Kurden beenden Hungerstreik

PKK-Vorsitzender Öcalan rief zum Abbruch des Todesfastens auf

Die kurdischen politischen Gefangenen in der Türkei haben nach 67 Tagen ihren Hungerstreik beendet. Das teilte die Vereinigung der Angehörigen der Gefangenen TUHAD-FED am Sonntag mit. Die Betroffenen seien einem Aufruf des inhaftierten Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, gefolgt. Dieser hatte bei einem Treffen mit seinem Bruder Mehmet Öcalan am Samstag auf der Gefängnisinsel Imrali dazu aufgerufen, den Hungerstreik unverzüglich zu beenden, da dieser sein Ziel erreicht habe. Es sei nicht die Aufgabe der unter schwersten Bedingungen lebenden Gefangenen, solche Proteste durchzuführen, sondern der Menschen in Freiheit, hatte der PKK-Führer erklärt.

Es war die erste Botschaft Öcalans seit Verhängung einer völligen Kontaktsperre im Juli letzten Jahres. Seitdem durfte Öcalan keinen Anwaltsbesuch mehr empfangen, auch der Postkontakt war eingestellt. Die Aufhebung der Isolationshaft Öcalans ist neben der Forderung nach Zulassung der kurdischen Sprache vor Gericht und in Schulen das zentrale Anliegen der Hungerstreikenden. Doch ob Öcalan nach dem Treffen mit seinem Bruder nun wieder Besuch von seinen Anwälten erhalten kann, ist weiter ungewiß.

Die PKK-Führung erklärte am Sonntag, Öcalan habe gegenüber seinem Volk seine Verantwortung wahrgenommen. Jetzt stehe die Regierung in der Verantwortung zu handeln. Die Partei für Frieden und Demokratie (BDP) hatte am Samstag erneut einen türkeiweiten Solidaritätstag mit den Hungerstreikenden durchgeführt. In Yüksekova in der Provinz Hakkari kam es dabei zu Straßenschlachten mit der Polizei. In der kurdischen Millionenstadt Diyarbakir, wo es bereits in den Nächten zuvor zu Zusammenstößen von Demonstranten mit der Polizei gekommen war, hatte der Gouverneur alle Versammlungen verboten.

Bereits am Freitag waren in Diyarbakir fünf Gefangene, die seit dem 12. September jede Nahrungsaufnahme verweigert hatten, gegen ihren Willen in Krankenhäuser gebracht worden. Ihnen drohen auch nach Abbruch des Hungerstreiks bleibende gesundheitliche Schäden. Zuletzt hatten sich mehrere tausend Gefangene aus der kurdischen Befreiungsbewegung sowie acht BDP-Abgeordnete dem Fasten angeschlossen.

junge Welt 19.11.2012


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