Kurdisches Erwachen in Syrien

Kurdisches Erwachen in Syrien
Türkei beklagt Erstarken der PKK durch Machtvakuum in Nordsyrien

Während die kurdischen Siedlungsgebiete in Syrien bislang von bewaffneten Auseinandersetzungen verschont blieben, bereitet sich größte ethnische Minderheit des Landes auf einen möglichen Sturz der Baath-Herrschaft vor. Insbesondere die Partei der Demokratischen Union“ (PYD), eine Schwesterpartei der Arbeiterpartei Kurdistans PKK, hat in den letzten Monaten zahlreiche Volksräte, Selbstverteidigungsgruppen, Schulen und Kulturverbände aufgebaut. Städte und Dörfer haben ihre im Rahmen der Arabisierungspolitik seit den 60er Jahren verbotenen kurdischen Namen zurückerhalten und vielerorts weht die kurdische Fahne. Bis zum Neujahrsfest Newroz am 21. März hofft die PYD, das Fundament für eine „demokratische Autonomie“ innerhalb Syriens vollendet zu haben.

Die türkische Regierung betrachtet mit Sorge, wie die PKK vor dem Hintergrund des durch die Kämpfe in anderen Landesteilen entstandenen Machtvakuums in Nordsyrien rapide erstarkt. So meldet die regierungsnahe türkische Tageszeitung Zaman den Aufbau eines PKK-Camps im Grenzgebiet nahe der Stadt Urfa. Übereinstimmend berichten türkische und kurdische Quellen, dass PYD-Anhänger vor allem in der Region Afrin Straßensperren und Kontrollpunkte errichtet haben und den Verkehr in den ländlichen Gebieten überwachen. Dabei sollen den Parteimilizen nach Informationen der Zaman in dieser Woche 15 Soldaten der von der Türkei aus zunehmend auch in den kurdischen Gebieten gegen das Baath-Regime operierenden Freien Syrischen Armee (FSA) ins Netz gegangen und dem syrischen Militär übergeben worden sein. Aufgrund solcher, von der FSA nicht bestätigter Meldungen, werfen andere kurdische Parteien der PYD vor, als Hilfstruppe des Baath-Regimes zu agieren.

Die PYD gehört dem aus sozialistischen, säkularen und arabisch-nationalistischen Parteien in Damaskus gebildeten Oppositionsbündnis „Nationales Koordinationskomitee für demokratischen Wandel“ an, das strikt jede äußere Einmischung ablehnt. Eine Intervention durch die NATO und deren regionaler Vormacht Türkei würde zum Bürgerkrieg und Zerbrechen des Landes führen, befürchtet der PYD-Vorsitzende Salih Muslim Muhammed. Gegenüber chinesischen, russischen und iranischen Diplomaten versicherte die PYD in den vergangenen Wochen ihre Ablehnung einer Militärintervention und Bewaffnung der Opposition. Gleichwohl bekundete die Partei ihren Wunsch nach einem Ende des Assad-Regimes und einem neuen politischen System in Syrien. Das Verfassungsreferendum vor zwei Wochen haben alle kurdischen Parteien boykottiert, da auch der neue Verfassungsentwurf Syrien als ausschließlich arabisches Land definiert.

Neben der PYD besteht als zweite einflußreiche Formation die aus vierzehn zumeist liberalen oder nationalistischen Parteien sowie mehreren Jugendorganisationen gebildete „Kurdische Patriotische Konferenz in Syrien“ (ENKS). Diese unter dem Einfluss des Präsidenten der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, Massoud Barzani, stehende Koalition hat sich dem vom Westen unterstützten Syrischen Nationalrat in Istanbul angenähert. Auf einigen ihrer Demonstrationen wurde in den letzten Tagen der Ruf nach „Bewaffnung der freien Syrischen Armee“ laut. Zwar hat der Vorsitzende des Syrischen Nationalrates, Burhan Ghalioun, am 24. Februar den Kurden erstmals „kulturelle und politische Rechte“ in einem neuen Syrien zugesichert. Doch PYD-Chef Muhammed sieht darin nur „leere Versprechungen“ zur Täuschung der Kurden. In Wirklichkeit habe die türkische Regierung sich mit den im Syrischen Nationalrat dominanten Moslembrüdern darauf geeinigt, den Kurden keine Rechte zu gewähren.


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