportation entpuppt sich als geplanter Todesmarsch. Die Reise Richtung Aleppo forderte mehr als 1,5 Millionen ArmenierInnen das Leben, die aufgrund von Hunger, Seuchen und Angriffen durch osmanische Soldaten zu Grunde gingen. Überlebende Männer wurden einfach erschossen. Frauen wurden vergewaltigt und anschließend umgebracht. Diese Sachen ereigneten sich während des Vorrückens der russischen Truppen auf dem Territorium des Osmanischen Reiches, was als Vorwand der Jungtürken für diese Gräueltaten verwendet wurde – ArmenierInnen hätten wohl russische Truppen unterstützt.

Weiterlesen auf YXK-Website

17.April Kundgebung gegen Polizeiterror und Unterdrückung – ATIK IST NICHT ALLEINE!

Achtung: Kundgebung heute 17. April 2015 – 18 Uhr – Kottbusser Tor

Wir Dokumentieren eine Erklärung des Jugendwiderstand Berlin zu den Razzien und Verhaftungen:

Am 15. April wurden in einer koordinierten Aktion in Deutschland, Österreich und der Schweiz 10 Mitglieder von ATIK und Yeni Kadin (Neue Frau) festgenommen, davon 7 in der BRD.

f

Mit SEK und GSG9-Überfallkommandos stürmten die „Staatsschützer“ die Wohnungen der Genossen in NRW, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg unter dem Vorwand damit gegen die Kommunistische Partei der Türkei / Marxisten-Leninisten (TKP/ML) vorzugehen, die als marxistisch-leninistisch-maoistische Partei für die neudemokratische Revolution in der Türkei und Nordkurdistan kämpft.

Sie zerstörten Fensterscheiben, traten Türen ein, durchsuchten und verwüsteten die Privatwohnungen der Mitglieder der demokratisch-revolutionären Massenorganisation „Konföderation der Arbeiter aus der Türkei in Europa“ ATIK und entführten die Genossen nach Karlsruhe, um sie dort der Generalbundesanwaltschaft vorzuführen und sie zu inhaftieren.

Allen vermeintlichen Ansprüchen des Journalismus spottend, spielte die bürgerliche Presse danach ihre Rolle gewohnt „gut“ und nahm die mit Lügen und Halbwahrheiten gespickte Pressemeldung der Generalbundesanwaltschaft zu 100 % als einzige Grundlage all ihrer Artikel. Aber dem deutschen Volk droht keinerlei Gefahr von „türkischen Terroristen“ und auch dem türkischen Volk nicht. Nur seiner korrupten und kaputten herrschenden Klasse bereiten die Kämpfe der Ausgebeuteten zu Recht Sorge!

Wir verurteilen die reaktionären und feigen Angriffe der Repressionsbehörden der imperialistischen Staaten BRD, Österreich und der Schweiz auf die Arbeiterbewegung!

Während im ganzen Land durch koordinierte Anschläge Asylunterkünfte brennen, Polizeieinheiten paralell dazu die Mitgliedsbasis des Ku-Klux-Klans bilden, wild mordende faschistische Terrorbanden von Geheimdiensten aufgebaut und geschützt werden und haufenweise Zeugen dieser Entwicklung zufällig „ums Leben kommen“ – tut der bürgerliche Staat was? Er verhaftet Kommunisten und Revolutionäre! Er kriminalisiert und terrorisiert fortschrittliche Migrantenverbände die sich gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und für Völkerfreundschaft und gleiche Rechte für alle einsetzen!

Während Militante der TKP/ML-TIKKO in Rojava gegen ISIS kämpfen und natürlich auch in der Heimat das volksfeindliche Erdogan-Regime mit ihrem Widerstand konfrontieren – tut der deutsche Staat was?
Er macht sich zum Erfüllungsgehilfen des türkischen Folterstaats und seiner AKP-Diktatur!

ATIK erklärt in einer ersten Stellungnahme: „Die Repression gegen unsere Mitglieder erfolgt willkürlich und ist ein weiterer Beweis der direkten Komplizenschaft der Bundesregierung mit dem autoritären Folterregime der AKP in Ankara. Aufgrund unserer linken oppositionellen Haltung gegen die türkische Regierung und die Forderung nach gleichen sozialen und politischen Rechten für MigrantInnen in der BRD werden wir erneut zur Zielscheibe der Repressionsbehörden. Weder unser Dachverband, noch unsere Frauen- oder Jugendabteilung werden sich durch diesen Angriff einschüchtern lassen.“

Und ATIK ist nicht alleine! Zeigt eure Solidarität gegen politische Unterdrückung und Repression!
Weg mit den reaktionären Unterdrückungsparagraphen 129, 129a und 129b!
Freiheit für alle politischen Gefangenen! Freiheit für die Mitglieder von ATIK und Yeni Kadin!
Yasasin ATIK, Yeni Kadin, YDG!

Jugendwiderstand Berlin
16.04.2015

Bundesanwaltschaft nimmt Maoisten fest

Karlsruhe. Sechs mutmaßliche Mitglieder der maoistischen Kommunistischen Partei der Türkei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) sind am Mittwoch von Spezialeinheiten der Bundespolizei in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen festgenommen worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag mit. Die TKP/ML habe in der Türkei zahlreiche Anschläge begangen und dabei seit 2007 auch gemeinsam mit Guerillaeinheiten der Arbeiterpartei Kurdistans PKK agiert.

Gegen die Personen, deren Wohnungen durchsucht wurden, lagen Haftbefehle der Bundesanwaltschaft wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung nach Paragraph 129 b Strafgesetzbuch vor. Sie sollen als Führungskader der Auslandsabteilung der Partei Finanzmittel beschafft, Propaganda- und Schulungsveranstaltungen organisiert sowie Mitglieder rekrutiert haben. Die TKP/ML ist bislang in der Bundesrepublik weder verboten, noch wird sie auf der EU-Terrorliste aufgeführt. (nb)

junge Welt 17.4.2015

Leugnen als Staatsräson

Türkische Staatsführung behauptet weiter, den Genozid an den Armeniern habe es nicht gegeben. Zum 100. Jahrestag sieht sie sich als Opfer einer internationalen Verschwörung

Von Nick Brauns

Die türkische Staatsführung sieht sich als Opfer einer vom Papst bis zu den Oppositionsparteien reichenden Verschwörung. Grund ist der 100. Jahrestag des Beginns der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich am 24. April. Denn der Druck auf die Türkei wächst, diese von der damaligen jungtürkischen Führung angeordneten Verbrechen, bei denen weit über eine Million Angehörige des christlichen Volkes zu Tode kamen, als Genozid anzuerkennen.

in junge Welt vom 17.April 2015 weiterlesen