»Schutz vor Klerikalfaschisten«

Neues Konto: Linke Spendenkampagne »Waffen für Rojava« von Postbank gestoppt

Gitta Düperthal

Viele linke Organisationen üben Kritik an Waffenexporten in Krisengebiete. Zumindest wollen sie solche nicht von westlichen Regierungen fordern. Dies tut auch die »Neue antikapitalistische Organisation« (NaO) nicht. Sie unterstützt aber auf ihre Weise die Verteidiger von Kobani. Die überwiegend von Kurdinnen und Kurden bewohnte Grenzstadt in Nordsyrien wird seit Wochen von der Terrormiliz IS (Islamischer Staat) attackiert – seit Anfang Oktober sammelt die NaO Geld für die militärische Ausrüstung der kurdischen Volks- und Frauenselbstverteidigungskräfte (YPG und YPJ) in der gesamten Region Rojava. Nachdem US-Flugzeuge am vergangenen Sonntag Maschinengewehre, panzerbrechende Waffen, Munition und medizinische Hilfsgüter über Kobani abgeworfen haben, soll die unabhängige linke Kampagne langfristig weitergeführt werden, so Michael Prütz, Aktivist der NaO, am Mittwoch gegenüber junge Welt. »Wir wollen das fortschrittliche selbstverwaltete Gesellschaftsmodell der Kurden in Rojava stützen und unterscheiden klar zwischen imperialistischen Kriegen und einem gerechten Abwehrkampf.« Es gelte, die Bevölkerung der Stadt vor den Klerikalfaschisten des IS zu schützen.

Er teile die linke Kritik an imperialistischen Machenschaften, etwa den kürzlich genehmigten Waffenlieferungen der Bundesregierung an Saudi-Arabien und Katar – auch den Vorwurf, dass die USA den IS erst stark gemacht hätten, so Prütz. Der Vorwurf, linke Organisationen wie NaO ließen sich »in die Logik dieser Kriegsführung hineinziehen«, sei aber nicht nachvollziehbar. Fortschrittliche Kräfte in Kobani müssten unabhängig gefördert werden – eben um nicht in Abhängigkeit von den USA zu geraten. »Die Partei Die Linke kritisieren wir, weil sie ständig davon redet, dass Rojava Unterstützung braucht, aber nicht erkennen lässt, wie das passieren soll«, meint der NaO-Aktivist. »Rojava ist das Spanien unserer Tage.« Damals seien Linke mit Waffenlieferungen an die fortschrittlichen Kräfte der spanischen Republik einverstanden gewesen. Für YPG und YPJ seien durch die aktuelle Kampagne bisher rund 37.000 Euro zusammengekommen. Das Geld werde in einzelnen Tranchen an die YPG und YPJ überwiesen, so Prütz. Bereits am 13. Oktober sei ihm ein Scheck über 20.000 Euro bei einer Pressekonferenz übergeben worden, bestätigte Sherwan Abdulmajid, Vorsitzender der kurdischen Partei der demokratische Union (PYD) in Berlin gegenüber jW. Insgesamt seien bisher 35.000 Euro weitergeleitet worden. »Wir sind dankbar über jede Unterstützung, selbst wenn es ein symbolischer Betrag ist.« Die Gefahr sei noch immer präsent, gerade nach den mutmaßlichen Giftgasattacken des IS.

Bei der Spendensammlung gab es aber ein Problem: Die Postbank hat »Waffen für Rojava« kurzerhand das Konto gekündigt. Laut Prütz überwies sie insgesamt 9.000 Euro an die Spender zurück. Zwar gibt es nun ein neues bei der Frankfurter Sparkasse – leider gingen aber noch Spenden auf das alte Konto ein. Sonst hätte man bereits mehr als 40.000 Euro an YPG und YPJ überweisen können. Ein Sprecher der Deutschen Postbank AG wollte auf jW-Nachfrage wegen des Bankgeheimnisses nicht ins Detail gehen. In den Geschäftsbedingungen sei aber geregelt, dass auf einem Girokonto »das Einsammeln von Fremdgeldern, die für Dritte bestimmt sind«, nicht erlaubt sei – nur für gemeinnützige Organisationen. Die mit dem Fall betraute Rechtsanwältin Lea Voigt empört sich: Das Konto von einem Tag auf den anderen zu kündigen, ohne den Inhaber zu kontaktieren und ihm eine Alternative anzubieten, sei nicht »die feine Art«. Prütz vermutet; »Hätte ich für Tiere im Zoo gesammelt, wäre das Konto vermutlich nicht gesperrt worden.«

Spendenkonto

Empfänger: MD

IBAN: DE98 5005 0201 1243 1674 49

BIC: HELADEF1822

junge Welt 23.10.2014


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