„Zwei Polizisten für einen Faustschlag“

Ein örtliches Kommando der Arbeiterpartei Kurdistans PKK hat sich am Dienstag zu einem Anschlag in der Schwarzmeerstadt Samsun bekannt. Die Angreifer hatten am Samstag aus Sturmgewehren einen Polizeiwagen beschossen und dabei zwei Beamte getötet. Es habe sich um eine Vergeltungsaktion für die andauernden Angriffe der türkischen Armee in den kurdischen Landesteile gehandelt, so die Guerilla gegenüber der kurdischen Presseagentur Firat.
Bei Gefechten zwischen der Guerilla und Soldaten, die auch versuchten, die Grenze zum Nordirak zu überschreiten, waren in den letzten Tagen mehrere Armeeangehörige und PKK-Kämpfer ums Leben gekommen. In den letzten Wochen wurden Zehntausende Soldaten an der Grenze zum Nordirak zusammengezogen. Während das türkische Militär die Bodenoperationen in den kurdischen Landesteilen verstärkt, dauert auch das Artilleriefeuer auf die von Guerilla kontrollierten Gebiete entlang des türkisch-irakischen Grenzgebiets an.
„Zwei Polizisten für ein Faustschlag“, titelten türkische Zeitungen in Samsun nach dem Anschlag. Dass die Vergeltungsaktion ausgerechnet in der Schwarzmeerstadt fern der kurdischen Provinzen stattfand, ist kein Zufall. Hier war Anfang letzter Woche der ehemalige Vorsitzende der verbotenen Partei für eine demokratische Gesellschaft DTP, Ahmet Türk, vor den Augen der Polizei und laufenden Fernsehkameras von einem Faschisten angegriffen worden. Dem Politiker wurde dabei das Nasenbein gebrochen. Der offenbar von der Polizei gedeckte Angriff auf Türk hatte in den letzten Tagen zu massiven Protesten von Zehntausenden Demonstranten in den kurdischen Landesteilen geführt, bei denen es zu Straßenschlachten kam. Der Polizeidirektor von Samsun wurde inzwischen vom Dienst suspendiert.
Am Montag schlug ein nationalistischer Lehrer während der Trauerfeier für einen bei Gefechten mit der PKK getöteten Soldaten in der zentralantolischen Stadt Kayseri Energieminister Taner Yildiz krankenhausreif. „Hier hast du deine demokratische Öffnung“, rief der Angreifer und bezog sich damit auf die von der Regierung angekündigte Reformen, die den Kurden mehr kulturelle Rechte geben sollen. In dieser Woche begann im türkischen Parlament die hitzige Debatte Debatten über eine von der nationalistischen und kurdischen Opposition abgelehnte Verfassungsreform, die der Regierung mehr Macht über die Justiz geben soll. Die kurdische Freiheitsbewegung müsse weder den von den nationalistischen Parteien CHP und MHP verteidigten Status Quo der unterstützten, noch die neue Hegemonie der islamisch-konservativen AKP-Regierung, die sich auf das internationale Kapital stütze, ermahnte unterdessen der inhaftierte PKK-Führer Abdullah Öcalan seine Anhänger zu einer eigenständigen Position in der Verfassungsdebatte. „Es ist viel wichtiger, die Rechte von Millionen Armen und Arbeitern unter den Schutz der Verfassung zu stellen.“


0 Antworten auf „„Zwei Polizisten für einen Faustschlag““


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sieben − eins =