Faschisten in Kreuzberg – die »Grauen Wölfe«

Redebeitrag der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin (ARAB) und des Kurdistan-Solidaritätskomitees am 2. November auf einer Demonstration gegen Anschläge von Faschisten und Polizeidurchsuchungen gegen linke Buch -und Infoläden in Kreuzberg geplant.

Faschistische Strukturen in Kreuzberg? Der Berliner Bezirk gilt gemeinhin als multikulturell, tolerant, offen und somit auch als ziemlich schwieriges Pflaster für Nazis, Faschisten und Rassisten. Doch der Schein trügt. Zwar haben rechtsextremistische Gruppen wie die NPD durchaus Probleme, mit ihren Parolen gegen »Überfremdung« und für die deutsche »Herrenrasse« bei der Kreuzberger Bevölkerung zu landen, dennoch tauchten in den letzten Jahren vermehrt Aufkleber der »Autonomen Nationalisten« und der NPD zwischen Moritzplatz und Halleschem Tor auf. Doch die Akzeptanz in der Bevölkerung ist augenscheinlich sehr gering. Dabei müssen Faschisten nicht zwingend deutscher Herkunft sein. Neben dem Wedding ist Kreuzberg eine der Berliner Hochburgen der türkischen rechtsextremen Partei der Nationalen Bewegung (Milliyetci Hareket Partisi – MHP) und ihrer Jugendorganisation, der »Grauen Wölfe« (Bozkurtlar).

Diese extrem rechten Gruppierung träumt von einem »Großtürkischen Reich«, das sich von China bis zum Balkan erstreckt, und geht von einer natürlichen Überlegenheit des »Türkentums« gegenüber anderen Kulturen aus. Alparslan Türkes, ein türkischer Politiker, der offen mit Adolf Hitler sympathisierte und sich in den 1940er Jahren vergeblich darum bemühte, die türkische Regierung zu einem Kriegseintritt an der Seite Nazideutschlands zu bewegen, gründete 1969 die »Grauen Wölfe«. Beliebte Feinbilder der »Bozkurts« sind neben der kurdischen Arbeiterpartei PKK, Juden, Zionisten, Freimaurer, der Vatikan, Kommunisten, Griechen, Armenier, Perser, die EU und die USA. Mit extrem nationalistischer Hasspropaganda kann die Partei bei Wahlen in der Türkei bis zu 15% der Stimmen holen. Vor allem Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre machten Mitglieder der »Grauen Wölfe« durch unzählige gewalttätige Übergriffe und Morde an linken Aktivisten auf sich aufmerksam. Doch auch heute müssen Kurden, Schwule, Lesben und Antifaschisten damit rechnen, Opfer dieser nationalistischen Schlägerbanden zu werden. Und nicht nur in der Türkei, sondern auch hier, in Kreuzberg.

Am 28.Oktober 2007 demonstrierten auf dem Hermannplatz ca. 5000 Anhänger der »Grauen Wölfe« gegen die PKK. Nach der Kundgebung kam es in Berlin-Kreuzberg zu massiven Ausschreitungen. Vermummte und teilweise mit Macheten bewaffnete Jugendliche machten auf dem Kottbusser Damm regelrecht Jagd auf kurdische Menschen und griffen eine kurdische Moschee mit Steinen und Flaschen an. Die Polizei, die sonst bei jeder linken oder kurdischen Demonstration mit einem Großaufgebot vor Ort ist, war völlig überfordert und überließ Kreuzbergs Straßen dem aufgebrachten Mob. Einige Monate später schlugen mutmaßliche Anhänger der »Grauen Wölfe« in der Oranienstraße brutal eine Gruppe zusammen, die zuvor eine Queer-Party im SO36 besucht hatte. Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung demonstrierten wenige Tage darauf gegen diesen homophoben Übergriff und für ein tolerantes Kreuzberg. Auch Besucher des »MYFEST« wurden am letzten 1.Mai wiederholt von »Grauen Wölfen« bedroht und geschlagen. Der Verfassungsschutz und die deutsche Regierung ließen diese Gruppierungen über Jahrzehnte gewähren und konzentrierten sich lieber auf die Verfolgung türkischer Linker und kurdischer Aktivisten. Die »Vereine türkischer Idealisten« und die »Türkische Föderation«, die Vorgänger-Organisation der »Grauen Wölfe« in der BRD, wurden sogar während des kalten Krieges von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung massiv finanziell unterstützt. Angesichts des gemeinsamen Kampfes gegen kommunistische und sozialistische Bestrebungen in der Türkei und in der BRD ließ die faschistische Programmatik der »Grauen Wölfe« die Konservativen kalt. In Kreuzberg unterhalten die »Grauen Wölfe« verschiedene Vereine, zum Beispiel in der Waldemarstraße, oder die Sportschule »Yala« in der Oranienstraße. Ihre Berliner Anhängerschaft umfasst Tausende. Ungeachtet der sich in letzter Zeit häufenden Übergriffe interessieren sich staatliche Behörden noch immer vermehrt für die Aktivitäten radikaler Kurden, die »Grauen Wölfe« können relativ ungestört Jugendliche rekrutieren und mit ihrer faschistischen Propaganda beeinflussen.

Keinen Fußbreit den Faschisten – ob NPD oder »Graue Wölfe«!

Schulter an Schulter gegen Faschismus

Hoch die internationale Solidarität!


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