Kurden fordern Freilassung von Bischöfen

Zwei in Syrien verschleppte Bischöfe befinden sich in der Hand bewaffneter Oppositionskräfte der Freien Syrien Armee (FSA). Das gaben kurdische Milizen nach einer Untersuchung des Vorfalls nun bekannt.

Der griechisch-orthodoxe Bischoff von Aleppo und Antakya, Pavlo Yazici, sowie sein syrisch-orthodoxer Amtskollege Yuhhana Ibrahim waren am 22. April westlich von Aleppo von Bewaffneten verschleppt worden. Dabei wurde ihr Fahrer, ein Diakon, ermordet. Zunächst war unklar, von welcher Seite die Kirchenmänner verschleppt wurden. So hatte sich das Oberkommando der FSA von der Entführung distanziert, während die syrisch-orthodoxe Diözese „tschetschenische Djihadisten“ verantwortlich machte.

Kurdische Volksverteidigungseinheiten (YPG) fanden nun heraus, daß eine von Feteh El-Hesen geleitete Gruppe der FSA die Bischöfe gefangen hält. Die YPG-Kommandantur forderte die FSA und das Bündnis der „Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte“ auf, die Bischöfe umgehend frei zu lassen und sich bei der christlichen Gemeinschaft des Landes zu entschuldigen. Andernfalls würden die Volksverteidigungseinheiten zur Tat schreiten, um die Bischöfe zu befreien, heißt es in der Erklärung der YPG, die die Verschleppung als „Schlag gegen die Revolution von Syrien“ bezeichneten.

Unter syrischen Christen, die rund zehn Prozent der Bevölkerung stellen, herrscht die berechtigte Sorge, nach einem Sturz von Bashar al-Assad könnte es zur Errichtung eines islamistischen Staates kommen. Solche Befürchtungen teilen auch viele syrische Kurden.

Seit Sommer letzten Jahres haben Volksräte unter Führung der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), einer Schwesterpartei der in der Türkei kämpfenden Arbeiterpartei Kurdistans PKK, die Kontrolle über den größten Teil der kurdischen Siedlungsgebiete entlang der syrisch-türkischen Grenze übernommen. „Wir haben uns auf keine Seite gestellt, aber wir verteidigen uns“, spricht der PYD-Vorsitzende Salih Muslim von einer Position des „dritten Weges“ sowohl gegenüber dem Baath-Regime als auch der vom Ausland unterstützten bewaffneten syrischen Opposition. „Wir wollen mit den anderen Völkern wie Brüder leben, mit Assyrern, Eziden und anderen Glaubensrichtungen. Wir machen keinen Unterschied zwischen Moscheen und Kirchen.“

Nach Angriffen von Regierungstruppen auf das von Kurden bewohnte Sheikh-Maqsud-Viertel, bei denen zahlreiche Zivilisten getötet wurden, setzte in den letzten Wochen eine Massenflucht von Kurden aus Aleppo ein. „Das Regime versucht, die Kurden in den schmutzigen Krieg hineinzuziehen“, erklärten die der PYD nahestehenden YPG, unter deren rund 10.000 Kämpfern sich auch zahlreiche Frauen befinden.

PYD-Chef Muslim sieht hier eine Warnung des Regimes an die syrischen Kurden, angesichts des Friedensprozesses zwischen der Arbeiterpartei Kurdistans PKK und der türkischen Regierung nicht auf die Seite der von Ankara unterstützten syrischen Oppositionskräfte zu wechseln. Zuvor hatte Ankara auf die von der Türkei aus operierenden syrischen Oppositionskräfte noch Druck ausgeübt, keine kurdische Autonomierechte in Syrien anzuerkennen.„Der Gedanke, daß eine Koalition ohne die Kurden unvollständig ist, breitet sich in der syrischen Opposition aus“, zeigt sich Muslim nun zuversichtlich.

In Aleppo war es bereits zu punktuellen Kooperationen zwischen YPG-Kämpfern und FSA-Einheiten gekommen. Doch ein stabiles Bündnis ist dies aufgrund unterschiedlicher weltanschaulicher Vorstellungen nicht, wie jetzt die Reaktion der YPG auf die Verschleppung der Bischöfe zeigt.


0 Antworten auf „Kurden fordern Freilassung von Bischöfen“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


neun × sieben =