Blutige Bilanz

505 Soldaten und Polizisten sowie 165 Guerillakämpfer starben im vergangenen Jahr bei Kämpfen in Kurdistan. Diese blutige Jahresbilanz hat die Guerilla der Arbeiterpartei Kurdistans PKK nun vorgelegt. Die türkische Armee führte demnach 680 Bodenoperationen, Luft- und Artillerieangriffe durch, während die Guerilla ihrerseits 167 Aktionen startete. Dabei kam es zu 45 Gefechten. Zudem wurden mehr als 50 Zivilisten durch das türkische Militär getötet.
Zehntausende Menschen beteiligten sich am Wochenende an der Beerdigung von 35 zuvor im türkisch-irakischen Grenzgebiet durch einen Luftangriff getöteten zumeist minderjährigen Dorfbewohnern in Uludere in der Provinz Sirnak. Mit Sprechchören wurde die Guerilla zu einem Vergeltungsschlag aufgerufen. Unterdessen versuchen regierungsnahe Medien seit Tagen, der PKK die Schuld für den Luftangriff zu geben. Ein PKK-Doppelagent innerhalb des Geheimdienstes MIT habe dem Militär gemeldet, bei der Schmugglergruppe handle es sich um Guerillakämpfer, mutmaßen die Tageszeitungen Zaman und Taraf. Ziel sei es gewesen, die Armee zu diskreditieren, um die örtliche, als Dorfschützer loyal zum Staat stehende Bevölkerung zum Aufstand anzustacheln. Überlebende des Angriffs bestätigten unterdessen, daß Soldaten die Schmuggler vor dem Luftangriff gestoppt hatten und somit wußten, daß es sich nicht um bewaffnete Guerillas handelte. Die PKK geht daher von einem vorsätzlichen Massaker zur Einschüchterung der Bevölkerung aus. Denn auch unter den häufig unter Zwang in das Dorfschützersystem eingebundenen Stämmen ist die Sympathie für die kurdische Befreiungsbewegung in den letzten Jahren gewachsen. Viele Dorfschützer nehmen nicht mehr aktiv an Militäroperationen teil.
Der als graue Eminenz hinter der türkischen Regierung geltende islamische Ordensführer Fethullah Gülen sprach in einer Kondolenzbotschaft für die Getöteten offenbar mit Blick auf die kurdische Bewegung von „Kreisen“, die den Schmerz ausnutzen, um die „Söhne der Nation gegeneinander ausspielen“. Gülens Trauer erscheint um so heuchlerischer, da er erst vor wenigen Wochen in einer Fatwa zur Vernichtung der kurdischen Befreiungsbewegung aufgerufen hatte. „Lokalisiert sie, umzingelt sie (…) zerschlagt ihre Einheiten, lasst Feuer auf ihre Häuser regnen, überzieht ihr Klagegeschrei mit noch mehr Wehgeschrei, schneidet ihnen die Wurzeln ab und macht ihrer Sache ein Ende!“, hieß es in der über Fernsehen ausgestrahlten Rede. Die Militäroperationen hatten seitdem an Intensität zugenommen.


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