Diskussionspapier der „Frauenbefreiungsbewegung Kurdistans“ zu einem Weltfreuenkongreß

Alle Kämpfe beginnen mit Utopien

Das vorliegende Diskussionspapier ist ein Aufruf an alle kämpfenden Frauen, Frauenbewegungen und Frauenorganisationen weltweit zur gemeinsamen Organisierung eines Weltfrauenkongresses. Dieser Aufruf sowie der Entwurf für einen neuen Gesellschaftsvertrag, sind Ergebnisse von Diskussionen innerhalb der Frauenbefreiungsbewegung Kurdistans, die noch vor und parallel zur Vorbereitung der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen in Venezuela entstanden. Aus der Überzeugung, dass die internationale Vernetzung und Stärkung von Frauenkämpfen eine dringende Notwendigkeit sind, entschloss sich die kurdische Frauenbefreiungsbewegung dazu, ihre Positionen und Erfahrungen in den Vorbereitungsprozess für die Frauenkonferenz in Venezuela einzubringen. Denn diese Konferenz ist ein wichtiger Ansatz, die unterschiedlichen Realitäten und Bedürfnisse von Frauen aus verschiedenen Ländern besser kennenzulernen und gemeinsame Perspektiven für den Kampf um Frieden und Freiheit zu entwickeln. Jedoch meint die kurdische Frauenbewegung, dass ein einmaliges Treffen nicht genug ist und auf diesen Schritt noch weitere folgen müssen.

Die kurdische Frauenbewegung hat in den vergangen fünfzehn Jahren immer wieder neue Anstöße dazu gegeben, den Frauenbefreiungskampf als einen universellen und internationalistischen Kampf zu organisieren. Zugleich habt sie in allen vier Teilen Kurdistans sowie im Exil damit begonnen, eine demokratisch-ökologische und geschlechterbefreite Gesellschaftsperspektive in die Praxis umzusetzen. Dieser gesellschaftliche Neuaufbau, der sich auf das Modell des Demokratischen Konföderalismus bezieht, findet in Kurdistan trotz des andauernden Krieges, trotz der Repressionen anti-demokratischer und nationalistischer Regime, trotz den sexistischen Angriffen durch die patriarchale Vergewaltigungskultur statt. Der vorliegende Aufruf spiegelt vorrangig den Erfahrungsschatz und die Auseinandersetzungen der kurdischen Frauenbewegung im Mittleren Osten und in Europa wider. Jedoch soll dieser Aufruf Frauen weltweit neue Anstöße gibt, ihre eigenen Erfahrungen, Bedürfnisse und Sichtweisen in einen gemeinsamen Prozess einzubringen. Über Diskussionen auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene zur besseren Vernetzung und Weiterentwicklung des Frauenbefreiungskampfes soll der Aufruf zur gemeinsamen Organisierung eines Weltfrauenkongresses weiter gestaltet und vervollständigt werden. Somit ist dieses Diskussionspapier, nicht nur ein Aufruf zu einem einmaligen Treffen, sondern es soll vielmehr dazu beitragen, die Selbstorganisierung, die politischen und ideologischen Auseinandersetzungen unter Frauen in einem internationalistischen Rahmen zu intensivieren. Damit stellen Vorbereitungsprozess genauso wie der angestrebte Weltfrauenkongress und die daraus resultierende Zusammenarbeit und Solidarität als einen Prozess der Organisierung und Stärkung eines weltweiten Frauenbefreiungskampfes dar. An Schritte, die bereits auf diesem Weg gemacht wurden, soll angeknüpft werden. Die Frauenbefreiungsbewegung Kurdistans will auf diesem Weg mit vielen kämpfenden Frauen und Frauenbewegungen gemeinsam weiter voranschreiten.

Als Kurdisches Frauenbüro für Frieden CENI wollen wir uns gemeinsam mit anderen Frauen und Frauenorganisationen an diesem Vorhaben beteiligen. Für Diskussionen darüber und die genauere Planung wollen wir an verschiedenen Orten und in verschiedenen Regionen Vorbereitungskomitees aufbauen. Diese können dann ihre Vorschläge zu Themen wie z.B. die genauere inhaltliche Gestaltung, die Vernetzung mit verschiedenen Frauenorganisationen und Aktivistinnen, die Bestimmung des Zeitplans und des Durchführungsorts erarbeiten und abstimmen. Wir freuen uns darauf, voneinander und gemeinsam zu lernen. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Prozess unsere Kämpfe gegen Sexismus, Rassismus, Nationalismus und Kapitalismus stärken wird und uns neue Impulse und Kraft zum Aufbau von gesellschaftlichen Utopien und Alternativen, für ein Leben in Frieden, Gerechtigkeit, Würde und Freiheit geben wird.

In diesem Sinne rufen wir alle Frauen und Mädchen auf, mit uns Kontakt aufzunehmen und sich an der Organisierung des Weltfrauenkongresses zu beteiligen.
Mit solidarischen Grüßen

Kurdisches Frauenbüro für Frieden CENI, Düsseldorf, Januar 2011


Aufruf zur gemeinsamen Organisierung eines Weltfrauenkongress:
Lasst uns unsere Freiheitsutopien durch unseren gemeinsamen Kampf verwirklichen!

Ein Jahrhundert ist vergangen, seit auf der 2. Internationalen Frauenkonferenz im Jahr 1910 auf den Vorschlag Clara Zetkins hin beschlossen wurde, den 8. März als Internationalen Frauentag zu begehen. Anlässlich des diesjährigen 100-jährigen Jubiläums des Internationalen Frauentages grüßen wir respektvoll alle Frauen, die weiterhin für ein Leben in Freiheit und Würde kämpfen.

Das Datum des Internationalen Frauentages wurde in Erinnerung an 129 Textilarbeiterinnen gewählt, die am 8. März 1857 während ihres Streikes für den Acht-Stunden-Tag ermordet wurden. Jedoch ist allen kämpferischen Frauen bekannt, dass auch schon vor diesem Ereignis Frauen tausende Jahre lang beharrlich Widerstand geleistet haben. Obwohl das patriarchale System in Jahrtausende andauernden Kämpfen von Frauen gestaltete, egalitäre Gesellschaften seiner Gewaltherrschaft unterwarf, so hielten Frauen in den darauf folgenden 5000 Jahren trotzdem an ihrem Widerstand fest. Je nach Zeitalter und Region, in der sie lebten, mussten Frauen hierfür sehr teuer bezahlen. In Europa wurden Frauen Jahrhunderte lang als „Hexen“ verfolgt und verbrannt. Im Mittleren Osten und anderen Teilen der Welt wurden und werden Frauen gesteinigt und ermordet, weil sie sich dagegen wehren als „Ehre“ oder „Eigentum“ behandelt zu werden. Diejenigen, die ihre Stimme erhoben und ihre Gedanken ausdrücken wollten, wurden wie Olympe de Gouges auf die Guillotine gebracht. Andere Frauen, die zum Freiheitssymbol ihres Volkes wurden, wurden hingerichtet wie Leyla Qasim. Frauen wie jene Mütter, die an einer gerechten, kommunalen Gesellschaftsordnung festhielten, mussten unaussprechliche Entbehrungen auf sich nehmen. Anlässlich des 100. Jahrestages des Internationalen Frauentages gedenken wir respektvoll allen Frauen, die sich den Grenzen ihres Zeitalters, den sexistischen, rassistischen und sozialen Kategorisierungen nicht unterworfen haben und für die Freiheit der Frauen und Menschheit großen Widerstand geleistet haben. Unsere Verbundenheit mit diesen Frauen heißt für uns, uns auf ihren Widerstand zu beziehen, ihnen Bedeutung beizumessen und diese Kämpfe zu noch größeren Erfolgen zu führen.

Während der ganzen Menschheitsgeschichte gab es immer Frauen, die mit ihrer gesellschaftlichen Rolle nicht einverstanden waren und die ihre Kritik an den bestehenden Verhältnissen in ihrer Zeit zum Ausdruck brachten. Mit ihrem unermüdlichen und unermesslichen gesellschaftlichen Einsatz, mit ihren Mühen und ihrer Aufopferung erreichten sie, dass die Freiheitssuche von Frauen – trotz der Jahrtausende von Ausbeutung und Unterdrückung im patriarchalen System – immer noch anhält. Keiner der Kämpfe für ein freies Leben und eine freie Gesellschaft war ergebnislos. Bis zum heutigen Tag haben kämpfende Frauen für uns ein geschichtliches Erbe, einen sehr reichen Schatz an Erfahrungen und Wissen geschaffen. Wir meinen, dass wir als Frauenbewegungen, die weiterhin für die Frauenbefreiung kämpfen, nur dann erfolgreich sein können, wenn es uns gelingt, unsere Geschichte zu begreifen. Denn vor allem im letzten Jahrhundert sollten Frauen ihrer Geschichte und gedanklichen Ressourcen beraubt werden.
Wir wissen nicht zuletzt aufgrund unserer Lebenserfahrung, dass wir – genauso wie die gesamte Menschheit – nicht frei sind, weil wir ständig mit Kriegen und Unterdrückung konfrontiert sind. In dem einen Jahrhundert, das seit der Ernennung des 8. März zum Internationalen Frauentages vergangen ist, haben zwei große Weltkriege stattgefunden. Die Völker der Welt haben unter Faschismus, Völkermorden, Sexismus, Nationalismus, Rassismus, Religion als Herrschaftsmittel und dem Industrialismus leiden müssen.All diese Phänomene haben tiefe Auswirkungen auf das Leben von Frauen und ihren Kindern gehabt. Die Probleme der Menschheit, die durch die kapitalistische Modernität verursacht und im letzten Jahrhundert mittels des Liberalismus noch verschärft wurden, konnten nicht überwunden werden.

Es gibt unzählige Widersprüche und Probleme, die Bestandteile eines umfangreichen Kampfes von Frauenbefreiungsbewegungen sein müssen: Beispielsweise durch Bevölkerungspolitik verursachte Probleme; der Verbrauch natürlicher Ressourcen, Umweltzerstörung und Klimawandel; die Auflösung menschlicher ethischer Prinzipien, einhergehend mit der angeblichen „Bedeutungslosigkeit“ des Lebens; die Anhäufung von Nuklearwaffen, die die gesamte Welt vernichten könnten; neue Formen von Kriegen, die alle Gesellschaften bedrohen; die Perfektionierung von Herrschaft, die eine Einverleibung und Ausbeutung der Gesellschaft beinhaltet; die Überbetonung des abstrakten Denkens, die Gefühle ignoriert und zur seelischen Verarmung der Individuen führt; die gesellschaftliche Vereinzelung, in der “jedeR gegen jedeN” kämpft; die Vernichtung und Vernachlässigung der landwirtschaftlichen Produktion; die patriarchale Herrschaft, die Frauen ihres Willens, ihrer Stärke und Ressourcen beraubt; die Zerstörung der ethischen Werte der Gesellschaft; die Politikverdrossenheit, die aus der Aushändigung der Politik an die Mächtigen resultiert, die sie als Herrschaftsmittel benutzen; usw. Die Summe dieser Formen von Ausbeutung und Fremdbestimmung bezeichnen wir als Vergewaltigungskultur, die wir durch unseren organisierten Kampf überwinden wollen.

Die Frauengeschichte analysieren

Frauenbewegungen, die im letzten Jahrhundert den Schauplatz der Geschichte betraten, waren im Vergleich zu vorherigen Bewegungen besser organisiert, verfügten über eine genauere Analyse des sexistischen Herrschaftssystems und über ein stärkeres Selbstbewusstsein als Frauen. Vor diesem Hintergrund müssen wir die Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts richtig analysieren. Wir wissen, dass es schwer ist, einen Freiheitskampf sowohl als Frauen als auch für die Menschheit zu führen und dabei die aufgezwungenen vielfältigen und gewalttätigen Unterdrückungsformen zu überwinden. Zugleich versucht das System, jeden unserer Aufbrüche bedeutungslos zu machen. Denn es versucht, unsere Freiheitsbestrebungen ihrem eigentlichen Wesen zu berauben und sich selbst einzuverleiben. Aber trotzallem bleibt uns keine andere Möglichkeit, als zu der Zeit und an dem Ort, wo wir leben, die Konfrontation mit dem System einzugehen.

Bei dieser Konfrontation ist es genauso wichtig, das System ganzheitlich zu analysieren wie auch in den Spiegel zu gucken und den Einfluss dieses Systems auf Frauen genau zu untersuchen.

Indem Männer die patriarchale Gesellschaft glorifizierten, wurden Frauen aus der Gesellschaft hinausgedrängt. Und wenn die sexistische Unterdrückung bis heute immer noch nicht ausreichend analysiert wurde, dann ist der wichtigste Grund hierfür, dass das patriarchale System mit seinen vielfältigen und organisierten Formen von Gewalt, Frauen ihrer elementarsten Bedürfnisse beraubt. Kein gesellschaftliches Phänomen kann alleine, künstlich aus dem Zusammenhang gerissen, angemessen untersucht werden. Um eine freie und alternative Frauenperspektive entwickeln zu können, ist es wichtig, den gesellschaftlichen Über- und Unterbau in seiner historischen Gesamtheit zu untersuchen. Hierzu muss die wissenschaftlich-positivistische Herangehensweise, alles extrem voneinander abzuspalten, überwunden werden. Demgegenüber sollte die Situation von Frauen vielmehr als Quintessenz des Systems wahrgenommen und analysiert werden. Denn, wenn wir als Frauen unsere Geschichte aufarbeiten, müssen wir uns zugleich mit den gesellschaftlichen Eigenschaften dieses Systems und seinen Einflüssen auf uns auseinandersetzen. Oder um es mit einem bildlichen Vergleich auszudrücken: Der Ehemann von Gottes Gnaden, der die Frau in die Mangel nimmt, ist der Sohn des Königs von Gottes Gnaden, der die Gesellschaft in die Mangel nimmt.

Umfangreiche Systemkritik

Natürlich greift es zu kurz, wenn wir als Frauen uns darauf beschränken, Frauenbewegungen aus der jüngsten Geschichte kritisch zu betrachten. Die Hauptschuld an den großen Verlusten und Niederlagen, die Frauen zugefügt wurden, lasten wir natürlich der Geschichte der Zivilisation und der Modernität an. Denn die eigentliche Verantwortung für den gesellschaftlichen Status der Frau und dafür, dass dieser Status noch nicht einmal zum Gegenstand der Wissenschaft gemacht wurde, liegt in der patriarchalen Zivilisation, im hegemonialen Geist und Kapitalistische Modernität (türk.: kapitalist modernite); auf kapitalistischer Verwertungslogik basierendes ökonomisches, ideologisches und politisches System sowie der damit verbundene Lebensstil den materiellen Strukturen der Modernität.

Alle Frauenbewegungen, die den Anspruch haben eine radikale Alternative zum System zu sein, müssen diese frauenfeindliche Zivilisation und Modernität tiefgehend analysieren. Die Tiefe und Vielschichtigkeit, die die Frauenunterdrückung angenommen hat sowie ihre klärungsbedürftigen Seiten, stehen in engem Zusammenhang mit der hierarchischen und staatlichen Herrschaft, die der Gesellschaft aufgezwungenen wurde. Diese Unterdrückung, wird einerseits durch subtile und intensive Gewalt legitimiert, andererseits durch starke Emotionalität verschleiert. Wir müssen aus der Frauenperspektive eine sehr viel systematischere, radikale und umfangreiche Systemkritik machen, welche die Ausbeutung, die angewandten Unterdrückungs- und Verschleierungsformen in all ihren Details enthüllt. Wir können das System und die Gesellschaft nicht richtig bewerten, solange wir die Ursachen und Auswirkungen des Sexismus nicht begreifen. Hierzu muss die Scheinheiligkeit von Männern entlarvt werden, mittels derer sie ihre Doppelmoral predigen und Frauen per se zu Schuldigen erklären. Auf dieser Grundlage müssen Rolle und Verantwortung von Männern dafür thematisiert werden, dass Frauen als „Intrigantinnen“, „Schlampen“, „Huren“ usw. bezeichnet werden und derartige Frauenbilder in patriarchalen Gesellschaften verankert wurden.

Angebliche Argumente wie beispielsweise „Eifersuchtsdrama“ oder „Ehrenmord“, die angeführt werden, um die unzähligen Morde an Frauen zu verschleiern, die weltweit gesehen das Ausmaß eines Massakers haben, stellen einen großen ideologischen Angriff dar. Insbesondere müssen auch die subtilen Unterdrückungsmethoden, die das kapitalistische System eingesetzt entlarvt werden. Wir dürfen nicht in die Fallen des kapitalistischen Systems geraten, das uns eine Scheinfreiheit vorgaukelt, jedoch zugleich den allergrößten Teil seiner unerträglichen Last auf Frauen abwälzt. Um uns nicht von den Zaubermitteln und der Kosmetik des kapitalistischen Systems betrügen zu lassen, brauchen wir ein starkes intellektuelles Fundament. Deshalb dürfen wir bei unserer Systemkritik nicht vergessen, dass der Kapitalismus mit der Würde und Identität von Frauen auch sämtliche Werte kommunaler, kollektiver Gesellschaften4 in Grund und Boden stampfte. Mit der Analyse der Frauenrealitäten, die durch das gegenwärtige patriarchale System erzeugt und uns über Jahrtausende hinweg mit aufgezwungenen wurden, wird es uns auch gelingen, unsere Selbstentfremdung als Frauen zu überwinden.
Vor diesem Hintergrund sollten wir uns kontinuierlich mit unserer persönlichen und politischen Geschichte auseinandersetzen. Vielleicht könnten uns hierzu einige Fragen hilfreich sein, um die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte aufzuklären und dem Gedenken der unzähligen Frauenwiderstände gerecht zu werden: Was sind die Gründe dafür, dass wir trotz der vielen Kämpfe um Rechte und Freiheit immer noch mit grenzenloser Ausbeutung konfrontiert sind? Wie konnte die Frauenunterdrückung zur Grundlage für die Ausbeutung von Natur und Gesellschaft werden? Und warum begeben wir uns nicht gemeinsam, entschlossen und stark auf Wege um all diese Unterdrückung überwinden zu können?

Frauen haben nicht wenig gekämpft, nicht wenige Anstrengungen auf sich genommen. Frauen haben nicht wenig Leid erfahren, sind nicht selten ermordet oder verwundet worden. Auch wir haben als kurdische Frauenbewegung seit langer Zeit – vor allem in den letzten 25 Jahren – darüber nachgedacht und darüber geschrieben, wie wir die Frauenfrage lösen könnten. Wir haben uns in einem gewissen Umfang eine theoretische Analyse erarbeitet. In vielen Gesellschaften konnten Frauenbewegungen sogar einen wichtigen Hinterfragungsprozess bezüglich der Situation von Frauen auslösen. Aber den lebenswichtigsten Bereich unseres Problems – die Tatsache, dass wir als Frauen weltweit mit geistigen, seelischen und körperlichen Massakern konfrontiert sind – konnten wir weder zum Stillstand bringen, noch vermindern geschweige denn überwinden. Und warum?

Vor dem Hintergrund unseres Erfahrungsschatzes und unserer Auseinandersetzungen erklären wir uns, von unserem Standpunkt aus, die Gründe folgendermaßen:
Die Geschichte der Unterdrückung der Frau und ihres Befreiungskampfes wurde noch nicht geschrieben. Was, wo und wie Frauen in der Geschichte verloren haben, ist noch nicht gänzlich geklärt. Da wir Frauen unseren Weg zur Freiheit mit einem irrtümlichen, bzw. mangelhaften Geschichtsbewusstsein begannen, blieb er bislang unvollendet. Es ist offensichtlich, dass wir kein freies Leben erreichen können, solange wir die Geschichte unseres Freiheitskampfes nicht richtig schreiben können. Wir verspüren das Bedürfnis, das Geflecht von Beziehungen und Widersprüchen, das durch die Menschheitsgeschichte hinweg um Frauen herum errichtet wurde, zu überprüfen und neu zu gestalten. Hierzu gehören auch bis heute andauernde Formen dieses Geflechts und unsere eigenen Interpretationen. Auch feministische und andere im Namen der Freiheit agierende Bewegungen konnten methodische und geistige Irrtümer nicht ausschließen. Denn auch sie bewerteten häufig – wie bis heute alle Zivilisationssysteme – die Situation der Menschen losgelöst von ihrer Geschichte und Gesellschaft. Auch wenn Frauen große Anstrengungen auf sich nahmen und ein wichtiges Niveau bei der Definition und Analyse der Frauensituation erreichen konnten, so blieb doch ein Großteil der Realitäten und der Geschichte von Frauen weiterhin verborgen. Aus diesem Grund, konnten wir auf die Angriffe der patriarchalen Ideologien noch nicht ausreichend mit einer Freiheitsideologie der Frauen antworten. Somit gelang es uns als Frauenbewegungen auch nicht, die Übermacht der kapitalistischen Modernität zu überwinden, die alle Utopien, alternative Philosophien und Einstellungen in ihrem Liberalismus erstickt. In unserem Denken konnten wir uns nicht vollständig von den auf Nationalismus, Nationalstaatlichkeit, Sexismus, Rassismus, positivistischer Wissenschaftsgläubigkeit und Religiosität beruhenden Denkschablonen der kapitalistischen Modernität loslösen. Somit konnten wir auch keine wirklichen Alternativen dazu aufbauen.

Viele Bewegungen, die sich für die Frauenbefreiung auf den Weg machten, hinterfragten zwar die patriarchale Herrschaft, jedoch kritisierten sie die Auswirkungen der kapitalistischen Modernität auf Frauen nicht mit der gleichen Vehemenz. Diese Herangehensweise resultierte daraus, dass sie die Unterdrückung von Frauen und die hierauf aufbauende Versklavung der Gesellschaft nicht in ihrer ganzheitlichen Beziehung realisierten und dagegen vorgingen. Die Unterdrückung, deren Fundament in der Versklavung des Geistes, der Gefühle und der Körper von Frauen liegt, konnte nicht überwunden werden. Letztendlich konnten wir keine ideologischen, geistigen und systematischen Alternativen zu diesem System der Unterdrückung erzeugen. Es mangelt noch immer an einer umfassenden Frauenphilosophie, die dieses Ziel völlig erreichen kann.
Keine gesellschaftliche Bewegung, die nicht die Frauenbefreiung zu ihrer Grundlage macht, kann erfolgreich sein!

Nationale Befreiungsbewegungen, die für den Sozialismus kämpften, oder auch andere gesellschaftliche Bewegungen erlitten Niederlagen aufgrund ihrer falschen Haltung gegenüber der Frauenbefreiung. Diese Mängel umfassten sowohl ihren analytischen Standpunkt als auch ihre Methoden. Deshalb konnten diese im 20. Jahrhundert entstandenen Bewegungen keine freien Gesellschaften aufbauen. Wenn diese Tatsache seitens der Frauenbewegungen noch sorgfältiger untersucht worden wäre, hätten sich diese Niederlagen nicht wiederholen müssen. Es hat sich bestätigt, dass die Freiheit der Frau als Maßstab für die Freiheit einer Gesellschaft gelten muss.
Aus Sicht der Frauenbewegungen ist ein weiteres Ergebnis die Notwendigkeit, die Frauenbefreiung in den Kontext ihrer Beziehungen und Widersprüche zu allen gesellschaftlichen Fragen zu setzen. Geschieht dies nicht und sollte es kein gemeinsames Vorgehen mit anderen demokratischen und nach Lösungen suchenden Organisationen geben, so schwächt dies auch die Frauenbewegungen. Die Isolation von Frauenbewegungen benutzt das System dann als Nährboden dafür, die Unterdrückung der Frau in der Gesellschaft zu legitimieren und zu erneuten Rückschlägen auszuholen.

Frauenbefreiung kann nicht allein durch formelle rechtliche Gleichstellung erreicht werden

In ihrer Entstehungsphase kämpften die Frauenbewegungen zumeist zunächst für rechtliche Gleichheit. Dieser Kampf hatte unter den damaligen Bedingungen die Bedeutung, das Problem der Ungleichbehandlung zu thematisieren und zu hinterfragen. Diese formelle Gleichberechtigung konnte bis heute auch zu einem wichtigen Ausmaß errungen werden. Jedoch hat sich gezeigt, dass die Ungleichheit nicht ohne eine revolutionäre, grundlegende Veränderung überwunden werden kann. Wenn wir bedenken, dass die Frage der Frauenbefreiung tiefe geschichtliche und soziologische Wurzeln hat, wird verständlich, dass sich dies nicht allein durch formal-rechtliche Gleichstellung auf dem Papier erreichen lässt. Gesetzliche Reformen zugunsten der Frau sind weit davon entfernt, reale Gleichheit herzustellen.

Das Politikverständnis von Frauen muss sich vom patriarchalen Politikverständnis befreien

Einer der wichtigsten Mängel unseres Frauenbefreiungskampfes ist, dass wir die Fortschritte im Bereich unserer philosophischen und theoretischen Aufklärung sowie unsere umfangreichen Erfahrungen bislang nicht in die Sprache der Politik übersetzen und im politischen Bereich umsetzen konnten. Vielleicht überwiegt bei uns sogar die Überzeugung, Politik sei „überflüssig” oder eine „Männersache”, wenn wir die geläufigen Methoden patriarchaler Politikformen sehen. Demgegenüber integrierten wir uns dann entweder in die Politik und politische Kultur der herrschenden staatlichen Kräfte oder aber wurden zu Frauenbewegungen, die sich aufgrund der Abscheulichkeiten in diesem Bereich vollständig aus der Politik und von politischer Verantwortung zurückzogen. Dies ist einer der grundlegendsten Mängel, die wir überwinden müssen. Entscheidend für den Erfolg unseres Freiheitskampfes ist, ob es uns gelingt, eine Politik zu gestalten, die im Einklang mit unserer Freiheitsethik steht. Denn im letzten Jahrhundert gelang es uns als Frauenbewegungen weder eine Politik der Freiheit zu entwickeln, noch eine politische Kultur zu gestalten, die die progressiven Werte von Frauen repräsentiert.

Was tun?

Gegenüber diesen Problemen müssen wir natürlich eine starke Perspektive für unseren Kampf und Lösungsprojekte entwickeln, die auf unseren Erfahrungen und dem reichen Erbe der Befreiungskämpfe aufbauen. Denn wie sehr Frauen auch innerhalb der Gesellschaft ihren Einfluss verloren haben mögen, so haben sie sich doch nicht von den kommunalen Werten entfernt. Je offener Unterdrückung und Ausbeutung gegenüber Frauen ausgeübt werden, desto mehr verwandelt sich die Frauenfrage innerhalb des Systems in eine tiefe Krise. Je mehr Frauen sich ihrer selbst bewusst werden, desto mehr verwandeln sie die Wut über ihre Unterdrückung in Widerstand und eine Suche nach Lösungen. Mit der Lösung der Frauenfrage werden auch die Probleme der Gesellschaft lösbar werden. Die Lösung gesellschaftlicher Fragen wiederum kann zur Auflösung des gegenwärtigen Systems beitragen. Durch Aufklärung und Bewusstseinsbildung steigen insbesondere in Chaosphasen die Möglichkeiten zur Veränderung der bestehenden Verhältnisse. Deshalb sagen wir: Aus der momentanen Krise kann der Erfolg der Frauenbefreiung hervorgehen!

Was für die Frauenbefreiung notwendig ist und was wir in diesem Zusammenhang machen können, konkretisieren wir mit den folgenden Vorschlägen:

A- Befreiung der Gedanken und Gefühle vom Einfluss patriarchaler Ideologien:

Die Frauenbefreiung muss unserer Meinung nach einen Umfang erreichen, der dazu geeignet ist, Lösungsansätze und Lösungen für die von uns festgestellten Probleme und schweren gesellschaftlichen Krisen zu entwickeln. Dafür ist es notwendig, dass wir eine philosophische und ideologische Freiheitsdefinition erreichen, welche auch die von Frauen verinnerlichte Unterdrückung überwindet. Wir müssen das ideologische Monopol der Männerherrschaft in unserem Geist, unserem Denken, unserem Handeln und unserer Seele überwinden. Egal, ob sich diese Hegemonie auf Religion, Wissenschaft, Nationalismus oder Sexismus beruft oder ob sie subtile Herrschaftsformen der kapitalistischen Modernität benutzt. Unser demokratisches und freiheitliches Paradigma kann allen Frauen und unterdrückten Menschen eine Basis bieten. Wir müssen eine Frauenbefreiungsideologie entwickeln, die gegenüber den ideologischen Angriffen aller patriarchalen Systeme eine starke Alternative darstellt. Denn alle Kämpfe beginnen zunächst mit Utopien. Sie werden zuerst auf ideologischem, gedanklichem Gebiet entwickelt und entschieden. Deshalb muss es uns gelingen, im ideologischen Bereich erfolgreich zu sein. Wir müssen lernen, noch besser die Gedanken und Gefühle zu besiegen, die uns ideologisch zur Aufgabe zwingen sollen. Wir können eine neue Denkweise entwickeln, indem wir uns auf die wissenschaftlichen Errungenschaften der Menschheit und den Jahrtausendealten Erfahrungsschatz von Frauen beim Aufbau von Gesellschaften beziehen. Mit einer entsprechenden Bildungsarbeit kann es uns gelingen, die verinnerlichten Rollenbilder des „herrschenden Mannes” und der „unterdrückten Frau” aufzulösen und zu überwinden.

B- Die „Wissenschaft der Frau“ (Jineologie) wird Lösungswege aufzeigen:

Wir schlagen vor, unter der Bezeichnung „Jineologie” (kurdische Wortschöpfung für Wissenschaft der Frau) einen neuen wissenschaftlichen Ansatz zu entwickeln. Die Wissenschaft der Frau sollte grundlegende Menschheitsfragen wie beispielsweise die Bevölkerungsentwicklung, Ästhetik, Ethik und Ökonomie umfassen. Hierdurch können Frauen eine bestimmende Rolle bei der Entwicklung von Ethik und Ästhetik spielen. Frauen können für den Aufbau einer ethischen und politischen Gesellschaft realistische und verantwortungsbewusste Einschätzungen treffen. Dies umfasst die Bewertung der positiven und negativen Seiten menschlicher Bildungssysteme, die Bedeutung des Lebens und des Friedens. Hieraus können – entgegen der durch Kriege verursachten Schrecken und Zerstörung – neue Kriterien für Recht und Gerechtigkeit entwickelt werden.
Frauenökonomie als Bestandteil der Wissenschaft der Frau

Frauen haben bei der Entwicklung der Ökonomie, die ursprünglich eine gesellschaftliche Tätigkeit darstellte, eine führende Rolle gespielt. Einschließlich des Marxismus hat bislang keine Gesellschaftsanalyse dieser Tatsache hinreichende Bedeutung beigemessen. Auch die marxistische politische Ökonomie konnte sich weder vom Ökonomieverständnis der kapitalistischen Modernität noch von deren Klassenstandpunkt loslösen, der aus der hegemonialen Sichtweise der Bourgeoisie resultierte. Die Definitionen von Wert und Arbeit wurden auf die Beziehung zwischen Arbeiter und Kapitalist reduziert, wodurch die gesellschaftlichen und historischen Grundlagen vernachlässigt und unkenntlich gemacht wurden. Der Wert ist ein Produkt der Gesellschaftsentwicklung, dessen Grundlage die nicht-entlohnte Arbeit von Frauen ist. Demokratische, revolutionäre gesellschaftliche Kräfte scheiterten häufig daran, dass sie die Geschichte, Sozialwissenschaften und Ökonomie allein über die Beziehung zwischen Arbeiter und Kapitalist interpretierten, wobei sie die nicht-entlohnte Frauenarbeit ausgeblendeten. Die Mächte der patriarchalen Zivilisation beuteten die Frauenarbeit bis zum Letzten aus, messen ihr jedoch keinerlei materiellen-ideellen Wert bei. Während der Wert jeder Arbeit mittels eines Lohnes berechnet wurde, blieben demgegenüber die schwersten Arbeiten wie Schwangerschaft, Kindererziehung, die Sexsklavin eines Mannes zu sein und jede Art von Hausarbeit nicht-entlohnt und damit „wertlos“.
Als Frauen wollen wir zuallererst mit der Enttarnung und Kritik dieses Zustands beginnen, der sich auf herkömmliche Theorien von Wert und Arbeit beruft. Dann können wir auf der Grundlage der Freiheit eine gesellschaftliche Ethik neu aufbauen. Denn wir können nicht davon reden, in einer ethischen Gesellschaft zu leben, solange die Ausbeutung, Plünderung und Verleugnung von Frauenarbeit sowie deren Diebstahl und Konsum, die sich auf dieses Verständnis von Wert und Arbeit berufen, nicht eingestanden und abgeschafft werden. Da die Wirtschaft eine grundlegende Lebensaktivität der Gesellschaft darstellt, müssen wir von einem Frauenstandpunkt aus ein neues ethisches Ökonomieverständnis und dementsprechende ökonomische Aktivitäten entwickeln. In diesem Sinne stellt die Ökonomie ein wichtiges Standbein der Wissenschaft der Frau dar. Der Aufbau von Kooperativen und alternativen ökonomischen Einrichtungen spielt eine bestimmende Rolle für den Aufbau einer neuen Gesellschaft. Das ökonomische Leben darf den Frauen nicht entrissen und in die Hände von Profitmachern, Händlern, Experten von Staat und Macht gelegt werden.

So können wir unsere kritische und selbstkritische Hinterfragung zur Situation der Frau zusammenfassen: Frauen wurden als ursprüngliche Besitzerinnen der Wirtschaft enteignet und selbst zur Ware gemacht. Auf der Suche nach Lösungswegen können wir mit Diskussionen über eine Wissenschaft der Frau beginnen. Wir fügen uns nur selbst Schaden zu, wenn wir Frauenthemen, die uns und unser Leben bestimmen, der Soziologie unter männlicher Hegemonie oder anderen sexistischen Wissenschaftszweigen überlassen. Die Thematisierung einer Wissenschaft der Frau ist ein dringendes Bedürfnis; sowohl um die Situation von Frauen eingehend zu analysieren, als auch um die notwendige Theorie, ein Programm, notwendige Organisations- und Aktionsstrukturen für die Frauenbefreiung aufbauen zu können. Sollte uns das nicht gelingen, wird die Bedeutung der Frauenarbeiten – egal wie viele bedeutungsvolle Anstrengungen es in der Vergangenheit und Gegenwart auch gegeben haben mag – letztendlich nicht darüber hinaus gehen, als liberale Frauenaktivitäten zur Stabilisierung des Systems beizutragen.

C- Freie Frauenakademien für einen freien Geist

Nur mit einer unabhängigen Geistesstruktur können wir begreifen, wie sehr heutzutage menschliche Gedanken und Einstellungen mit künstlichen Fakten und Begriffen manipuliert werden. Hierüber wird das Herrschaftssystem aufrecht erhalten und tagtäglich reproduziert. Deshalb hat der theoretisch-intellektuelle Bereich für die Frauenbefreiung eine wesentliche Bedeutung. Wir müssen wir sehr viel mutiger dabei werden, uns fremde Denkschablonen, Religionen, Wissenschaften und Kunstauffassungen zu kritisieren, die das patriarchale System versucht, als unsere angebliche Natur, unseren Geist, unsere Gefühle, unsere Seele und Identität auszugeben. Dagegen müssen wir einen größeren Schwerpunkt auf die Entwicklung alternativer Gedanken legen. Dazu benötigen wir Einrichtungen, in denen wir als Frauen unsere Identität frei entwickeln, unsere Gedanken systematisieren und organisieren können. Darüber können wir uns mit der Aufklärung und Bildungsarbeit von und für Frauen das Ziel setzen, die gesamte Gesellschaft zu erreichen.

Hierüber werden Frauen die Stärke gewinnen, sich damit auseinanderzusetzen, welcher Begriffe und Institutionen sie beraubt wurden und wie diese schließlich zu ihrem Nachteil eingesetzt wurden. Um mit diesem System abrechnen zu können, sind intellektuelle Arbeiten von Frauen und Frauenakademien dringend notwendig. Anstatt Lösungen für unsere Probleme in offiziellen Wissenschafts-, Politik- und Justizeinrichtungen zu suchen, sollten wir uns als Frauen auf den Aufbau eigener Einrichtungen konzentrieren. Denn wir wollen uns nicht mehr mit formeller Gleichheit abspeisen lassen. Unsere Lebensrealität, d.h. sowohl unsere Probleme als auch deren Lösungen, steht in engem Zusammenhang mit der Gesellschaft, in der wir leben und deren Entwicklung. Natürlich werden wir keine Errungenschaft, die wir nach jahrelangen Kämpfen erreichen konnten, so einfach wieder aus der Hand geben. Jedoch ist es lebenswichtig, unsere Energie vorrangig darauf zu konzentrieren, die Knackpunkte unserer existentiellen Probleme festzustellen und dafür Lösungswege zu erarbeiten.

Es ist offensichtlich, dass alle wissenschaftlichen Institutionen einschließlich der Sozialwissenschaften patriarchal geprägt sind und einen sexistischen Charakter haben. Deshalb sehen wir die Notwendigkeit, politische und kulturelle Akademien aufzubauen, die eine Antwort auf die Probleme und Bedürfnisse von Frauen geben können. Alle gesellschaftlichen Bewegungen, die die Gesellschaft mit einer neuen Philosophie verändern wollten, haben in der älteren und jüngeren Geschichte derartige, ihren spezifischen Bedingungen entsprechende Institutionen aufgebaut. Diesbezüglich besitzen auch die feministischen Bewegungen seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein reiches intellektuelles und wissenschaftliches Erbe. In dieser Hinsicht können wir an die positiven Aspekte von intellektuellen Konzepten für eine freie, demokratische Gesellschaft und an intellektuelle Aufbrüche gegen das System der kapitalistischen Modernität anknüpfen. Dies bietet ein wichtiges Fundament für den Aufbau unserer eigenen Akademien.
Um die politischen, gesellschaftlichen, kulturellen, ökonomischen und ökologischen Krisen zu überwinden, die die ganze Welt erschüttern, ist eine Frauenrevolution erforderlich. Diese Revolution ist eine soziale Revolution. Für eine solche soziale Revolution werden wiederum starke intellektuelle und kulturelle Institutionen benötigt. Sie haben die Aufgabe dazu beizutragen, den Verstand, die Sprache und Standpunkte von Frauen, deren Ästhetik und Ethik weiter zu entwickeln. Hierdurch sollen unsere Argumente in die Öffentlichkeit getragen, sowie fortschrittliche Kräfte von unseren Lösungsprojekten überzeugt und zur Teilnahme bewegt werden. Solche Institutionen sind für jede Frauenbewegung eine Voraussetzung, die langfristig und ernsthaft über das Thema der Frauenbefreiung nachdenkt. Diese Einrichtungen müssen sowohl auf lokaler Ebene aufgebaut werden, als auch untereinander weltweit kooperieren. Einige Stimmen könnten wohl meinen, dass die Frauenabteilungen, -institute und -lehrstühle an den Universitäten in der gegenwärtigen Situation ausreichend seien. Jedoch ist klar, dass sich die Wissenschaft und die Universitäten an allen Orten auf der Welt in den Händen der Kapitalmächte und unter patriarchaler Herrschaft befinden. Da Frauen unter diesen Bedingungen ihre Gedanken nicht unabhängig entwickeln können, sind wir eigentlich sogar schon spät dran. Deshalb sollten wir umgehend damit beginnen, unabhängige, freie Frauenakademien zu konzipieren, die als Institutionen der sozialen Revolution eine Rolle bei der Lösung unserer Probleme spielen können. Diese Akademien können wir weltweit unter dem Dach einer gemeinsamen Konföderation organisieren. Daran können sich sowohl Akademien von lokalen Kulturen und Kommunen als auch regionale oder nationale Akademien beteiligen. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die die Institutionen des patriarchalen Systems weder imitieren noch stärken oder reproduzieren. Vielmehr müssen wir Frauen entsprechende Strukturen entwickeln, die originelle Aufbrüche und Dynamiken auslösen können.

Die Arbeitsweise, das System und die Regeln dieser Akademien sollten jeweils den Bedürfnissen der beteiligten Frauen gemäß festgelegt werden. Mit diesem Diskussionspapier möchten wir zur Diskussion stellen, wo und wie wir solche Akademien einrichten und unsere Erfahrungen austauschen können. Dieses Vorhaben soll an die Mühen unzähliger Frauenaktivistinnen anknüpfen, die in der Geschichte und an vielen Orten der Welt unter den schwersten Bedingungen ihre theoretischen Arbeiten und Nachforschungen für Frauen durchführten sowie mit ihren Arbeiten zur Bildung des menschlichen Geistes und der intellektuellen Akkumulation wichtige Beiträge leisteten. Zugleich soll es all denjenigen Frauen gewidmet sein, denen Lesen und Schreiben als „Sünden” verboten wurde.

D – Die Entkolonialisierung der Frau als ältester Kolonie

Wir konnten die mit der Jahrtausendealte patriarchale Ideologie und insbesondere ihre letzten Version, der kapitalistischen Modernität, einhergehende gesellschaftliche und kulturelle Sozialisation, die Frauen umzingelt, nicht überwinden. Von unserem Körper bis zu unseren Gefühlen, von unserer Seele bis zu unseren gesellschaftlichen Vorstellungen sind wir überall mit einer psychologischen Belagerung konfrontiert. Der sozio-kulturelle Druck und die damit einhergehende Sozialisierung haben unsere Identität als Frauen zu einer schwer überwindbaren Krisenidentität gemacht. Weil wir diese Zusammenhänge nicht genügend entlarven und überwinden konnten, fanden wir für uns und die Gesellschaft keinen Ausweg. Das herrschende System zwingt Frauen eine faschistisch vernichtende Realität auf, in der die Gesellschaftsordnung und die Kultur tagtäglich den Bedürfnissen der Männer entsprechend angepasst werden. Jede Frau und jeder Mann werden zum Rad im Getriebe dieses Systems und damit zu MittäterInnen gemacht.

Auch wenn die sozialen Krisen, denen die Menschheit ausgesetzt ist, immer öfter ein wahnsinniges Ausmaß erreichen, so konnten die kapitalistische Modernität und die hiermit verbundene Belagerung der Menschen durch Kulturimperialismus, bislang nicht überwunden werden. Da auch viele Feministinnen noch weit davon entfernt sind, den Horizont eurozentristischer Demokratien zu überschreiten und den vom Kapitalismus erzeugten Lebensstil grundsätzlich infrage zu stellen, blieben auch ihre Anstrengungen unzureichend. Solange es uns nicht gelingt, die kulturelle kapitalistische Einkreisung zu durchbrechen, wird diese weiterhin unser Leben bedrohen, da sie uns permanent zur Aufgabe unseres Kampfes zwingen will. In der gegenwärtigen Lage gleicht das Leben von Frauen an jedem Ort der Welt – unabhängig von seiner äußeren Fassade oder seinen Verzierungen – geradezu einer Qual unter Belagerungszustand. Im Zusammenhang mit diesen sozialen und kulturellen Strukturen, die Frauen geradezu gefangen halten, müssen Themen wie Familie, Sexualität, Mode oder aber der Missbrauchs- und Vergewaltigungscharakter von Beziehungen einzeln untersucht und analysiert werden.
Als Zivilisation, die Frauen für ihre Ziele versucht hochgradig auszunutzen, hat der Kapitalismus die Ausbeutung von Frauen institutionalisiert. Trotzdem hat ein Großteil der Frauen die Maßstäbe dieses Systems als Maßstab für Freiheit und als Teil ihrer Identität akzeptiert. Leider gelang es dem Kapitalismus, der Frauen massiv geschlagen, betrogen, kolonialisiert und missbraucht hat, sich so zu maskieren und darzustellen, als sei er das System, welches den Frauen am im größten Maße Freiheit und Rechte gäbe. Sein Sexismus jedoch zwingt Frauen seine grenzenlose Macht und Ausbeutung auf und hält sie in Abhängigkeit. Indem Frauen für die Reproduktion dieses Herrschaftssystems benutzt werden, werden sie ihrer Würde und ihrer Selbstachtung beraubt. Eine unserer größten Schwächen im vergangenen Jahrhundert war es, dass es uns Frauen nicht ausreichend gelang, diese Manipulationen des Kapitalismus zu durchschauen. Den Preis für die angebliche Freiheit, die das eurozentristische System Frauen bis zu einem gewissen Grad anbietet, mussten wiederum Frauen am teuersten bezahlen. Genau das ist die betrügerische Realität dieses Systems: Beispielsweise gibt es kaum eine andere Zivilisation, die Frauen derart mit Verträgen von Männern abhängig macht und sie als Sexualobjekt benutzt wie die Zivilisation Europas.

Im Zeitalter des Liberalismus ist Sexismus als eine Herrschaftsideologie wie nie zuvor weiterentwickelt und benutzt worden. Das ist die Falle, die die kapitalistische Modernität den Frauen gestellt hat. Frauen, die sich dem Anschein nach mit großen Schritten auf die Freiheit zubewegten, wurden zu einem minderwertigen Ausbeutungsobjekt gemacht. Die sexistische Ideologie des Liberalismus begnügt sich nicht damit, diese Situation zu manifestieren und verdreht darzustellen. Darüber hinaus wurden besondere ideologische Varianten für Frauen entwickelt, die es ermöglichten, dass Frauen ihre Versklavung nun selbst akzeptierten.

Folglich ist das System nicht in der Lage, die Krisen von Frauen zu lösen. Denn das patriarchale System nutzt diese ideologisch und materiell aus und sichert darüber seine Existenz. In der Zivilisationsgeschichte im Allgemeinen und in der kapitalistischen Modernität im Besonderen hat die Frau den Status der ältesten und zugleich modernsten Kolonie. Die Kolonialisierung der Frau stellt eine Hauptursache der gegenwärtigen, unerträglichen Krisensituation dar.

E- Für die Befreiung der Frau und des sozialen Lebens müssen Begriffe wie Liebe, Familie, Beziehungen und Ehe hinterfragt werden

Der Kampf, den die feministische Bewegung unter dem Slogan „Das Private ist politisch” seit langem führt und die Sichtbarmachung von Gewalt in der Familie sowie des subtilen Machtverhältnis in den Mann-Frau Beziehungen zum Ziel hat, ist wichtiger als je zuvor. Wenn wir die patriarchale Herrschaft nicht durchbrechen, die in der Familie und in den Beziehungen zwischen Frau und Mann fortgesetzt und reproduziert wird, sind wir dazu verurteilt, die Utopien ein für allemal zu begraben, die wir mit den Begriffen Gleichheit, Freiheit, Demokratie und Sozialismus verbinden. Um Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Ethik im eigentlichen Sinne zu erreichen, sollten Frauen den Grad der Freiheit ihres Lebens anhand ihrer Beziehungen zu Männern hinterfragen und bewerten. Frauen, die sich in ihrer emotionalen und geistigen Welt von der Unterdrückung, Resignation und Abhängigkeit nicht loslösen können, können im Frauenbefreiungskampf auch keine langfristige und produktive Rolle spielen.
Wir müssen eine Perspektive erarbeiten, die den sozialen Bereich rund um die Begriffe von Liebe, Ehe und Familie detailliert hinterfragt und deren Veränderung zum Ziel hat. Wir müssen darüber diskutieren, wie wir ein soziales Leben gestalten können, das Frauen physisch, seelisch und geistig stärkt. Dazu müssen wir eine Haltung entwickeln und ernsthaft thematisieren, durch die anstelle der patriarchalen Familie und dem auf hochgradiger Frauenunterdrückung basierenden Alptraum des sozialen Lebens, ein Beziehungsmodel aufgebaut werden kann, das auf Gleichheit und hochgradiger Frauenfreiheit beruht. Solange Frauen in der Gesellschaft nicht frei leben können, ist das Leben seiner Bedeutung beraubt.

Die durch politische und geistige Brutalität, Lösungsunfähigkeit und Krisen gekennzeichnete soziale Tragödie lässt sich am eindringlichsten an der Situation von Frauen ablesen. Dies lässt sich nicht über die Unterschiede zwischen „Ost” und „West” erklären. Überall auf der Welt ist es am schwersten, als Frau zu leben. Wenn wir von einer Frauenperspektive ausgehen und erkennen, wie sehr die europäische Sozialpolitik im Namen von Freiheit und Fortschritt Frauen ausbeutet und sie wie kein anderes System zur Ware machen, können wir objektivere Projekte hinsichtlich der Ursachen der Probleme und ihrer Lösungen entwickeln.
Wir sind davon überzeugt, dass die Haltung gegenüber Frauenfragen einer kulturellen Revolution gleichen sollte. Bislang waren wir dazu verurteilt, mit einer Kultur und Moralvorstellungen zu leben, die sich zwar um Frauen drehten, aber ohne und gegen den Willen von Frauen installiert wurden. Innerhalb dieser Kultur können Frauen und Männer aufgrund der tief verwurzelten Beziehungen und Widersprüche dieses Problems keine wirkliche und freiheitliche Lösung finden – egal wie gut ihre Absichten auch sind und wie viel Mühe sie sich auch geben. Um im sozialen Bereich starke Lösungen hervorbringen zu können, müssen wir uns bewusst sein, dass sich die radikalste freiheitliche Identität darüber beweisen muss, wie sie sich der Frau annähert. Dazu gehören auch ein richtiges Verständnis und die Überwindung des patriarchalen Systems in den Beziehungen zwischen Frau und Mann.

F- Mit radikalen und demokratischen Aktionen zu einem gemeinsamen kämpferischen Netzwerk …

Wie wir in den vorherigen Abschnitten ausformuliert haben, erfordern alle Lösungsperspektiven einen sehr anspruchsvollen, radikalen, organisierten, permanenten Kampf und Aktionen. Bei der Entwicklung unserer Aktionslinie sind Einfallsreichtum und Kreativität sehr wichtig. Mit Beharrlichkeit, Leidenschaft und der Kraft, die wir aus dem Gedenken an die unzähligen Widerstandskämpferinnen schöpfen, werden wir den Bruch zwischen den Geschlechtern, den das patriarchale System verursacht und aufrecht erhält, überwinden und am Aufbau einer geschlechterbefreiten Gesellschaft arbeiten. Um unser Ziel und unsere Wahl für ein freies Leben in einer freien Gesellschaft zu erreichen, sind Mut, Liebe, Vertrauen und Kampfbereitschaft notwendig.Radikale, demokratische Aktionen lassen sich lokal, regional und global entwickeln und vernetzen. Indem wir ein starkes Netzwerk des Dialoges knüpfen, können wir unsere Kämpfe rund um gemeinsame Themen und Ziele solidarisch aufeinander beziehen und gemeinsam wirkungsvolle Aktionen organisieren.

G- Selbstverteidigung und Solidarität gegenüber der Gewaltkultur

In der sexistischen Gesellschaft, in der wir leben, stellt nicht nur der Staat, sondern auch die Gesellschaft eine Quelle der Gewalt dar. In dieser Situation können Frauen, die keine Verteidigungsmöglichkeiten haben, in jedem Land und in jeder Kultur leicht zum Ziel von Gewalt werden. Aus diesem Grund möchten wir mittels dieses Aufrufes, der dazu dienen soll, Diskussionen zur Lösung der Frauenfrage auszulösen, Folgendes noch einmal zur Sprache bringen: Frauen müssen sich gegenüber dem Staat genauso wie gegenüber organisierten Gewaltinstitutionen und verhüllten gewalttätigen Angriffen in der Gesellschaft zur Wehr setzen. Auf dieser Grundlage müssen Frauen unbedingt ein derartiges Bewusstsein, Organisierung und Aktionen zur Selbstverteidigung sowie dafür gemeinsame Solidarität entwickeln, dass sie sich gegen jede Form von Gewalt verteidigen können – sei es staatliche oder sei es von patriarchalen Gesellschaftsstrukturen permanent produzierte Gewalt.

H- Eine radikale paradigmatische Annäherung für den Aufbau der Demokratischen Modernität

Als Demokratische Modernität bezeichnen wir das, was wir in diesem neuen Zeitalter aufbauen wollen. Hierbei beziehen wir uns auf die Werte von natürlichen Gesellschaften, die sich durch die Menschheitsgeschichte hinweg weitgehend im Verborgenen bewahrt haben und durch das patriarchale System nicht vernichtet werden konnten. Die Demokratische Modernität umfasst alle vom patriarchalen System benachteiligten und unterdrückten gesellschaftlichen Gruppierungen – vor allem Frauen.
Alle gesellschaftlichen Kräfte, die Teil der Demokratischen Modernität sind, müssen Frauen und ihre Freiheitsbewegungen als eine grundlegende Kraft anerkennen. Sie müssen es als ihre vorrangige Aufgabe sehen, die organisierte Kraft von Frauen zu fördern und Bündnisse mit ihnen anstreben. Frauen und ihre Freiheitsbewegungen sind ein Hauptpfeiler der Arbeiten zur gesellschaftlichen Neugestaltung. Es ist wichtig zu begreifen, dass Frauen – über ihr Geschlecht hinausgehend – auch in ökonomischer, kultureller, ideologischer und politischer Hinsicht eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen.

Frauen- und Umweltbewegungen, die den Horizont der kapitalistischen Modernität nicht überwinden, können nicht im Einklang mit ihren Zielen vorwärtskommen. Voraussetzung für ihre Konsequenz und ihren Erfolg ist, dass sie sich in den Kontext demokratischer Gesellschaftsbewegungen stellen. Deshalb meinen wir, dass der erste Schritt in Richtung Frauenbefreiung ist, Frauen selbst zu einer handlungsfähigen Kraft zu machen und von Haltungen Abstand zu nehmen, die auf vereinnahmendem Eigentumsdenken beruhen. Es gibt keine dringendere und wichtigere Aufgabe, als einen ideologischen Vorstoß, bei dem die Demokratische Zivilisation ihr eigenes geschichtliches Erbe einer gründlichen Analyse unterzieht. Diese sollte dazu verwendet werden, nützliche Elemente beizubehalten und Mängel durch aktuelle konkrete Analysen zu vervollständigen. Wenn an einem Ort und zu einer Zeit Unterdrückung und Ausbeutung extrem sind und in eine Sackgasse führen; wenn das Leben in Würdelosigkeit schlimmer als der Tod ist, dann kann es für uns keinen anderen Ausweg geben als einen radikalen Paradigmenwechsel in Theorie und Praxis, der zum gesamten System, d.h. zu seinem Wesen, seiner Logik und seinen Methoden, eine revolutionäre Alternative darstellt.

ZULETZT

Als Frauen ist uns bewusst, dass unsere Probleme durch die patriarchale Zivilisation verursacht sind. Nur mit unserer organisierten Solidarität können wir die Kraft entwickeln, die notwendig ist, um diese Probleme zu bekämpfen und zu überwinden. Deshalb haben wir zunächst das Bedürfnis, Plattformen auszubauen, über die wir unsere Probleme und Lösungsansätze zusammentragen können.

Deshalb;
schlagen wir als Frauenbefreiungsbewegung Kurdistans vor, als eine solche Plattform einen WELTFRAUENKONGRESS zu organisieren. Wir sind davon überzeugt, dass wir als organisierte, kämpfende Frauenbewegungen und Frauenpersönlichkeiten auf dieser Welt die Stärke besitzen, einen solchen Kongress zu realisieren. Auf diese Weise wollen wir an das Erbe anknüpfen, das uns Frauen, die Widerstand geleistet haben, weltweit hinterlassen haben.

Wir meinen, dass wir mit einer solchen Arbeit und dem organisierten Kampf, der sich daran anschließend entwickeln wird, auf die Sehnsüchte leidender Frauen sowie der gesamten Weltgemeinschaft nach Gerechtigkeit, Gleichheit, Frieden und Freiheit reagieren können. Das bedeutet zugleich, dass wir einen noch besser organisierten, kontinuierlichen, radikalen und entschlossenen Kampf für eine alternative Welt führen müssen, der auf den freiheitlichen Werten von Frauen beruht.
Wir haben eine fünftausend-jährige Unterdrückung zu verlieren, wogegen wir ein Leben und eine Zukunft in Freiheit gewinnen können. Unsere Herzen und Köpfe sind offen für alle Frauen, die daran mitwirken wollen. Wir sind entschlossen, uns für eine freie Zukunft und für eine Welt einzusetzen, in der wir alle bedeutungsvoll leben können. In diesem Sinne lautet unser Aufruf an alle Frauen:

Lasst uns unsere Freiheitsutopien durch unseren gemeinsamen Kampf verwirklichen!
Mit revolutionären Grüßen

Frauenbefreiungsbewegung Kurdistans
Kurdistan, 2010


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