Kämpfe in Kurdistan

Türkische und iranische Armee gehen mit US-Hilfe gegen kurdische Guerilla vor – PKK startet Vergeltungsaktionen

Die Arbeiterpartei Kurdistans PKK hat eine von türkischen Medien am Wochenende behauptete Gefangennahme ihres Oberkommandierenden Murat Karayilan dementiert. „Unser Freund geht seinen Pflichten nach“, erklärte die PKK und kündigte ein Liveinterview mit dem nach Abdullah Öcalan ranghöchsten Rebellenführer im Satellitensender Roj TV an. Der Vorsitzende des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Alaeddin Borudscherdi, hatte zuvor die Gefangennahme des nicht namentlich genannten Militärführers der Guerilla durch iranische Revolutionsgarden verkündet.
Seit einem Monat führt die iranische Armee eine Offensive im iranisch-irakischen Grenzgebiet gegen Stellungen der mit der PKK verbündeten Partei für ein Freies Leben Kurdistan PJAK durch. Dabei wurden mehr als 35 Dörfer entvölkert. Aktiv wird die iranische Offensive von der Türkei unterstützt, die Iran auch mit zuvor von der US-Luftwaffe angefertigten Luftaufnahmen versorgt. Die USA zielten darauf, sowohl die PKK als auch den Iran zu schwächen, hatte Karayilan vergangene Woche dieses indirekte anti-PKK-Bündnis der eigentlich verfeindeten Mächte USA und Iran interpretiert. Gleichzeitig diene der Konflikt im Grenzgebiet dazu, die öffentliche Meinung auf eine längere Verweildauer der US-Truppen im Irak vorzubereiten. „In einer Phase, in der die internationalen Mächte die Region neu ordnen wollen, hält es unsere Bewegung nicht für richtig, gegen den Iran zu kämpfen“, erklärte Karayilan und kündigte zur Vermeidung weiterer Kämpfe den Abzug der PJAK-Kämpfer aus dem Grenzgebiet an. An ihrer Stelle würde die nicht im Krieg mit Iran stehende PKK-Guerilla die Stellungen übernehmen.
In Anschluss an die iranische Offensive würde die türkische Armee mit Hilfe der USA zum „tödlichen Schlag“ gegen die PKK ausholen, meldete die regierungsnahe türkische Tageszeitung Today´s Zaman am Montag. In den letzten Wochen hatten regierungsnahe Kolumnisten mehrfach eine „tamilische Lösung“ befürwortet – analog zur Massakrierung Tausender Tamil Tigers durch die srilankische Armee im Frühjahr 2009. Auf eine Zunahme von Militäroperationen antwortete die PKK in der Türkei mit einer Reihe von Vergeltungsangriffen, bei denen in den letzten Tagen nach PKK-Angaben mehr als 20 Soldaten getötet wurde. „Den Zumutungen der faschistischen Regierung wird mit dem revolutionären Volkskrieg entgegnet werden“, hatte das Rebellenhauptquartier zum Jahrestag des Beginns des bewaffneten Freiheitskampfes am 15. August 1984 angekündigt. Jeder Angriff des Staates auf die kurdische Bevölkerung werde mit Vergeltungsmaßnahmen beantwortet. Die Guerilla bekannte sich außerdem zu einer Sabotageaktion gegen die zwischen Iran und Türkei verlaufende Gaspipeline bei Agri. Außerdem stürmten Guerillakämpfer eine Staudammbaustelle bei Bingöl, setzten Baumaschinen in Brand und nahmen den für den Bau verantwortlichen Unternehmer und zwei seiner Mitarbeiter gefangen. Die geplanten Staudämme sollten die Region entvölkern und kontrollierbar machen. Außerdem werde die Natur zerstört, rechtfertigte die PKK die Aktion.


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