Nationalistische Welle

Türkische »Graue Wölfe« trommeln auch in Deutschland zum Krieg gegen Kurden

Im Vorfeld des am heutigen Dienstag beginnenden Deutschlandbesuchs des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan anläßlich des 50. Jahrestages des »Gastarbeiter«-Anwerbeabkommens kam es bereits das zweite Wochenende in Folge zu antikurdischen Demonstrationen. Bei den über Facebook mobilisierten Aufmärschen in Duisburg, Nürnberg, Bielefeld, München und Bremen gegen angeblichen »Terror« der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) wurden auch Fahnen und der Gruß der faschistischen Grauen Wölfe gezeigt. Mitglieder antifaschistischer Gruppierungen und kurdischer Vereine protestierten gegen die Demonstrationen. In Bielefeld kam es am Sonntag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, als Kurden ihren Verein vor den vorbeimarschierenden Faschisten schützen wollten.

Der an einem Erinnerungszug zum Anwerbeabkommen von Istanbul nach München teilnehmende türkische Parlamentspräsident Cemil Cicek hatte die türkisch-nationalistische Diaspora mit der Behauptung aufgehetzt, in Deutschland gäbe es doppelt so viele PKK-Mitglieder wie in den nordirakischen Kandil-Bergen.

Keinen Erfolg hatten türkische Nationalisten indes mit dem Versuch, die Hamburger Universitätsleitung zur Kündigung des Audimax für den von junge Welt unterstützten Wettbewerb um die Hüseyin-Celebi-Literaturpreise des Verbandes der Studierenden aus Kurdistans (YXK) zu bewegen. Es handele sich um eine Propagandaveranstaltung der PKK, hatten die Nationalisten unter Verweis auf ein in jW erschienenes Interview (jW vom 26.10.2011)behauptet. Die Universitätsleitung ließ sich von den Drohanrufen nicht beeindrucken, so daß der kurdischsprachige Literaturwettbewerb am Samstag bereits zum 19. Mal stattfinden konnte.

Unterdessen trommeln die türkischen Nationalisten auch in Deutschland weiter zum Krieg. »Die Waffen dürfen nicht mehr schweigen«, heißt es auf der deutschsprachigen Website Turkishpress, die dem Spektrum der Grauen Wölfe zuzurechnen ist. »Das Militär darf nicht aufhören. Bis heute sind an die 90 Terroristen getötet worden. Eine geringe Zahl gegenüber den Tausenden in den Bergen. Aber es ist ein Anfang.« Daß bei den hier bejubelten Militäroperationen der letzten Tage offenbar auch international geächtete Chemiewaffen zum Einsatz kamen, scheint die Kriegshetzer in Deutschland nicht zu stören.

jw 1.11.2011


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