Archiv für März 2013

19. März „Widerstand und gelebte Utopien“

Eine Buchvorstellung

Das Buch “Widerstand und gelebte Utopien” basiert auf Interviews, die Internationalistinnen im Jahre 2010 mit Guerillakämpferinnen und anderen aktiven Frauen der kurdischen Frauenbefreiungsbewegung geführt haben.

Es gibt viel zu erfahren über das in den vergangenen Jahren entwickelte basisdemokratische Konzept des Demokratischen Konföderalismus.

Von der Frauenorganisierung in den Bergen Kurdistans über die Frauenbefreiungstheorie bis hin zum Aufbau von Frauenräten in Nord- Süd- (und inzwischen auch West-) Kurdistan. Frauen berichten von ihren Erfahrungen zum Aufbau einer freien und ökologischen Gesellschaft.

Das Buch gibt u.a. Antworten auf folgende Fragen:

Wie ist es seit der Entführung Abdullah Öcalans 1999 in der kurdischen Befreiungsbewegung weitergegangen?

Welchen Weg haben insbesondere die Frauen eingeschlagen?

Welche neuen Konzepte gibt es für den Aufbau einer befreiten Gesellschaft?

Dienstag, der 19.03.2013

um 19.30 h im Münzenberg-Saal, Rosa Luxemburg Stiftung

Franz-Mehringplatz 1

nahe dem Berliner Ostbahnhof

Vorgestellt wird das Buch durch eine Referentin von Cenî – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V., Düsseldorf

Veranstaltet von

Dest Dan e.V., FARAB, Berlin

und der Rosa Luxemburg Stiftung

»Unsere Ehre ist unsere Freiheit«

Die Morde an drei kurdischen Revolutionärinnen in Paris zielten auf den ­aktivsten Teil der Freiheitsbewegung

von Ulla Jelpke

Am 9. Januar wurden drei kurdische Revolutionärinnen in Paris brutal ermordet. Die letzte noch lebende weibliche Mitbegründerin der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Sakine Cansz, die Diplomatin Fidan Dogan und die junge Aktivistin Leyla Söylemez wurden in den Räumen des Kurdistan-Informationsbüros durch Kopfschüsse regelrecht hingerichtet.

Wenige Wochen nach dem Attentat präsentierten die französischen Ermittlungsbehörden den verhafteten Tatverdächtigen Ömer Güney. Güney hatte sich als einfaches Mitglied eines kurdischen Kulturvereins in Paris das Vertrauen der Aktivistinnen erschlichen. Journalisten der kurdischen Agentur Firat fanden heraus, daß Güney Verbindungen zu den faschistischen Grauen Wölfen unterhält. Ein nun im Schweizer Exil lebender ehemaliger V-Mann des türkischen Geheimdienstes MIT erklärte gegenüber der kurdischen Presse, ihm sei während seiner Agentenzeit ein Bild von Güney mit dem Hinweis gezeigt worden, dies sei »unser Mann in Paris«, der in die kurdische Gemeinde eingeschleust würde. Im vergangenen Jahr hatte die türkische Regierung darüber beraten, Kopfgelder in Millionenhöhe für die Tötung hochrangiger PKK-Kader auszusetzen. So spricht viel dafür, daß der mutmaßliche Mörder im Auftrag des türkischen Staates gehandelt hat.
Einschüchterung als Ziel
Viele Kurden glauben, daß es kein Zufall war, daß es drei Frauen und nicht etwa ebenfalls in Europa lebende männliche Politiker traf. Die Frauen als aktivster Teil der kurdischen Befreiungsbewegung sollten eingeschüchtert werden. Insbesondere Sakine Cansz, die als kurdische Rosa Luxemburg gilt, war eine Symbolfigur des Frauenbefreiungskampfes. Die in der traditionell rebellischen Provinz Dersim geborene Cansz, die 1978 zu den Gründungsmitgliedern der PKK gehörte, war jahrelang in der Türkei inhaftiert. Trotz schwerster Folter blieb sie ungebrochen.

Frauen wie ihr ist es zu verdanken, daß uns heute, wenn es um Kurdinnen geht, nicht nur die Stichworte Zwangsheirat und Ehrenmord einfallen, sondern daß wir auch an Guerillakämpferinnen, selbstbewußte Parlamentarierinnen und an die wohl mächtigste Frauenbewegung des Mittleren Ostens denken.

Als die PKK Mitte der 80er Jahre den bewaffneten Kampf gegen die koloniale Unterdrückung durch den türkischen Staat aufnahm, gehörten ihr nur wenige Frauen an. In der patriarchal geprägten und weitgehend feudal strukturierten kurdischen Gesellschaft war es keine Selbstverständlichkeit für Frauen, aus dem Haus zu gehen, geschweige denn, an Demonstrationen teilzunehmen und sich politisch zu engagieren. Das Ziel der 1978 gegründeten »Union der Patriotischen Frauen Kurdistans« bestand daher erst einmal in der Mobilisierung für den Befreiungskampf. Doch schon bei den Volksaufständen Anfang der 90er Jahre spielten Frauen, deren Männer häufig im Gefängnis saßen, eine führende Rolle. Paramilitärische Einheiten des Staates setzten nun Vergewaltigung gezielt ein – einerseits, um den Widerstand der Frauen zu brechen, andererseits, um die Männer zu treffen. Denn in der patriarchalen Gesellschaft definiert sich die Ehre des Mannes und seiner Familie über die Unberührtheit der Frau. Gegen diese Denkweise wandten sich die Kurdinnen mit ihrem Ruf »Wir Frauen sind niemandes Ehre – unsere Ehre ist unsere Freiheit!«.
Guerilleras
Mitte der 90er Jahre begann der Aufbau von nur aus Frauen gebildeten Guerillaeinheiten. Frauen sollten so die Möglichkeit zur eigenständigen Entwicklung, zu von Männern unabhängigem Handeln und damit zur Übernahme von Verantwortung und Führung bekommen. »Kämpfend befreien wir uns; befreiend verändern wir uns; verändert lernen wir, neu zu lieben«, beschrieben die Guerilleras ihr Selbstverständnis. Das Beispiel, das sie gaben, fand seinen Widerhall in den Städten und Dörfern, wo Frauen sich ebenfalls organisierten. Die Früchte dieses politischen Kampfes sind nun sichtbar. Bei den Kommunalwahlen vor vier Jahren wurden auf der Liste der inzwischen verbotenen prokurdischen Partei für eine Demokratische Gesellschaft (DTP) 16 Bürgermeisterinnen gewählt. Damit stehen in den als rückständig geltenden kurdischen Landesteilen mehr Frauen an der Spitze von Kommunen als in der gesamten übrigen Türkei. Innerhalb der mit über 30 Abgeordneten im Parlament vertretenen Partei für Frieden und Demokratie (BDP) gilt eine 40prozentige Geschlechterquotierung der Vorstände und eine quotierte Doppelspitze. Um ihr Konzept einer »demokratischen Autonomie« umzusetzen, bildet die BDP in den von ihr regierten Städten basisdemokratische Stadtteilräte, in denen Frauen ebenfalls stark vertreten sind. Dazu kommen reine Frauenräte.

BDP-regierte Kommunen haben zudem Beschlüsse verabschiedet, denen zufolge Männer, »die Brautgeld annehmen, Töchter nicht zur Schule schicken, in Vielehe leben oder in der Familie Gewalt ausüben«, ihres Amtes enthoben werden. In einigen kurdischen Orten wie beispielsweise in der Millionenstadt Diyarbakr sowie in Van und Urfa wird zudem versucht, durch den Aufbau von Frauenkooperativen, die handwerkliche oder landwirtschaftliche Produkte herstellen oder Restaurants und Bäckereien betreiben, gezielt Frauenarbeitsplätze zu schaffen. So soll die wirtschaftliche Abhängigkeit vieler Frauen von Ehemännern oder Vätern überwunden werden. Angesichts der ökonomischen Unterentwicklung und der hohen Erwerbslosigkeit sind solche Kollektive, die Einheitslöhne auszahlen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch sie verstehen sich zugleich als Modell für ein besseres, freies und selbstverwaltetes Leben.
Zweifrontenkampf
Die kurdische Frauenbewegung, die inzwischen eng mit türkischen Organisationen kooperiert, führt einen Zweifrontenkampf nicht nur gegen die Unterdrückung durch den Staat, sondern auch gegen die vielfach religiös geprägten patriarchalen Strukturen der türkischen wie der kurdischen Gesellschaft. Damit gerät sie ins Fadenkreuz der neoliberal-konservativen AKP-Regierung, die sich mit ihrem Konzept des »politischen Islam« auch dem Rollback in Sachen Frauenrechte verschrieben hat. Offen erklärt Ministerpräsident Rezep Tayyip Erdogan das Kinderkriegen zur patriotischen Pflicht und fordert ein vollständiges Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Der Anteil berufstätiger Frauen ging während der zehnjährigen AKP-Herrschaft von 39 auf 24 Prozent zurück, während im gleichen Zeitraum selbst nach Angaben der Regierung die Fälle von Gewalt gegen Frauen um über 1000 Prozent anstiegen.

Vor diesem Hintergrund ist die kurdische Frauenbewegung besonderen Repressionen ausgesetzt. 40 Prozent der Opfer der seit 2009 rollenden Massenverhaftungswelle, von der bislang rund 8000 kurdische Politiker und zivile Aktivisten betroffen waren, sind Frauen. Gewerkschaftssekretärinnen sehen sich wegen der Organisation von Demonstrationen zum Internationalen Frauentag und Bürgermeisterinnen wegen der Umsetzung der Geschlechterquotierung in den Stadtverwaltungen dem Vorwurf der Terrorunterstützung ausgesetzt. »Wenn diese Frauen nicht mit ihren Kindern kurdisch sprechen würden, könnten wir die kurdische Sprache und Kurdistan längst vergessen«, führte die Parlamentsabgeordnete und feministische Aktivistin Sebahat Tuncel anläßlich einer Veranstaltung zum Frauentag 2012 aus. Genau deshalb seien die Kurdinnen »das größte Problem der AKP«.

Während konservative Gruppen in der kurdischen Bevölkerung bereit sind, für kulturelle Zugeständnisse der Regierung ihren Frieden mit dem türkischen Staat zu machen, wissen die in den letzten 20 Jahren immer stärker politisierten Frauen, daß sie unter dem AKP-System nur verlieren können. Faule Kompromisse auch im Rahmen eines von der Regierung verkündeten »Friedensprozesses«, der in erster Linie auf die Entwaffnung der PKK zielt, werden sie daher nicht eingehen. Die Schüsse auf Sakine, Fidan und Leyla zielten darauf, diese Widerstandskraft zu brechen. Doch die bis zu eine Million Menschen auf der Trauerfeier für sie in Diyarbakr haben deutlich gemacht, daß dieses Kalkül nicht aufgehen wird.

Aus: Feminismus, Beilage der jungen Welt vom 08.03.2013

»Die Freiheit wird gewinnen«
Sakine Cansz
Zu Anfang hatten wir (…)nur unseren Glauben daran, daß etwas falsch ist und daß wir etwas Richtiges wollen. Unsere Einstellung war: »Egal, auch wenn wir in diesem Kampf fallen, die Freiheit wird irgendwann gewinnen.« Es war so, daß alles Vorhandene uns gegenüber feindlich eingestellt war. (…) Von dem her war es notwendig, alles infrage zu stellen, alles noch einmal neu anzufangen. (…) Im Kern dieser Bewegung hat immer gestanden, auf Erfahrungsschätze zurückzugreifen (…). Das konnten die Erfahrungen von Frauenorganisationen oder von Rosa Luxemburg und Clara Zetkin sein (…). Allerdings haben wir nie alles so übernommen, wie es andere gemacht haben (…) Wir haben uns dem Sozialismus nie sehr utopisch angenähert. Das war für uns nie irgendwas ganz weit Entferntes. Wir haben eher geguckt, wie lassen sich Sozialismus, Freiheit und Gleichheit verwirklichen? (…) Wir haben immer Hoffnungen und Utopien gehabt, die wir nicht auf zukünftige Generationen projizieren wollten. Statt dessen haben wir angefangen, unsere Utopien und Hoffnungen im Hier und Jetzt umzusetzen.

(aus: Widerstand und gelebte Utopien – Frauenguerilla, Frauenbefreiung und Demokratischer Konföderalismus in Kurdistan, Mezopotamien Verlag, Neuss 2012, S.76)

Massaker ohne Verantwortliche

Schulterschluß von türkischer Regierungspartei und Militär nach Ermordung von 34 Zivilisten bei Uludere

Von Nick Brauns

Fehlende Koordination zwischen Geheimdienst und Militär soll für eines der schlimmsten Massaker der türkischen Armee an kurdischen Zivilisten verantwortlich sein. Zu diesem Ergebnis kommt die Mehrheit im Uludere-Untersuchungsausschuß des türkischen Parlaments in ihrem Mitte der Woche vorgelegten vorläufigen Bericht. Am 28. Dezember 2011 hatten Kampfflugzeuge eine Gruppe von Schmugglern bombardiert, die bei Uludere in der Provinz Sirnak die irakisch-türkische Grenze mit ihren mit Öl, Zucker und Tee beladenen Maultieren überquerten. 34 zumeist jugendliche Dorfbewohner wurden bei dem Angriff getötet. Die Zivilisten seien aufgrund von Geheimdienstinformationen irrtümlich für Guerillakämpfer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gehalten worden, rechtfertigte das Militär den Angriff, obwohl die Schieber in dieser von Militärposten durchzogenen Region jeden Tag an dieser Stelle die Grenze überquerten. Der Bericht des Uludere-Untersuchungsausschusses wurde allein mit den Stimmen der fünf Vertreter der regierenden islamisch-konservativen AK-Partei verabschiedet, die zugleich beschlossen, den Report als geheim einzustufen.

Ziel dieses Vorgehens sei offensichtlich der Schutz der Interessen des türkischen Staates, nicht der Rechte von Zivilisten, kritisierte der Vertreter der linken kurdischen Partei für Frieden und Demokratie (BDP) im Ausschuß, Ertugrul Kürkcü, eine Kollaboration der Regierungspartei mit dem Militär. Der Bericht übernähme unkritisch die Darstellung des Militärs und führe lediglich die technischen Details des Luftangriffs aus, ohne Verantwortliche für den Tod der 34 Zivilisten zu benennen. »Es erscheint so, als ob wir es mit einer anderen Armee zu tun haben, die aus dem Weltraum kam und es tat«, beklagte auch der Vertreter der kemalistischen Republikanischen Volkspartei (CHP), Levent Gök, die fehlende Benennung jeglicher Hintergründe für den Angriff. Die drei Oppositionsvertreter bereiten nun ein Minderheitsvotum vor.

junge Welt 8.März 2013

„Frauen kämpfen international – gegen Patriarchat und Kapital!“

Demonstration 9. März 2013 15 Uhr Hermannplatz

Am 9. März 2013 ruft ein Bündnis aus feministischen,internationalistischen und antifaschistischen Gruppen und Einzelpersonen unter dem Motto „Frauen kämpfen international – gegen Patriarchat und Kapital“ um 15 Uhr am U-Bhf. Hermannplatz zu einer Demonstration in Gedenken an die vor 80 Jahren verstorbene Frauenrechtlerin Clara Zetkin sowie die im Januar 2013 in Paris ermordeten kurdischen Aktivistinnen Sakine Cansiz, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez und als Zeichen der Solidarität mit allen kämpfenden Frauen in der BRD, Türkei/Kurdistan, Indien und weltweit auf.

Viele der Forderungen, die bereits die vor 80 Jahren verstorbene Feministin und Sozialistin Clara Zetkin postuliert hat sind bis heute aktuell, und das nicht nur in den ärmeren Regionen der Welt, sondern auch in Europa und der BRD. Bis heute verdienen Frauen in der BRD im Durchschnitt rund 20 % weniger als Männer, befinden sich überdurchschnittlich häufig in prekären Beschäftigungsverhältnissen und sind somit gezwungen mehreren Jobs gleichzeitig nachzugehen oder auf
finanzielle Unterstützung angewiesen.

Hierzu Melsa Hikmet, eine Sprecherin des Bündnisses 8. März: „Ob in der BRD, Türkei, Nordkurdistan oder Indien – überall auf der Welt leben Frauen in patriarchalen Herrschaftsverhältnissen und sind mit Ausbeutung und Unterdrückung konfrontiert. Noch immer werden Frauen durch unbezahlte Erziehungs- und Hausarbeit im Privaten ausgebeutet, sind eingezwängt in belastenden familiären Strukturen oder betroffen von häuslicher und sexualisierter Gewalt.“

Dagegen und für die Anerkennung ihrer Sprache und Kultur haben sich auch die kurdischen Aktivistinnen Sakine Cansiz, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez eingesetzt, die am 9. Januar 2013 in Paris, unter den Augen des französischen Staates ermordet wurden. Zeitgleich zur Demonstration in Berlin wird es daher in Paris eine Demonstration geben unter dem Motto: „Mit Clara Zetkin begann der Frauenkampf, Rosa Luxemburg trug ihn weiter, Sakine Cansiz wurde zum Symbol des Frauenwiderstands – Es lebe der Internationale Frauentag!“

Die Demonstration, zu der neben der Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin und der Deutschen Kommunistischen Partei auch die Berliner Verdi- und GEW-Jugend aufrufen, wird vom Hermannplatz im Berliner Bezirk Neukölln zum Heinrichplatz in Kreuzberg führen. Redebeiträge gibt es unter anderem von Vertreterinnen der kurdischen und türkischen Frauenbewegung sowie der über 80-jährigen Antifaschistin und Widerstandskämpferin Erika Baum.

Zusätzlich veranstaltet des Bündnis vom 28.2. – 19.3.2013 eine Reihe weiterer Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauenkampftag, darunter Informations- und Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen und
Filmvorführungen.

Für weitere Informationen siehe: 8maerz.blogsport.de

Mit freundlichen Grüßen,
Bündnis 8. März

PKK-Sympathisantin des Tages: Rosa Luxemburg

Von Nick Brauns

Die türkische Polizei ermittelt gegen Rosa Luxemburg wegen des Verdachts, diese habe die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterstützt. Anlaß dafür ist ein Plakat der Demokratischen Freien Frauenbewegung in der kurdischen Metropole Diyarbakir zum Internationalen Frauentag am 8. März. Das Plakat zeigt die Bilder der 1974 in Bagdad hingerichteten Freiheitskämpferin Leyla Qasim, der drei im vergangenen Januar in Paris ermordeten kurdischen Revolutionärinnen und der Kommunistinnen Rosa Luxemburg und Clara Zetkin. Überschrieben ist das Plakat in türkischer und kurdischer Sprache mit dem offiziellen Motto der diesjährigen Veranstaltungen der kurdischen Frauenbewegung zum 8. März: »Von den Rosas zu den Sakines – Euer Wort ist unser Wort – Euer Weg ist unser Weg«. Die unter anderem von Gewerkschaften und linken Parteien unterstützten Plakate wurden jedoch von einem Gericht in Diyarbakir auf Grundlage des türkischen Antiterrorgesetzes verboten, da es »die PKK-Terrororganisation unterstützt«.

»Auf der Polizeiwache fragten sie uns, wer Rosa ist«, berichtete Sanesin Aydin, eine der Organisatorinnen der Frauentagskundgebung, dem Internetportal Bianet. Man habe es den Beamten erklärt, aber »die Polizei glaubte unserer Ausführung nicht und kündigte an, sie werde selber zu Rosa ermitteln.«

Die PKK-Mitbegründerin Sakine Cansiz, die Diplomatin Fidan Dogan und die junge Aktivistin Leyla Saylemez wurden im Januar im kurdischen Kulturzentrum in Paris ermordet. Täter war nach bisherigen Erkenntnissen ein in die kurdische Gemeinde eingeschleuster türkischer Faschist mit Geheimdienstkontakten. Die einwöchigen Aktivitäten in Kurdistan zum 8. März sind in diesem Jahr der ermordeten Sakine Cansiz gewidmet. In Van demonstrierten bereits am Montag Tausende gegen sogenannte Ehrenmorde in einer »männerdominierten Gesellschaft«.

junge Welt 5.3.2013