Türkei: Rassistische Diskriminierung

Verstärkte Ausbeutung, Verbote und Schikanen gegen kurdische Wanderarbeiter in Schwarzmeerregion

Kurdische Wanderarbeiter sehen sich in der Schwarzmeerregion der Türkei zunehmender rassistischer Diskriminierung ausgesetzt. 150000 bis 200000 Saisonarbeiter aus Städten wie Urfa, Batman, Diyarbakir, Antep und Mardin kommen alljährlich im Sommer zur Haselnußernte in die Schwarzmeerregion. Ein Großteil der Helfer muß alljährlich in Zelten ohne jede Infrastruktur leben. Für einen bis zu 18stündigen Arbeitstag bekommen sie einen Hungerlohn von umgerechnet neun Euro. Einheimische Arbeiter erhalten dagegen rund 12,50 Euro. Bis zu zehn Prozent ihres mageren Verdienstes müssen Arbeiter aus Urfa oder Batman noch an Vermittler zahlen, die sie in die Schwarzmeerregion bringen.

Nun haben örtlichen Unternehmer und Plantagenbesitzer beschlossen, die kurdischen Arbeiter auf »schwarze Listen« zu setzen und statt dessen verstärkt Saisonkräfte aus Georgien anzuwerben. Die Kurden werden pauschal beschuldigt, Unterstützer der Arbeiterpartei Kurdistans, PKK, zu sein. Zu Unruhen war es in der Region gekommen, nachdem Mitte April ein türkischer Faschist in der Schwarzmeerstadt Samsun dem ehemaligen Vorsitzenden der verbotenen prokurdischen Partei für eine demokratische Gesellschaft, DTP, Ahmet Türk, vor laufenden Fernsehkameras mehrfach ins Gesicht geschlagen und die Nase gebrochen hatte, ohne daß daneben stehende Polizisten eingriffen. Ein PKK-Kommando hatte wenige Tage später bei einer »Vergeltungsaktion« zwei Polizisten in Samsun erschossen.

Kurdische Erntehelfer, die in die Schwarzmeerprovinzen reisen, sollen jetzt einer strengen Kontrolle unterworfen werden. Dies wurde nach Informationen der kurdischen Agentur Firat, auf einem »PKK-Gipfel« im Mai in Giresun beschlossen, an dem Vertreter von Polizei und Geheimdienst sowie hochrangige Militärs aus den Schwarzmeerstädten sowie aus Istanbul und kurdischen Provinzen teilnahmen. Die Eigentümer der Haselnußfelder wurden vom Staat angewiesen, die Personalien ihrer kurdischen Arbeiter der Provinzdirektion für Landwirtschaft, den örtlichen Regierungsbehörden und den Sicherheitskräften zu melden. Ein eigenes Geheimdienstnetzwerk zur Überwachung der Saisonkräfte wird aufgebaut. Und das bereits in den kurdischen Landesteilen seit den 80er Jahren praktizierte Dorfschützersystem mit vom Staat bezahlten und bewaffneten Milizen wird nun auch auf die Schwarzmeerregion ausgeweitet. Vor allem Dörfer von Kurden und der religiösen Minderheit der Aleviten sollen so einer besonderen Kontrolle durch bewaffnete Aufseher unterstellt werden. Bereits im Sommer 2008 hatte der Gouverneur der Provinz Ordu mit einem Erlaß kurdischen Erntehelfern das Betreten der Stadt Ordu verboten. Prokurdische und sozialistische Parteien hatten dies als »Apartheid« kritisiert.

jw 18.6.2010


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