Gestern die Revolution in Tunesien, heute die Revolution in Ägypten. Und morgen?

Veranstaltung zu den Hintergründen, den Ursachen und der Entwicklung der arabischen Revolution.

Mittwoch, 23. Februar, 19 Uhr, im Mesopotamischen Bildungszentrum, Friedrichstr. 246 (Nähe U1/U6 Hallesches Tor)
Einleitende Vorträge von Kharam Khella (Autor), Said Dudin (Journalist, One World Media) und Dieter Elken (Autor, Marxistische Initiative). Anschließend Diskussion.
Moderation: Nick Brauns (Journalist, junge welt)

Die Massenmedien der imperialistischen Demokratien und ihre politischen Führer haben die sich seit Dezember entwickelnde tunesische Revolution erst totgeschwiegen. Dann, als dort einer ihrer arabischen Darlinge wankte und stürzte, der Diktator Ben Ali, waren sie überrascht. Als der Funke nach Algerien, Jordanien und dem Jemen übersprang, hofften sie, Mubarak werde alles im Griff behalten. Als die Diktatur Mubarak am 25. Januar durch hunderttausende Demonstranten erschüttert wurde, gerieten die Ideologen der imperialistischen Nah-Ost-Politik ins Straucheln. Die aufständische Massenbewegung, die den Sturz des westlichen Lieblingsdiktators Mubarak forderte, konnte ebensowenig wie die tunesische in die Schublade “islamistischer Terrorismus” gesteckt werden.

Seitdem werden wir mit den hilflosesten Erklärungsversuchen gefüttert. Neue Kommunikationsmittel wie twitter und facebook sollen die Revolutionen möglich gemacht haben. Deren gesellschaftliche Ursachen werden ausgeblendet. Nach den anfänglichen Lobliedern auf die von den westlichen Medien und Ordnungspolitikern neuentdeckte Freiheitsliebe der Araber wird inzwischen wieder die Angst vor dem Islamismus geschürt. Das Chaos würde die Moslembrüderschaft an die Macht spülen.

Bloß kein Chaos, bloß nicht die Anarchie der Straße, bloß keine Gefährdung der imperialistischen Ordnung im Nahen Osten — das ist die wirkliche Haltung der NATO-Staaten, Israels und aller Marionettenregime im arabischen Raum. Deshalb wollten sie Mubarak als seniles Gespenst im Präsidentenpalast verbleiben lassen, deshalb beschworen Netanjahu und Merkel ebenso wie Obama und Sarkozy einen “geordneten Übergang”. Einen geordneten Übergang wohin?

Sie wollen der westlichen Öffentlichkeit weismachen, es ginge ihnen um die “Demokratie”. In Wirklichkeit wollen sie das System der autoritären Diktatur des ägyptischen Militärs um jeden Preis aufrechterhalten. Angesichts des Anwachsens der Streikwelle zu einem Generalstreik waren sie sogar bereit, Mubarak fallen zu lassen. Als die Ordnung nicht mit Mubarak wiederherzustellen war, hofften sie auf den Auftragsfolterer des CIA, Mubaraks Vizepräsidenten Suleyman. Als er sich mit Mubarak diskreditierte, blieb nur die Machtübernahme des Militärs und die Suche nach einem anderen Anwärter auf die Präsidentschaft, den sie den Ägyptern und der Weltöffentlichkeit als “demokratischen Hoffnungsträger” verkaufen können. So, hoffen sie, können das israelische Apartheidsystem und die Marionettenmonarchien auf der arabischen Halbinsel im Interesse der imperialistischen Kontrolle des Ölreichtums Arabiens aufrechterhalten werden.

Werden ihnen die revolutionären Massen Ägyptens einen Strich durch die Rechnung machen? Darüber wollen wir sprechen und diskutieren.

Veranstalter: One World Media, Marxistische Initiative, Kurdistan-Solidaritätskomitee Berlin, Frauen gegen den Krieg, Nachbarschaftshaus Schöneberg, Komitee arabischer Arbeiter in der BRD


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