Massive Angriffe auf Rojava – gelebte Demokratie und Menschlichkeit in großer Gefahr

Islamisten greifen mit erbeuteten Waffen aus dem Irak die Selbstverwaltungen in Rojava/Nord-Syrien an

Ein Aufruf von NAV-DEM – Navenda Civaka Demokratîk ya Kurdên li Almanyayê – Zentrum der demokratischen Gesellschaft der Kurden in Deutschland e.V.

Nachdem die Islamisten der ISIS Mosul und weitere Orte im Irak eingenommen und anschließend das Kalifat ausgerufen ha-ben, haben sie nun erneut eine Angriffswelle auf die Demokratisch-Autonomen Verwaltungen von Rojava aufgenommen.

Die erneuten Angriffe der islamistischen Gruppe ISIS, die sich seit neustem nur noch Islamischer Staat (IS) nennt, auf Rojava haben am 2. Juli ihren Anfang genommen. Erneut ist das Ziel der Kanton Kobanê. Die erste Angriffswelle auf Kobanê wurde von den Kräfte der YPG (Volksverteidigungseinheiten) und YPJ (Frauenverteidigungseinheiten) im Frühjahr dieses Jahres, also noch bevor ISIS zum Großangriff auf Mosul angesetzt hatte, erfolgreich zurückgeschlagen. Doch der aktuelle Angriff auf Kobanê scheint alle vergangenen Versuche der Islamisten in den Schatten zu stellen. Allein bei den Auseinandersetzungen in den letzten drei Tagen soll die Zahl der Getöteten in die Hunderte gehen.
Bereits kurz nach Einnahme von Mosul gab es aus Rojava Stimmen, die davor warnten, dass ISIS mit den erbeuteten Waffen aus dem Irak zu einem erneuten Schlag gegen die Demokratischen Selbstverwaltung im Norden Syrien ansetzen könnte. Sicher ist, dass das irakische Militär bei ihrem fluchtartigen Rückzug aus Mosul nicht wenig militärisches Material den Islamisten überlassen haben dürfte. Verschiedene Quellen sprechen davon, dass ISIS bereits wenige Tage nach der Einnahme von Mosul Waffen und Rüstzeug über die irakisch-syrische Grenze nach Deir ez-Zor und Raqqa gebracht haben soll. Genau mit diesen Waffen könnte nun der erneute Angriff auf Kobanê aufgenommen worden sein.

Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen YPG und YPJ auf der einen und ISIS auf der anderen Seite konzentrieren sich derzeit im Gebiet Zor Mixar, knapp 45 Km westlich von Kobanê. Von kurdischer Seite heißt es, dass bei den Auseinandersetzungen ISIS Waffen einsetzt, die sie bislang im Kampf gegen Rojava nicht eingesetzt hatte. Außerdem ist von mindestens zehn Panzern die Rede. Bei den ersten Auseinandersetzungen der Angriffswelle sollen die Islamisten mindestens neun Zivilisten ermordet haben. Die YPG spricht davon, dass die übrigen Zivilisten nun aus dem umkämpften Gebiet herausgebracht worden sind.

Weshalb sich die Angriffe der Islamisten auf Kobanê konzentrieren, ist leicht erklärt. Kobanê stellt geographisch die Mitte zwischen den beiden anderen Kantonen, Cizîre und Afrin, der Demokratisch-Autonomen Selbstverwaltung dar. Wenn es ISIS gelingt Kobanê einzunehmen, wäre die Verbindung zwischen Cizîre und Afrin gekappt. Außerdem könnten die Islamisten von dort aus zum Angriff auf die anderen Gebiete Rojava ansetzen.
In Kobanê hatte am 19. Juli 2012 die Rojava-Revolution ihren Anfang genommen und sich von dort aus auf andere Gebiete des Norden Syriens ausgeweitet. Wie alle kurdischen Siedlungsgebiete war auch Kobanê vor Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien einer massiven Repression und Unterdrückung des Baath-Regimes ausgesetzt. Unter Assad wurde die vor allem von KurdInnen bewohnte Stadt in Ain al-Arab, übersetzt “das Auge der Araber”, umbenannt.

Die NAV-DEM verurteilt auf schärfste die Angriffe durch die IS, welche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind – diese müssen ein sofortiges Ende finden. Es droht ein neuer Genozid nicht nur an der kurdischen Bevölkerung, sondern auch an alle anderen Bevölkerungsgruppen, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen. Der Schutz so wie die Verteidigung der Menschen ist unabdingbar und muss sofort gewährt werden. Darüber hinaus fordern wir, dass die internationalen Staatengemeinschaften endlich handeln und diesen Unmenschlichkeiten Einhalt bieten. Vor allem die Bundesrepublik Deutschland steht hier in großer Verantwortung, da viele hier lebenden Kurden, deutsche Staatsbürger sind und den Schutz ihrer Verwandten/Bekannten in der Heimat, auch als ihren Schutz definieren.

Das sofortige Handeln zum Schutz und zur Verhinderung weitere Massaker ist unabdingbar – Das Vorgehen und dem Einhalt bieten gegen dieser Banden der Unmenschlichkeit ist eine Pflicht und Verantwortung für die Demokratie und Menschlich-keit.

Deswegen rufen wir sämtliche demokratisch-fortschrittliche Organisationen, Institutionen, Menschrechtsorganisationen sowie und vor allem die internationale Staatengemeinschaft sprich die Vereinten Nationen dazu auf, die entsprechenden Handlungen und Maßnahmen zu veranlassen um diesen zu verhindern.

Gemeinsam gegen Ausgrenzung und Menschenverachtung – Zusammen für Demokratie und Menschlichkeit

NAV-DEM e.V. / Düsseldorf, 08.07.2014


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