Von den Rosas zu den Sakines – weiter im Kampf für Frieden, Frauenbefreiung und Sozialismus

Aufruf des Kurdistan-Solidaritätskomitees Berlin zur Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 10. Januar 2014 in Berlin

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LL-Demo Sonntag 12. Januar 10 Uhr Frankfurter Tor

Am 15. Januar 1919 wurden die Revolutionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von faschistischen Todesschwadronen der SPD-geführten Reichsregierung ermordet. Sie wurden ermordet, weil sie den Schulterschluss zwischen den Kriegsverbrechern des 1. Weltkriegs und der SPD-Führung konsequent ablehnten, weil sie gegen Imperialismus und Krieg, für Sozialismus und Rätedemokratie kämpften. Die Botschaft von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist eine sehr moderne – von Deutschland aus wird in vielen Regionen der Welt wieder Krieg geführt. Deutsche Soldaten beteiligen sich am Kolonialkrieg in Afghanistan, Kriegsverbrechen wie die von Oberst Klein angeordnete Bombardierung zweiter Tanklastzüge am Kundus mit weit über 100 zivilen Toten bleiben ungesühnt. Regime wie die Türkei oder Saudi Arabien werden mit Waffen und Geheimdiensthilfe unterstützt, während die Grundrechte in der BRD immer weiter ausgehebelt werden. Wir leben in einem Europa, dass seine Grenzen verschließt und dabei den Tod von Tausenden billigend in Kauf nimmt. Europa und allen voran Deutschland sind zum Vorreiter der kapitalistischen Moderne geworden.

Am 09.01.13 wurden drei unserer Freundinnen und Genossinnen, die kurdischen Revolutionärinnen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Saylemez, in Paris durch heimtückischen Mord aus unserer Mitte gerissen. Unsere Freundinnen wurden in den Räumen des Kurdischen Informationsbüros in der Nähe des Pariser Nordbahnhofes durch Killer mit Genickschüssen exekutiert.
Sakine Cansiz, häufig als die kurdische Rosa Luxemburg bezeichnet, war schon lange bevor sie an der Gründung der kurdischen Befreiungsbewegung PKK 1978 teilnahm eine antifaschistische Revolutionärin. Auch 12 jährige Kerkerhaft in der Türkei konnten sie nicht brechen. Unvergessen ist, wie sie im berüchtigten Militärgefängnis von Diyarbakir ihren Folterern noch ins Gesicht spuckte. Ihr Kampf führte sie von den Bergen Dersim bis in die Metropolen Europas. Sakine spielte eine führende Rolle in der kurdischen Frauenbewegung, die einen Zweifrontenkampf gegen den türkischen Kolonialismus und die feudalen und patriarchalen Gesellschaftsstrukturen führt. Ihr Widerstand konnte durch Repression und Folter nie gebrochen werden, daher war sie – wie Rosa Luxemburg vor 100 Jahren – als Frau und als Freiheitskämpferin bei den Reaktionären und Unterdrückern verhasst. CIA, Verfassungsschutz und andere Geheimdienste legte Dossiers über sie an; sie wurde in Hamburg in Hamburg für einige Wochen aufgrund eines internationalen Haftbefehls 2007 inhaftiert und stand bis zu ihrem Tod unter permanenter Observation und Überwachung. Die mit Sakine ermordete Fidan Dogan war eine erfahrene Diplomatin, die sich als Vertreterin des Kurdistan Nationalkongresses international für eine friedliche Lösung des kurdischen Konfliktes einsetzte. Leyla Saylemez war eine Jugendaktivistin, die ihre Ausbildung abgebrochen hatte, um ihr Leben ganz dem Befreiungskampf zu widmen.

Auch ein Jahr nach den Morden liegen nur wenige offizielle Untersuchungsergebnisse vor und insbesondere die französische Justiz scheint bemüht, dass es so bleibt. Obwohl es einen inhaftierten Tatverdächtigen gibt, der nach Recherchen kurdischer Journalisten Verbindung zu den faschistischen Grauen Wölfen und dem türkischen Geheimdienst hat, weigerte sich die französische Justiz lange, in diese Richtung überhaupt zu ermitteln. Computer mit Beweismaterial verschwanden aus dem Besitz der Staatsanwaltschaft. Der Mord hätte nicht ohne das aktive Wegschauen französischer Behörden stattfinden können, die das Sakine und das Kurdistan Informationsbüro nahezu lückenlos überwachten. Damit führt ein mutmaßlicher Tatbeteiligter die Ermittlungen. Auch am Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht war der Staat bis hin zum SPD-Kriegsminister Gustav Noske beteiligt – und die Mörder gingen straflos aus. Es kann uns also nicht nur darum gehen von den betreffenden Staaten Aufklärung zu verlanden.

Die drei Frauen kämpften, wie es auch schon Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht taten, unter Einsatz ihres Lebens nicht nur für Rechte für das kurdische Volk, sondern für eine Welt, in der kein Mensch mehr ein verächtliches, ausgebeutetes und unterdrücktes Wesen ist.

Die heute in Rojava (kurdische Siedlungsgebiete in Nordsyrien) geschaffene demokratische Selbstverwaltung durch Volksräte, die demokratische Kontrolle der Ökonomie durch die Arbeitenden, die Schaffung von multiethnischen Selbstverteidigungseinheiten dort und nicht zuletzt die revolutionäre Frauenbewegung sind auch die Früchte dieses Kampfes, der von Karl und Rosa bis zu Sakine, Fidan und Leyla reicht. Unsere Aufgabe ist es ihren Kampf in aller Entschlossenheit fortzusetzen.

Lasst uns ihren Mut und ihre Entschlossenheit in unseren Kämpfen weitertragen und sie in unseren Herzen weiterleben!
Kommt zum internationalistischen Block in Gedenken an Sakine, Leyla und Fidan!


1 Antwort auf „Von den Rosas zu den Sakines – weiter im Kampf für Frieden, Frauenbefreiung und Sozialismus“


  1. 1 Tayar 06. Januar 2014 um 15:45 Uhr

    Was Sakine für die Frauenbewegung gemacht hat, ist nicht in Worte zu fassen. Insbesondere wenn man ihre Leidensgeschichte im Gefängnis betrachtet, muss man ihre Leistungen einfach wertschätzen. Jahrelang hat sie sich für mehr Unabhängigkeit und Freiheit stark gemacht – umso tragischer ist ihr brutaler Tod im vergangenen Jahr!

    Ich hoffe, dass zur Kundgebung am 11. Januar zahlreiche Menschen nach Paris kommen werden und auch in den deutschen Großstädten teilnehmen werden!

    Sakine – Voice of Resistance!

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