Anschlag in Istanbul

Nationaler Sicherheitsrat berät Strategien gegen PKK

Die Stadtguerilla „Freiheitsfalken Kurdistans“ TAK haben sich zu einem Anschlag auf einen Militärbus in einem Vorort von Istanbul bekannt. Durch eine am Straßenrand verborgene Bombe waren am Dienstag vier Soldaten und die Tochter eines Offiziers nahe der Kaserne von Halkali getötet worden. Der Anschlag sei erfolgt, weil der türkische Staat ein „Massaker am kurdischen Volk plant“ und „Aggressionspläne“ gegen den inhaftierten Abdullah Öcalan durchführe, erklärten die TAK. Die Aktion habe sich gegen Militärfahrzeuge gerichtet. Das Zivilisten zu schaden kamen, liege allein in der Verantwortung des türkischen Staates, der diese als Schutzschilde missbrauche. „Wir warnen alle Zivilisten, keine Militärfahrzeuge zu besteigen“, so die TAK. Die nach eigenen Angaben von der als zu gemäßigt kritisierten Arbeiterpartei Kurdistans PKK abgespaltenen TAK hatte in der vergangenen Woche weitere Anschläge in der Westtürkei auch auf touristische Ziele angekündigt.
Unterdessen hat der Nationale Sicherheitsrat (MGK) einschließlich des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und des Generalstabschefs Ilker Basbug am Montag auf einer Krisensitzung über neue Strategien zur Bekämpfung der in den letzten Tagen massiv angestiegenen PKK-Angriffe beraten. Grund der Sondersitzung war der Angriff von über 120 Guerillakämpfern auf einen Militärposten in der Provinz Hakkari, bei dem am Samstag nach PKK-Angaben 37 Soldaten und drei Guerillas gefallen waren. Das Militär spricht dagegen von 11 getöteten Soldaten und einem Dutzend Guerillakämpfern. Auch in anderen kurdischen Provinzen waren bei PKK-Angriffen, mehrere türkische Soldaten getötet oder verletzt worden. Das Militär sieht sich in der Kritik, dass trotz des Einsatzes von Aufklärungstechnik wie ferngelenkter Drohnen eine große Gruppe von PKK-Kämpfern unbemerkt über die irakische Grenze einsickern konnte. Wie die regierungsnahe Tageszeitung Today´s Zaman meldete, wurde auf der MGK-Sitzung über eine neue Grenzziehung zwischen der Türkei und dem Irak beraten. Sowohl die nationalistischen Oppositionsparteien CHP und MHP als auch die regierende islamisch-konservative AKP befürworten einen Gebietstausch. So soll die türkische Grenze über die schwer kontrollierbaren Berge im Grenzgebiet auf irakisches Gebiet bis in die Ebene hinaus vorgeschoben werden. Im Ausgleich soll Irak an anderer Stelle von Minen geräumtes türkisches Territorium erhalten. Von Regierungsseite wird zudem der Einsatz von spezialisierten Einheiten aus Berufssoldaten anstelle von Wehrpflichtigen im Grenzgebiet gefordert.„Wie kann ein Soldat, der erst seit zwei Wochen seinen Wehrdienst leistet, an der Grenze kämpfen“, kritisiert Sidik Saylan, dessen Sohn Mutlu am Wochenende bei einen Guerillaangriff in Hakkari getötet wurde, gegenüber Todays Zaman. Bereits seit 2006 in der Planung ist die Schaffung einer professionellen Grenzschutztruppe aus 70.000 Mann. Bislang hat das Militär allerdings die Schaffung einer solchen dem Innenministerium unterstellten Truppe blockiert. Die EU hat zugesichert, 60 Prozent der Kosten für den Aufbau eines türkischen Grenzschutzes zu übernehmen.


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