Spur zu den »Grauen Wölfen«

Paris: Mutmaßlicher Mörder von drei Kurdinnen hatte Verbindungen zu Faschisten

Nach Recherchen von Journalisten der kurdischen Nachrichtenagentur Firat verdichten sich Hinweise, wonach es sich bei dem mutmaßlichen Mörder von drei kurdischen Exilpolitikerinnen in Paris um einen in die kurdische Gemeinde eingeschleusten türkischen Nationalisten handelt. Der vergangene Woche von der Pariser Staatsanwaltschaft als Tatverdächtiger präsentierte 30jährige Ömer G. soll am 9. Januar die Mitbegründerin der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Sakine Cansiz, die Vertreterin des Kurdischen Nationalkongresses, Fidan Dogan, und die junge Aktivistin Leyla Saylemez mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet haben.

G. sei kein Mitglied der PKK gewesen, wies deren Sprecher Murat Karayilan gegenüber Firat entsprechende Behauptungen der französischen Staatsanwaltschaft zurück. Der Tatverdächtige sei aber 2011 einfaches Mitglied in einem kurdischen Kulturverein in Paris geworden. Dabei habe er eine kurdische Herkunft vorgetäuscht. »Tatsächlich ist er ein Türke, der aus Sivas stammt und dessen Familie Verbindungen zu nationalistischen Extremisten hat«, heißt es in einer Stellungnahme des Kurdistan-Informationszentrums. Die Einwohner des Dorfes, aus dem G. kommt, sollen als Stammwähler der faschistischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) gelten. Auf seiner Facebook-Seite hatte G. »Freunde«, die aus ihrer Nähe zu diesen »Grauen Wölfen« keinen Hehl machten. Gegenüber früheren Arbeitskollegen hatte sich G. zudem als Fan des Geheimagenten Polat Alemdar bezeichnet. Die Hauptfigur in der türkischen Fernsehserie »Tal der Wölfe« jagt unter anderem kurdische Aktivisten.

In den letzten Jahren hatte G. türkischen Medienberichten zufolge zehn Mal die Türkei besucht. So habe er sich ausgerechnet zum Zeitpunkt der in Oslo geführten Friedensverhandlungen zwischen dem türkischen Geheimdienst und der PKK im August 2011 in Ankara aufgehalten, ohne darüber seine Familie zu informieren. Die jetzigen Morde an den Exilpolitikerinnen geschahen zu einem Zeitpunkt, an dem erneut Verhandlungen zwischen PKK-Führer Abdullah Öcalan und dem Geheimdienst aufgenommen werden sollten.

Unterdessen drohte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan mit Morden auch in Deutschland. Am Freitag erklärte der Regierungschef in einem Interview mit dem Fernsehsender 24TV, er habe von Bundeskanzlerin Angela Merkel erfolglos die Auslieferung von »Straftätern« gefordert. »Wir hatten von ihnen auch die Auslieferung von der in Paris ermordeten Sakine Cansiz verlangt. Sie sind dem nicht nachgekommen. Nun ist diese Sache passiert. Von nun an kann auch Deutschland mit solchen Schwierigkeiten konfrontiert werden.«

junge Welt 28.1.2013


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