Aufbau einer demokratischen Autonomie

Die USA sind nicht bereit, die Selbstverwaltung der kurdischen Siedlungsgebiete in Syrien zu akzeptieren. Das erklärte der stellvertretende US-Minister für Europäische und Eurasische Angelegenheiten, Philip Gordon, am Montag in Istanbul. „Wir wollen ein Syrien, das vereint bleibt und müssen gegenüber den Kurden in Syrien und unseren Partnern in der Türkei deutlich machen, daß wir keinerlei Bewegung in Richtung einer Autonomie oder Separatismus unterstützen“, erklärte Gordon im Pressegespräch. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor den syrischen Präsidenten Bashir al Assad beschuldigt, die Macht in den kurdischen Landesteilen an die mit der Arbeiterpartei Kurdistans PKK-verbündete Partei der Demokratischen Einheit PYD übergeben zu haben. Auch die vom Westen unterstütze Freie Syrische Armee positionierte sich strikt gegen kurdischen Autonomiebestrebungen: „Wir werden nicht zulassen, daß auch nur ein Meter syrischen Landes abgetrennt wird“, versicherte deren Führer, Oberst Riad al-Asaad, am Montag gegenüber der türkischen Zeitung Bugün. Es gelte das Prinzip: „Ein Land – eine Fahne“.
In den letzten 1 ½ Wochen war die Macht in einer Reihe von kurdischer Städten im syrisch-türkischen Grenzgebiet an kurdische Volksräte übergegangen. In diesen Städten laufen die Arbeiten für den Aufbau der Demokratischen Autonomie auf Hochtouren. Nachdem die kurdische Sprache im öffentlichen Gebrauch jahrzehntelang verboten war, wurden bereits mehrere kurdischsprachige Schulen eingeweiht. Neben Volksräten haben sich eine Reihe eigener Frauenräte gebildet. Auch in Qamischli, der bevölkerungsreichsten kurdischen Stadt Syriens, liegt die Kontrolle inzwischen weitgehend bei den kurdischen Räten und ihren Selbstverteidigungskomites. Das Militär könnte die Kasernen nicht mehr verlassen, meldet die in der Türkei erscheinende kurdische Tageszeitung Özgür Gündem. Ein völliger Rückzug der Sicherheitskräfte des Baath-Regimes wie etwa in den Städten Afrin, Kobani und Amuda ist in Qamischli allerdings nicht erfolgt. In der Region von Qamischli befinden sich Syriens einzigen Ölquellen, die das Baath-Regime nicht leichtfertig aus der Hand geben wird. Zudem wurden in Qamischli in den Jahrzehnten auch eine größere Anzahl von arabischen Siedlern als Wehrbauern gegen kurdische Autonomiebestrebungen angesiedelt wurden, die nun Racheakte von kurdischer Seite befürchten. Vertreter des Hohen kurdischen Rates versicherten unterdessen, daß sich die Autonomiebestrebungen nicht gegen andere Völker richteten. „Wir wollen die Geschwisterlichkeit mit Arabern, Muslimen, Assyrern. Wir wollen keinen Krieg. Westkurdistan soll die Heimat für alle sein“, erklärte Hussein Mohammad Ramazan, ein führender kurdischer Aktivist in der Stadt Derek, gegenüber der im Nordirak erscheinenden Zeitung Rudaw. In den kurdischen Siedlungsgebieten leben neben muslimischen und ezidischen Kurden auch Araber sowie christliche Assyrer, Armenier und Chaldäer.


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