Auf der richtigen Seite

Trauerfeier für die Kämpferin Ivana Hoffmann in Duisburg. Internationalisten aus Deutschland im Visier der Bundesanwaltschaft

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Von Nick Brauns

Unter einem Meer von roten Fahnen gaben am Samstag in Duisburg rund 5.000 Menschen der im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) gefallenen Internationalistin Ivana Hoffmann das letzte Geleit. Die 19jährige Afrodeutsche war vor einer Woche bei der Verteidigung eines Dorfes christlicher Assyrer bei Til Temir in Rojava im Norden Syriens getötet worden.

Hoffmann war seit ihrem 13. Lebensjahr in der migrantisch geprägten kommunistischen Jugendorganisation Young Struggle in Duisburg und dann der Marxistisch-Leninistisch-Kommunistischen Partei (MLKP) aus der Türkei aktiv. Vor einem Dreivierteljahr brach sie die Schule ab, um sich unter dem Codenamen Avasin Tekosin Günes einer internationalen Brigade der MLKP anzuschließen, die im kurdischen Selbstverwaltungsgebiet Rojava gemeinsam mit den kurdischen Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ gegen den IS kämpft.

Am Trauerzug zum Friedhof in Duisburg-Meiderich beteiligten sich zahlreiche kurdische und kommunistische Organisationen. Auch die Vorsitzenden der in Rojava führenden Partei der Demokratischen Union (PYD), Salih Muslim, und der im türkischen Parlament vertretenen linken prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP), Figen Yüksedag, waren zur Trauerfeier angereist. »Wir kämpfen in Rojava für die Menschlichkeit. Ivana Hoffmann war ein Leuchtfeuer für die Völker«, erklärte die türkische Sozialistin Yüksedag.

»Der Kampf, den wir in Rojava gegen die IS-Banden – die Knechte der Imperialisten – führen, ist ein internationalistischer Widerstand«, betonte Salih Muslim und erinnerte an den Australier Ashley Johnston und den Briten Konstandinos Erik Scurfield, die vor wenigen Wochen gefallen waren. Beide gehörten der aus englischsprachigen Armeeveteranen gebildeten Freiwilligenformation »Löwen von Rojava« an, die auf seiten der YPG kämpft.

Am Freitag hatte die Polizei Hoffmanns Leichnam im Zusammenhang mit einem obligatorischen Ermittlungsverfahren wegen Tötung einer deutschen Staatsbürgerin im Ausland vorübergehend zur Obduktion beschlagnahmt. »Was ihre Tochter getan hat, ist ja eigentlich strafbar. Aber wenigstens hat sie auf der richtigen Seite gekämpft«, äußerte ein Polizist nach Angaben des »Duisburger Solidaritätskomitees Ivana Hoffmann« gegenüber Angehörigen der Getöteten.

Hoffmann war zwar die erste Bundesbürgerin, die im Kampf gegen den IS ihr Leben verlor. Doch bereits im Oktober letzten Jahres starb der ebenfalls aus Duisburg stammende und der MLKP angehörende türkische Staatsbürger Suphi Nejat Agirnasli in Kobani. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel sollen sich inzwischen rund 80 Personen aus Deutschland auf seiten der kurdischen Milizen am Kampf gegen den IS beteiligen. Das »Gefährdungspotential, das von dieser Personengruppe ausgeht«, sei quantitativ zwar geringer, »qualitativ aber nicht anders zu bewerten als das der dschihadistischen Syrien-Kämpfer«, hatte das Bundesinnenministerium bereits im Oktober gewarnt. Nach Spiegel-Informationen prüft die Bundesanwaltschaft jetzt die Möglichkeit eines strafrechtlichen Vorgehens gegen die weder verbotene noch auf der EU-Terrorliste geführte MLKP. »Denkbar wäre ein Verfahren gegen Anhänger der Organisation wegen Mitgliedschaft oder Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung«, heißt es auf Spiegel online. Gemeint ist wohl die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans PKK, als deren Ableger die Bundesregierung die YPG einstuft.

jungeWelt 16.3.2015


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