Archiv für Januar 2013

Mit Trauer und Wut

Die Teilnehmer der XVIII. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz verabschiedeten am Sonnabend in Berlin folgende Resolution:

Am Abend des 9. Januar wurden die kurdischen Politikerinnen Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Söylemez in den Räumen des kurdischen Informtionsbüros in Paris ermordet. Mit Trauer und Wut verurteilen wir diesen Angriff auf die kurdische Befreiungsbewegung und insbesondere auf die kurdische Frauenbewegung. Die Morde können nicht losgelöst von der Verfolgung betrachtet werden, der politisch aktive Kurdinnen und Kurden seit Jahrzehnten in Europa – besonders in Deutschland und Frankreich – ausgesetzt sind.

Razzien, Antiterrorverfahren und Verbote bestimmen ihren Alltag. Dadurch wurde ein politisches Klima geschaffen, in dem schon 1994 der kurdische Jugendliche Halim Dener von einem deutschen Polizeibeamten straflos erschossen werden konnte. Die TeilnehmerInnen der Rosa-Luxemburg-Konferenz übermitteln der kurdischen Bevölkerung ihre Solidarität und ehren die drei ermordeten Genossinnen. Hoch die internationale Solidarität!

Trauer und Racheschwüre

Großdemonstration nach Morden an kurdischen Politikerinnen in Paris

Hunderttausend Kurden haben am Samstag in Paris auf einer Großdemonstration dreier ermordeter kurdischer Politikerinnen gedacht. Die Mitbegründerin der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Sakine Cansiz, die Vertreterin des Kurdistan Nationalkongresses Fidan Dogan sowie die junge Aktivistin Leyla Söylemez waren in der Nacht zum Donnerstag in den Räumen des Kurdischen Informationszentrums nahe des Pariser Ostbahnhofs von unbekannten Tätern mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet worden. Die PKK beschuldigt dunkle Kräfte im türkischen Staatsapparat, hinter den Morden zu stecken, um die derzeit laufenden Friedensverhandlungen zwischen ihrem inhaftierten Vorsitzenden Abdullah Öcalan und türkischen Staatsvertretern zu sabotieren.

An der Großdemonstration beteiligten sich Kurden aus mehreren europäischen Staaten, Mitgliedern türkischer sozialistischer Organisationen, aber auch Politiker der prokurdischen Partei für Frieden und Demokratie (BDP) aus der Türkei. Neben zahlreichen Bildern der Ermordeten sowie PKK-Fahnen wurden Transparente mit Aufschriften wie »Die Kurden lassen sich nicht einschüchtern« aber auch »Rache!« gezeigt. »Die kurdischen Frauen und das kurdische Volk werden nicht ruhen, bis sie die Mörder ergriffen haben, erklärte die BDP-Vorsitzende Gültan Kisanak. »Wir geloben, den Kampf für Freiheit und Frieden bis zum Ende fortzusetzen.« Von den französischen Behörden, die das Kurdische Informationszentrum überwachen ließen, verlangten die Demonstranten vollständige Aufklärung.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigte am Wochenende den französischen Präsidenten Francois Hollande, sich mit von Interpol gesuchten Mitgliedern einer »Terrorgruppe« zu treffen. Hollande hatte zuvor erklärt, eine der ermordeten Frauen sei ihm persönlich bekannt, weil sie regelmäßig Treffen initiiert habe. Gemeint ist offenbar die als Diplomatin tätige Fidan Dogan.

US-Geheimdienste hatten die ermordete PKK-Mitbegründerin Sakine Cansiz seit Jahren im Visier. Das beweist ein von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichtes Geheimdokument der US-Botschaft in Ankara. Das Dokument vom Dezember 2007 befaßt sich mit Bemühungen von türkischen und US-Behörden, Geldflüsse an die PKK im Gebiet der Kurdischen Regionalregierung (KRG) im Nordirak zu unterbinden. Die als »Finanzexpertin« und »Strategin« charakterisierte Cansiz sowie der mutmaßliche PKK-Kader Riza Altun werden in dem Papier zu »Top-Zielen« erklärt, deren Gefangennahme die PKK-Aktivitäten begrenzen und signalisieren würde, daß Europa keine sichere Zone für deren Geldsammlungen ist. Daher solle Druck auf die EU-Staaten ausgeübt werden, damit diese »Maßnahmen gegen die beiden berüchtigten PKK/KRG-Finanzexperten in Europa, Riza Altun und Sakine Cansiz« ergreifen.

Cansiz, die nach 12jähriger Haft in der Türkei in Frankreich politisches Asyl erhalten hatte, war im Frühjahr 2007 während eines Besuchs in Hamburg aufgrund eines türkischen Interpolhaftbefehls mehrere Wochen in Auslieferungshaft genommen worden. Ihre von einem Gericht angeordnete Freilassung sowie die zuvor erfolgte des in Österreich wegen eines Paßsvergehens verhafteten Altun hatten für Proteste türkischer Behörden gesorgt.

junge Welt 14.1.2013

Erfolg für Staudammgegner

Der Oberste Gerichtshof der Türkei hat in dieser Woche einen sofortigen Baustopp für den Ilisu-Großstaudamm am Oberlauf des Tigris angeordnet. Der Bau widerspreche den türkischen Umweltschutzgesetzen, gab das Gericht einer Klage der türkischen Architekten- und Ingenieurskammers (TMMOB) statt. Durch den Bau des Staudamms würden 200 Dörfer und die 11.000 Jahre alte Kleinstadt Hasanekyf mit ihren historischen Monumenten überschwemmt, das ökologisch einzigartige Tigristal zerstört sowie die Wasserversorgung des Nachbarlandes Irak gefährdet. Die Regierung in Ankara hat eine Woche Zeit, in Berufung zu gehen.

»Die Hälfte der Betroffenen bekommt gar nichts«

Der Ilisu-Staudamm im kurdischen Osten der Türkei wird zügig weitergebaut. 80000 Menschen betroffen. Ein Gespräch mit Ercan Ayboga

Ercan Ayboga ist Wasserbauingenieur und Sprecher der Kampagne zur Rettung von Hasankeyf

jw: Die staatlichen Exportrisikoversicherer Deutschlands, Österreichs und der Schweiz haben 2009 ihre Bürgschaften für den Bau des Ilisu-Großstaudamms am Oberlauf des Tigris im kurdischen Ort zurückgezogen, weil die Türkei die Auflagen für Umwelt- und Kulturschutz sowie Umsiedlungen nicht erfüllt hatte. Doch 2010 verkündete Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Weiterbau. Wer finanziert und baut nun den Damm, und wie weit ist der Bau fortgeschritten?

E.A.: 2009 hat die österreichische Andritz die Anteile von Züblin/BRD und Alstom/CH gekauft und ist somit führend am Bau beteiligt, zusammen mit vier türkischen Firmen. Die Kredite kommen von drei türkischen Banken.
Im August 2012 wurden nach über zwei Jahren die Umleitungstunnel für den Fluß fertiggestellt. Nach offiziellen Angaben soll der Bau Ende 2014 fertig sein; wir gehen von 2015 aus. Die Füllung des riesigen Stauraums dauert zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Vier Dörfer sind bis jetzt komplett umgezogen, die große Umsiedlungswelle hatte vor drei Monaten begonnen.

jw: Bis zu 80000 Menschen droht durch den Staudammbau die Vertreibung aus ihren Dörfern oder der Verlust ihres Ackerlandes. Welche Perspektiven haben diese Menschen?

EA.: Sie bekommen in der Regel eine im internationalen Vergleich geringe Geldsumme. Auch weil sie auf ihr neues Leben nicht vorbereitet werden, landen sie mittelfristig in der Armut. Es gäbe auch die Möglichkeit, sie anderswo anzusiedeln – da allerdings unklar ist, wovon sie dort leben sollen, entscheiden sich die meisten für eine finanzielle Entschädigung. Knapp die Hälfte der Betroffenen bekommt allerdings gar nichts, da sie kein Land besitzen und für Großgrundbesitzer arbeiten. Sie werden die größten Verlierer sein.

jw: Gehen die Proteste in der Türkei weiter?

E.A.: Die Initiative zur Rettung von Hasankeyf organisiert sich in diesen Wochen nach einer anderthalbjährigen Schwächephase neu und will im Frühjahr mit großen Protesten loslegen. Die Stagnation der Kampagne ist neben Motivationslosigkeit auch der allgemeinen Repression des türkischen Staates gegen die kurdische Demokratiebewegung geschuldet. Vielen Inhaftierten wird der Einsatz gegen den Staudammbau als Anklagepunkt vorgehalten.

jw: Neben rund 200 Dörfern wird durch den Staudammbau auch die mindestens 11000 Jahre alte Stadt Hasankeyf überflutet. Wie realistisch ist die von der Regierung versprochene Versetzung einiger historischer Bauwerke in einen archäologischen Park?

E.A.: Dieser Park ist nur eine Farce, er soll die Gemüter beruhigen. Alle diese Bauwerke werden unwiederbringlich verlorengehen. Es gibt bisher keine Pläne, wie die Umsetzung geschehen soll. Im März 2012 haben wir zusammen mit irakischen und iranischen Nichtregierungsorganisationen eine Petition an die UNESCO gerichtet, damit sie sich dafür einsetzt, Hasankeyf und die Mesopotamischen Sümpfe im Südirak zum Weltkulturerbe zu erklären. Wir haben bisher mehr als 60000 Unterschriften dafür gesammelt, aber die UNESCO schweigt bislang.

jw: Welche Folgen wird die Aufstauung des Tigris für das Nachbarland Irak haben?

E.A.: Mehrere Millionen Menschen werden davon betroffen sein, da die Türkei knapp die Hälfte des Flußwassers für sich behalten will. Die Trinkwasserversorgung der meisten Städte und die auf Bewässerung basierende Landwirtschaft hängen vom Tigris ab, und die erwähnten Sümpfe drohen auszutrocknen. Seit dem Sommer gibt es auch im Irak eine Kampagne gegen Ilisu – wir haben sie mit angestoßen. Es wird auch eine Klage gegen Andritz geprüft. Gemeinsam mit irakischen und iranischen Gruppen haben wir zudem das Netzwerk Ekopotamya gegründet, um grenzübergreifend gegen zerstörerische Großstaudämme und für eine gerechte Verteilung der Ressourcen zu kämpfen.

junge Welt 8.1.2013

Anschlag auf den Frieden

Drei kurdische Politikerinnen in Paris ermordet. PKK macht »dunkle Kräfte« im türkischen Staatsapparat verantwortlich. Attentat sollte Friedensprozeß stören

Bei einem Mordanschlag in Paris sind in der Nacht zum Donnerstag drei kurdische Exilpolitikerinnen getötet worden. Die Mitbegründerin der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Sakine Cansiz, die Frankreich-Vertreterin des Kurdistan-Nationalkongresses, Fidan Dogan, sowie die junge Aktivistin Leyla Söylemez wurden in den Räumen des Kurdischen Informationszentrums in der Rue Lafayette durch Kopfschüsse regelrecht hingerichtet.

Die Einrichtung liegt an einem belebten Platz am Gare du Nord, und das Bürogebäude verfügt über einen besonders gesicherten Eingangsbereich. »Die Umstände des Verbrechens deuten auf eine Exekution hin, aber die genauen Umstände dieses Vorfalls müssen noch ermittelt werden«, erklärte ein Polizeivertreter. Während der zum Tatort geeilte französische Innenminister Manuel Valls von »unerträglichen Morden« sprach, übernahm die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Bereits in den Morgenstunden versammelten sich Tausende Kurden vor dem Bürogebäude und skandierten »Türkei Mörderin, Hollande Komplize«. Unter dem französischen Staatschef François Hollande waren kurdische Institutionen in letzter Zeit mehrfach von der Polizei durchsucht und Exilpolitiker wegen angeblicher Terrorfinanzierung in Haft genommen worden. »Wir erwarten von den französischen Behörden eine Stellungnahme, wie es zu solch einem Mord kommen konnte, obwohl hier alle kurdischen Aktivisten ununterbrochen von der Polizei observiert werden«, heißt es in einer Stellungnahme der Föderation Kurdischer Vereine (FEYKA).

Für die PKK machte deren Vertreter Zübeyir Aydar »dunkle Kräfte« im türkischen Staatsapparat für die Morde verantwortlich. Die Tat richte sich gegen die laufenden Friedensverhandlungen zwischen der türkischen Regierung und dem inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan. Noch bevor eine Stellungnahme der französischen Behörden vorlag, behaupteten der stellvertretende Vorsitzende der türkischen Regierungspartei AKP, Hüseyin Celik, und die ihr nahestehende Tageszeitung Yeni Safak, es habe sich um eine PKK-interne Abrechnung gehandelt. In der liberalen türkischen Tageszeitung Radikal wurde daraufhin die Frage aufgeworfen, wie die AKP so kurz nach dem Dreifachmord zu einer solchen Bewertung kommen kann. Nicht nur unterschiedliche Strömungen innerhalb der PKK, sondern auch verschiedene Geheimdienste könnten sich eingemischt haben, meinte der Kommentator der Zeitung, Avni Özgürel. Cansiz habe Öcalan nahegestanden, dieser sei deshalb die eigentliche Zielperson des Anschlags gewesen.

Türkische Zeitungen hatten in den letzten Tagen Details einer angeblichen »Road Map« für ein Ende des bewaffneten Konflikts verbreitet, auf die sich Öcalan und der türkische Geheimdienstchef Hakan Fidan geeinigt haben sollen. Im Gegenzug für eine Stärkung kommunaler Selbstverwaltungsrechte und einer Änderung der bislang einseitig das Türkentum betonenden Staatsbürgerschaftsdefinition in der Verfassung sollen sich demnach die PKK-Kämpfer bis Mai aus der Türkei zurückziehen und die Waffen abgeben, schrieb Yeni Safak. »Keiner darf jetzt denken, daß Vereinbarungen getroffen worden sind, oder daß der Prozeß vollständig abgeschlossen ist«, warnte dagegen der kurdische Parlamentsabgeordnete Ahmet Türk.

junge Welt 11.1.2013

Freitag 11.Januar: Proteste gegen die Ermordung von Sakine, Leyla und Fidan

Drei kurdische Politikerinnen in Paris hingerichtet – Kein Vergeben – kein Vergessen!

Freitag 11.01.13, Kranzniederlegung vor dem französischen Konsulat (11:00 ab Pariser Platz/U-Bhf. Brandenburger Tor)

Freitag 11.01.13, Demonstration für Sakine, Leyla und Fidan (15:00 ab U-Bhf-Hermannplatz)

Sonntag 13.01.13, Gemeinsame Gedenkdemonstration für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und alle im Kampf um Befreiung gefallenen FreundInnen. Kurdischer Block im Gedenken an Sakine, Leyla und Fidan. (10:00 ab Frankfurter Tor)

Am 09.01.13 wurden die kurdischen Politikerinnen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Söylemez in den Räumen des Kurdischen Informationsbüros in der Nähe des Pariser Nordbahnhofes heimtückisch ermordet.

Diese Morde waren kein Zufall sondern geplante Exekutionen. Sakine Cansız und Fidan Doğan wurden mit Kopfschüssen, Leyla Söylemez mit Schüssen in den Kopf und den Bauch gezielt ermordet. Der oder die Täter benutzten Waffen mit Schalldämpfern.
Sakine Cansiz, ein Gründungsmitglied der kurdischen Freiheitsbewegung PKK, Fidan Doğan, die Vertreterin des Kurdischen Nationalkongresses in Frankreich und die Jugendaktivistin Leyla Söylemez wurden gezielt, als führende Persönlichkeiten in der kurdischen Bewegung ausgewählt.
Dieses Massaker fand vor dem Hintergrund eines möglichen Friedensdialogs zwischen der türkischen Regierung und dem Vorsitzenden der PKK Abdullah Öcalan statt und scheint darauf zu zielen diesen Verhandlungsprozess zu sabotieren.
Diese Ereignisse sind keine Einzelfälle; regelmäßig beim Beginn von Friedensgesprächen verüben Kräfte des türkischen Geheimdienstes, des Militärs oder dem Staat nahestehende Faschisten Massaker an ZivilistInnen und prokurdischen AktivistInnen. Gerade die Auswahl von Sakine Cansiz, einer Frau die, die gesamte Entwicklung der PKK mit erlebt hat, die Folter im Gefängnis von Diyarbakır ungebrochen überlebt hat und als langjährige Vertraute Abdullah Öcalans gilt, ist symbolisch. Dieses Verbrechen zielt auf die gesamte kurdische Bevölkerung ab, bezweckt diese einzuschüchtern und zu demoralisieren.
Trotz der laufenden Verhandlungen mit Öcalan hatte der türkische Ministerpräsident Erdogan erklärt, die Militäroperationen würden fortgesetzt werden und gegenüber der PKK gedroht: „Wir werden euch überall finden, wo ihr auch seid.“ Vor einer Woche wurden dann in Lice zehn Guerillakämpfer getötet und jetzt drei Frauen in Paris.
Noch bevor eine Stellungnahme der französischen Behörden vorlag, reagierten sowohl der stellvertretende AKP Vorsitzende Hüseyin Çelik, als auch die parteinahe Tageszeitung Yeni Şafak, mit der Unterstellung, die Morde seien eine „innere Abrechnung in der PKK“ gewesen.
Es ist offensichtlich, dass der türkische Staat dieses Massaker instrumentalisieren möchte, um die kurdische Freiheitsbewegung zu spalten und ein Klima des Misstrauens zu schaffen.
Diese Morde wurden vor dem Hintergrund einer türkischen Staatspolitik, die aufgebaut ist auf zehntausenden von „Verschwundenen“, mehr als 9000 politischen Gefangenen, parastaatlichen Todesschwadronen, Folter und Chemiewaffeneinsätzen gegen die kurdische Bevölkerung und ihre Guerilla, begangen. Während die europäische Öffentlichkeit zu diesen Kriegsverbrechen schweigt, unterstützen die europäischen Regierungen den türkischen Staat mit Geheimdiensthilfe, Waffenexport und nicht zuletzt mit der Stationierung von Patriot Raketen durch die Deutsche Bundeswehr.
Vor diesem Hintergrund werfen sich Fragen zur Rolle Frankreichs bei dem Mord an den drei Politikerinnen auf. Wie kann es sein, dass Personen, die 24 Stunden am Tag observiert werden, in einem Büro das ebenfalls observiert wird exekutiert werden und die Täter unbekannt bleiben? Frankreich, als einstige Vorreiterin der demokratischen Werte, hat sich bisher schon durch massive Repressionen und Festnahmeaktionen gegen kurdische AktivistInnen hervorgetan – die Frage ist nun, stellt sich Frankreich angesichts dieses Massakers an führenden Vertreterinnen der kurdischen Bevölkerung weiterhin als Komplizin an die Seite der Mörder oder wird es eine ernsthafte Aufklärung des Verbrechens betreiben.
Wir werden aber nicht darauf warten, dass Komplizenstaaten des türkischen Regimes von ihrer Rolle Abstand nehmen. Als Linke, als Feministinnen, RevolutionärInnen und DemokratInnen können uns nichts von diesen Staaten erwarten – wir müssen auf unsere eigene Stärke bauen und werden gemeinsam den Kampf von Sakine, Fidan und Leyla um eine Welt, frei von Ausbeutung und Unterdrückung fortsetzen!

Sakine – Fidan – Leyla leben in unseren Herzen weiter! Hoch die internationale Solidarität – Şehit namirin!

Lasst uns gemeinsam unsere Wut und Trauer auf die Straße tragen:

heraus zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Demonstration am 13. Januar um 10 Uhr vom Frankfurter Tor zum Sozialistenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde

Das Kurdistan-Solidaritätskomitee ruft zur Teilnahme am internationalen Solidaritätsblock auf der LL-Demonstration auf.

Mord an kurdischen Exilpolitikerinnen in Paris

Gestern Abend wurden die kurdischen Politikerinnen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Söylemez in den Räumen des Kurdischen Informationsbüros in der Nähe des Pariser Nordbahnhofes heimtückisch ermordet.

Es war ein geplanter Mord. Sakine Cansız und Fidan Doğan wurden mit Kopfschüssen, Leyla Söylemez mit Schüssen in den Kopf und den Bauch gezielt ermordet. Der oder die Täter benutzten Waffen mit Schalldämpfern.

Wir verurteilen den Mord an dem PKK Gründungsmitglied, Sakine Cansız, der Vertreterin des Kurdischen Nationalkongresses KNK in Paris, Fidan Doğan und der jungen Kurdin Leyla Söylemez auf das Schärfste.

Die Föderation kurdischer Vereine in Frankreich FEYKAR hat für den heutigen Tag zu Protesten gegen den Mord in Paris aufgerufen. Wir rufen alle Menschen, insbesondere Frauen und Frauenorganisationen auf, sich an den Protesten zu beteiligen.

Sakine, Fidan und Leyla leben in unserem Kampf für Freiheit und Frauenbefreiung weiter!

CENÎ – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V.

Besuch bei Öcalan

Die zwei Abgeordneten der prokurdischen Partei für Frieden und Demokratie (BDP) Ahmet Türk und Ayla Akat Ata haben am Donnerstag den inhaftierten Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, auf der Gefängnisinsel Imrali besucht. Abgesehen von einem Besuch seines Bruders Mehmet im November letzten Jahres war dies der erste Kontakt Öcalans zur Außenwelt seit Verhängung einer faktischen Kontaktsperre im Juli 2011. Es sei das Ziel, ein Umfeld zu schaffen, in dem keine Notwendigkeit mehr für den bewaffneten Kampf besteht, erklärte Öcalan laut einem Bericht der Tageszeitung Hürriyet Daily News. Öcalan bezeichnete sich demnach als die »einzige Autorität für eine Entwaffnung der PKK« und kündigte »wichtige Schritte in den nächsten Monaten« an, wenn der Prozeß nicht sabotiert werde. Geheimdienstvertreter verhandeln im Auftrag der türkischen Regierung seit Ende letzten Jahres mit Öcalan über ein Ende des fast 30jährigen bewaffneten Freiheitskampfes.

Am Donnerstag waren 40 Angeklagte, darunter mehrere BDP-Politiker, im ersten großen Prozeß gegen angebliche Mitglieder des PKK-nahen Dachverbandes Gemeinschaft der Kommunen Kurdistans (KCK) vom Schwurgericht in Diyarbakir zu Haftstrafen bis zu 16 Jahren verurteilt worden. Unter diesem Vorwurf wurden seit dem Jahr 2009 rund 9000 zivile kurdische Politiker und Aktivisten einschließlich sechs Parlamentsabgeordneter und mehr als 30 Bürgermeister inhaftiert. Am Freitag wurde auch die BDP-Bürgermeisterin der Stadt Dogubayazit, Canan Korkmaz, vorübergehend festgenommen.

junge Welt 5.1.2013

15. Januar. Syrien im Fadenkreuz

Der syrische Bürgerkrieg, die Türkei und die Rolle der Kurden

Vortrag und Diskussion mit Dr. Nick Brauns

Seit bald zwei Jahren tobt ein blutiger Bürgerkrieg mit Zehntausenden Toten in Syrien. Die reaktionären Golfmonarchien und die Türkei unterstützen die bewaffnete syrische Opposition mit Waffen, Geld und Logistik. Mit dem Aufbau von rätedemokratischen Selbstverwaltungsstrukturen versuchen unterdessen die syrischen Kurden einen dritten Weg zwischen Baath-Diktatur und der vom Ausland unterstützten Freien Syrischen Armee zu gehen. Die türkische Regierung, die in diesem Jahr mit den schwersten Kämpfen mit der Guerilla der Arbeiterpartei Kurdistans PKK seit den 90er Jahren konfrontiert war, versucht mit Hilfe djihadistischer Gruppen und der syrischen Moslembrüder die Entstehung einer kurdischen Autonomie in Syrien zu verhindern. Offen droht Ministerpräsident Erdogan mit einem direkten militärischen Eingreifen der Türkei in Syrien. Mit der Entsendung von mehreren Hundert Bundeswehrsoldaten in die Türkei ist Deutschland Teil des Kriegsszenarios geworden.

Veranstalter: Partei DIE LINKE BO 378

Zeit: 19.30 Uhr

Ort: Karl-Liebknecht-Haus, Zi.205, Kleine Alexanderstrasse 28 10178 Berlin