PKK-Fahnen auf Rathäusern

PKK-Fahnen auf Rathäusern
Syrien: Kurdische Volksverteidigungskomitees übernehmen Macht im Nordosten

Für die Regierung in Ankara wird ein Alptraum Realität. Kurz hinter der türkischen Grenze wehen auf Regierungsgebäuden nicht nur die rot-gelb-grünen Nationalfahnen der Kurden, sondern auch Flaggen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Im Nordosten Syriens übernahmen kurdische »Volksverteidigungskomitees« nach Kobani (Ain Al-Arab) und Afrin am Samstag auch die Macht im nur zehn Kilometer von der Grenze entfernten Derik. Die Sicherheitskräfte der in Damaskus regierenden Baath-Partei zogen sich widerstandslos zurück, als die kurdischen Milizen in die Regierungsgebäude eindrangen. Dominante Kraft in den »Volksräten«, die nun die Verwaltung des öffentlichen Lebens übernommen haben, ist die syrische PKK-Schwesterorganisation Partei der Demokratischen Union (PYD). Doch auch andere Organisationen sollen an der Verwaltung beteiligt werden, hieß es.

Nach monatelangen, zum Teil gewaltsam ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen den kurdischen Gruppen hatte der PYD-nahe »Volksrat von Westkurdistan« im Juni mit dem im nordirakischen Erbil sitzenden »Kurdischen Nationalrat« eine Zusammenarbeit vereinbart. Die dort zusammengeschlossenen Parteien stehen meist dem Präsidenten der kurdischen Autonomieregion im Irak, Masud Barsani, nahe. Dieser war zuvor allerdings mit dem Versuch gescheitert, den Nationalrat zu einer Kooperation mit dem in Istanbul gebildeten »Syrischen Nationalrat« (SNR) zu bewegen. Dieser von islamistischen Kräften beherrschte und vom Westen unterstützte Zusammenschluß weigert sich jedoch beharrlich, kurdische Autonomieforderungen zu unterstützen.

Einigkeit besteht zwischen der PYD und dem Kurdischen Nationalrat darin, die als bewaffneter Arm des SNR geltende Freie Syrische Armee (FSA) aus den kurdischen Gebieten fernzuhalten, um ein Übergreifen des Bürgerkrieges zu verhindern. So hinderten PYD-Milizen, die eine Vielzahl von Kontrollpunkten errichtet haben, FSA-Kämpfer am Eindringen in die Stadt Kobani. »Hinter der FSA stehen unterschiedliche Kräfte, darunter die Türkei, Saudi-Arabien und Jordanien«, begründete der Vorsitzende des Kurdischen Nationalrat, Ismail Hama, gegenüber der Zeitung Rudaw diese Haltung. »Wir lehnen ein Eindringen dieser Kräfte nach Kurdistan ab. In dieser Hinsicht unterstützen wir die PYD und glauben, daß eine eigene kurdische Kraft gebildet werden muß.«

Die größte kurdische Stadt in Sy­rien, Qamishlo (Qamischli), wird noch von den Sicherheitskräften der Regierung kontrolliert. Wie die kurdische Nachrichtenagentur Firatnews meldete, sollen diese am Freitag das Feuer auf Mitglieder eines Volksverteidigungskomitees eröffnet haben.

junge Welt 23.7.2012


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