Archiv für Juni 2014

9. Juni: Demonstration gegen die Morde der türkischen Armee an Friedensaktivisten in Lice

Demonstration Montag 17 Uhr Kottbusser Tor Berlin-Kreuzberg


Überall ist Lice – überall ist Widerstand!

Türkische Armee ermordet Friedensdemonstranten in Kurdistan

Am 07.06. eröffnete das türkische Militär das Feuer auf eine Friedensdemonstration der Dorfbevölkerung in der Region Piran (Lice) in der nordkurdischen Provinz Amed (Diyarbakir). Dabei wurden die beiden Aktivisten Ramazan Baran und Baki Akdemir gegen 16:30 Uhr durch Schüsse getötet. Viele weitere Menschen wurden verletzt.

Seit mehr als zwei Wochen leistet die Dorfbevölkerung führt in der Region Piran Widerstand gegen den Aufbau neuer Festungen des türkischen Militärs. Das türkische Militär nutzt den Waffenstillstand der kurdischen Guerilla aus, um hunderte neue militärische Stellungen, sowie Staudämme zu militärischen Zwecken zu errichten. Die Bevölkerung sieht darin einen Bruch des Waffenstillstands und begann vor etwa einem Monat vielerorts dagegen zu protestieren, Straßen zu blockieren, Baustellen zu besetzen und Protest- sowie Widerstandsaktionen durchzuführen. Diese Militärstützpunkte sind von der Bevölkerung immer wieder als Ausgangspunkte von Repression, Unterdrückung und Verschwindenlassen erlebt worden. So wurde ebenfalls in Piran 28.9.2009 das kurdische Mädchen Ceylan Onköl gezielt mit einer Mörsergranate aus einer solchen Militärstation heraus getötet. Am 28.06. 2013 wurde der Jugendliche Medeni Yildirim vom türkischen Militär bei einem Protest gegen eine Militärbasis erschossen, zehn weitere DemonstrantInnen wurden durch Schüsse teilweise schwer verletzt. Am 07.06.eröffnete nun das türkische Militär erneut das Feuer aus einer Stellung heraus das auf eine Protestkundgebung und ermordete unsere beiden Genossen.

Türkischer Staat zielt auf Einschüchterung des zivilen Widerstands ab

Dieser tödliche Angriff wurde vom türkischen Militär angekündigt. Durch die Diffamierung der Dorfbevölkerung als Terroristen sollte so ein Klima geschaffen werden, in dem solche Übergriffe möglich sind. Nachdem der Ministerpräsiden der Türkei die zivilen DemonstrantInnen öffentlich als „Banditen und Terroristen“ beschimpft hatte, begann das Militär die Bevölkerung mit Vernichtung zu bedrohen. Auf einem Video ist deutlich zu sehen wie ein türkischer Militär am 04.06. über Lautsprecher zu den DemonstrantInnen erklärt: „Wir werden euch vernichten wo wir Euch finden können. Wir werden Euch gleich umzingeln. Ihr werdet sehen, wir werden diese Terroristen vernichten. (…).“ Daraufhin begann schon zu diesem Zeitpunkt das türkischen Militär einen massiven Angriff mit Gasgranaten und scharfen Waffen. Der türkische Staat scheint den Friedensprozess nur als eine Möglichkeit zu betrachten, seine militärische Besatzung in Kurdistan auszubauen. Die Angriffe auf die Zivilbevölkerung sind Teil einer Einschüchterungsstrategie. Zivile Proteste wurde nicht nur in Piran mit militärischer Gewalt angegriffen, am selben Tag griffen Spezialeinheiten der Jandarma in Bedlis (Bitlis) Jugendliche an, die eine Gedenkzeremonie auf einem Friedhof durchführten. Auch hier wurde aus schweren Waffen das Feuer eröffnet und die Jugendlichen konnten sich gegen den halbstündigen Dauerbeschuss nur retten, indem sie in ein nahe gelegenes Waldstück flohen.

Solidarität zeigen – den Widerstand vereinen

Die kurdische Jugendbewegung erklärte zu den Morden: „Wir werden den Funken des Freiheitskampfes, der von Lice ausgeht in ein großes Feuer des Widerstands verwandeln. Wir rufen die Bevölkerung von Amed und alle auf, gegen die Massakerpolitik der AKP aufzustehen. Lasst uns die Straßen und Plätze Kurdistans und an jedem Platz an dem wir uns befinden nehmen und die faschistische Polizei der AKP Regierung nach Rechenschaft fragen und diese mörderische Polizei aus Kurdistan drängen. Lasst uns gegen den Kolonialismus der Türkei für ein würdiges Leben aufstehen,heute ist der Tag jeden Ort in Lice zu verwandeln. Lasst uns von den Stadtvierteln bis zu den Straßen überall Widerstandsfronten aufbauen und die Mörder Rechenschaft ablegen lassen!“ Bei den gewaltsam niedergeschlagenen Protesten zum Jahrestag des Gezi-Park-Aufstandes riefen auch in Istanbul die Demonstranten „Überall ist Lice – überall ist Widerstand.“ Diese Menschen haben begriffen, dass der Kampf der kurdischen Freiheitsbewegung und der kurdischen Bevölkerung ein Kampf für die Demokratisierung und Befreiung der ganzen Region ist. In diesem Sinne wollen auch wir hier gegen diese Morde und die Kriegspolitik der Türkei protestieren.

Trotz der derzeitigen Querelen zwischen der Türkei und BRD ist die Türkei einer der wichtigsten Abnehmer deutscher Waffen und enger militärischer Alliierter, insbesondere wenn es gegen die kurdische Freiheitsbewegung geht. Diese Bewegung ist eine der stärksten emanzipatorischen Bewegungen weltweit, die gegen Nationalismus und Kolonialismus, für Frauenbefreiung und Basisdemokratie kämpft.

Lasst und gemeinsam protestieren – ob am Gezi Park, in Lice oder in Berlin – tragt Eure Wut und Trauer auf die Straßen.

Schluss mit der Waffenhilfe für die Türkei – die Ermordeten von Lice leben in unserem gemeinsamen Kampf weiter

Hoch die internationale Solidarität!

Kurdistan Solidaritätskomitee Berlin

Barzanis KDP bedroht Tatort Kurdistan-Aktivisten in Erbil

Bewaffnete Sicherheitskräfte der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) von Präsident Massoud Barzani haben einen Unterstützer der Kampagne Tatort Kurdistan in der Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion im Nordirak Erbil bedroht.

Kurz vor Mitternacht in der Nacht auf Freitag den 6. Juni versuchten fünf mit Maschinenpistolen und Pistolen bewaffnete Asayis (Geheimpolizeiähnlicher Sicherheitsdienst von Barzanis KDP) gewaltsam in Fuads Wohnung in Erbil einzudringen. Fuad öffnete daraufhin die Türe. Die Asayis schauten in alle Räume und befragten Fuad, was er in Erbil mache. Sie waren auch darüber informiert, welche Besucher Fuad in den letzten Tagen in seiner Wohnung empfangen hatte. Die Asayis behaupteten, dass Fuads irakischer Pass veraltet sei und forderten ihn auf, am Samstag zur Behörde zu kommen.

Fuad leitet in Südkurdistan eine Menschenrechtsorganisation (Föderation der ehemaligen politischen Gefangenen Kurdistans / Organisation gegen Folter und Hinrichtungen). Ins Fadenkreuz der KDP ist Fuad jetzt offenbar geraten, weil er in ausländischen Medien gegen die Razzien vom 19. Mai bei oppositionellen politischen Vereinigungen und Medien, darunter dem Kurdistan Nationalkongress, der Partei der demokratischen Lösung PCDK, Frauen- und Jugendzentren sowie der Nachrichtenagentur Dicle protestiert hatte, bei denen Dutzende Oppositionelle festgenommen wurden.

Auch Fuads Engagement für Flüchtlinge aus Rojava, die in den Lagern der KDP als Druckmittel gegen die Rojava-Übergangsregierung benutzt werden, ist der KDP ein Dorn im Auge. Zudem hat Fuad in einem Artikel kritisiert, dass der dem Barzani-Clan nahestehende Fernsehsender Rudaw einem Djihadisten ein Forum geboten hat, der die Mitglieder der Kommunistischen Partei öffentlich als „Ungläubige“ diffamieren und damit aus Sicht der Islamisten für vogelfrei erklären konnte. Diese Plattform hat Rudawa TV den Djihadisten ausgerechnet zu einem Zeitpunkt geboten, an dem die islamistische Terrororganisation ISIS nicht nur in Rojava ihre Massaker verübt, sondern auch versucht, auch in Südkurdistan aktiv zu werden.

Als Kampagne Tatort Kurdistan verurteilen wir die Einschüchterungsversuche der KDP gegen unseren Aktivisten Fuad Zindani. Wir fordern Präsident Barzani und die KDP auf, ihre Angriffe auf Oppositionelle sofort einzustellen und die demokratischen Freiheiten zu achten.

Wir werden die weiteren Entwicklungen aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls aktiv werden.

Kampagne Tatort Kurdistan

8. Juni: Tödliche Polizeigewalt

Veranstaltung zum Todestag von Halim Dener

halim

Referent*innen von no justice – no peace, Oury Jalloh Initiative und der Kampagne Halim Dener berichten über ihre Erfahrungen mit tödlicher Polizeigewalt in der BRD

Veranstalter: no justice – no peace, Kampagne Opfer rassistischer Polizeigewalt KOP, Initiative Oury Jallow, Kampagne Halim Dener

Jockels Biergarten, Ratiborstr. 14c, Berlin-Kreuzberg
17:00h

8. Juni: Saladin

EINLADUNG ZU LITERATUR BUCHPRÄSENTATION und LESUNG mit HAYDAR IŞIK

Programm:
16.00-17.00 :Vortrag mit Diskussion über die soziale und politische Lage der Kurden in Rojava -Syrien jetzt
und
während der Herrschaft Sultan Saladins

17.00-17.30: musikalische Darbietungen
18.00-18.30: Buchpräsentation des neuen Romans
von Haydar Isik SULTAN SALADIN
19.00: LESUNG aus SULTAN SALADIN
20.30- 21.15 kurdischer Imbiss und Getränke

21.15- 22.00 Musikalische Darbietungen (Kurdische Lieder)
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Datum
08.06.2014 Sonntag /Einlass: 15.30 h.
Ort
PallasT
Pallasstr. 35 / 10781 Berlin
Verbindung
U-Bahn: Kleistpark und Yorkstr / Bus:M 48
Unterstützungskomitee zur Kurdische Literatur
Kontakt Telf: 015776209710