Freie Syrische Armee greift Kurden an

Die Söldner der »Freien Syrischen Armee« (FSA) intensivieren ihre Angriffe auf kurdische Selbstverwaltungsstrukturen in Syrien. Wie am Montag abend bekannt wurde, verschleppten FSA-Banden mittlerweile mehr als 700 kurdische Zivilisten auf der Strecke zwischen den Städten Aleppo und Afrin. Das meldeten die kurdischen Nachrichtenagenturen Hawarnews (ANHA) und Firat News unter Berufung auf eine FSA-nahe Quelle am Dienstag. Die Gefangenen würden in Marei, einem von der dschihadistischen Al-Tevhid-Brigade der FSA kontrollierten Vorort von Aleppo, festgehalten. Im Keller eines Gebäudes seien sie Folter ausgesetzt und erhielten kaum Nahrung und Wasser. Die FSA »beschlagnahme« die Fahrzeuge der Verschleppten. Außerdem würden kurdische Händler an der Fahrt nach Afrin gehindert.

In der von Volksräten unter Führung der Partei der Demokratischen Union (PYD), einer Schwesterpartei der in der Türkei aktiven Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), kontrollierten Region Afrin kommt es seit Ende letzter Woche zu Kämpfen zwischen kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) und der FSA. Bei den Gefechten wurden nach YPG-Angaben bislang mindestens 38 Angreifer der FSA und drei YPG-Mitglieder getötet. Ziel dieser Angriffe sei es, die Stadt Afrin der Kontrolle der Kurden zu entziehen, heißt es in einer Analyse der kurdischen Nachrichtenagentur Firat. „Es soll geplant sein, die Straßen nach Afrin zu blockieren, um anschließend die strikte Umsetzung eines Embargos durchsetzen zu können“. Die Jihadisten hätten ihnen zudem vorgeworfen, den alawitischen Bewohnern des Dorfes Nabel freien Zugang durch ihre Checkpoints zu gewähren, erklärte ein YPG-Kämpfer gegenüber der Assyrischen Internationalen Nachrichtenagentur (AINA).

An den Angriffen in Afrin waren neben den mit Rückendeckung der Türkei agierenden djihadistischen Brigaden el Tevhid und Fatih auch die Saladin-Brigade und die Yusuf-ul Azme-Brigade beteiligt. Diese FSA-Einheiten stehen in Verbindung zur Azadi-Partei, deren Sitz sich in der kurdischen Autonomieregion von Präsident Massoud Barzani im Nordirak befindet. Nachdem die PYD vorübergehend 75 illegal nach Syrien eingedrungene Barzani-Anhänger festgenommen hatte, drohte der irakisch-kurdische Präsident vergangene Woche mit einer Grenzblockade gegen die PYD-geführte Rätebewegung.

Seit dem Wochenende kommt es auch bei der syrisch-türkischen Grenzstadt Serekaniye (Ras al-Ain) zu Gefechten mit Toten auf beiden Seiten, nachdem FSA-Kämpfer einen YPG-Stützpunkt angriffen. In dieser von Kurden und Arabern bewohnten Stadt, durch deren Kontrolle die kurdischen Enklaven Kobani und Afrin von der kurdischen Region Al Djasira abgeschnitten werden könnte, herrschte nach vorangegangenen Kämpfen seit Februar ein nun offenbar aufgekündeter Waffenstillstand zwischen den aus der Türkei eingefallenen FSA und der YPG.

„Die Angriffe auf die kurdischen Gebiete werden nicht ohne Antwort bleiben“, heißt es in einer Erklärung der YPG-Hauptkommandantur, in der die Bevölkerung der angegriffenen Gebiete zur Einheit und zur Organisation des Widerstands aufgefordert wird. „Es ist offensichtlich, daß diese Banden nicht das Baath-Regime als Gegner sehen. Diese Angriffe haben das Ziel, einen inneren Konflikt zwischen den Gegnern des Baath-Regimes zu schaffen.“ Die YPG, unter deren rund 10.000 Mitgliedern sich zahlreiche Frauen befinden, wurden zum Schutze der kurdischen Selbstverwaltungsstrukturen sowohl vor Angriffen der Regierungstruppen als auch der FSA gebildet. Mittlerweile kontrollieren die YPG auch 60 Prozent der syrischen Ölfelder.


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