Solidarität mit den Schüler_innen- und Studierendenprotesten in Kurdistan

Am 8.Januar 2010 kam es in einer Grundschule in der kurdischen Stadt
Hakkari zu einer Revolte, nachdem Lehrkräfte mit körperlicher Gewalt
gegen Schüler_Innen vorgegangen waren. Die Jugendlichen wollten dem
Bürgermeister der prokurdischen Partei BDP (Partei für Frieden und
Demokratie), der vor der Schule eine neu eingerichtete Kanalisation
vorstellte, ihre Sympathie ausdrücken. Daraufhin versuchten mehrere
Lehrer_innen die 10- bis 14-jährigen mit Schlägen zurück in die
Unterrichtsräume zu treiben. Eine Schülerin, die zuvor Parolen gerufen
hatte und erst mit dem Klingeln der Glocke zum Unterricht kam, wurde mit
Linealschlägen auf die Hände bestraft.

Daraufhin kam es zu einer Revolte eines Teils der Schüler_innenschaft.
Aufstandsbekämpfungseinheiten der türkischen Polizei rückten an und griffen
die Grundschule mit Tränengas und Panzerfahrzeugen an. Die
Schüler_innen wehrten sich mit Steinwürfen und errichteten
Straßenbarrikaden. Die Revolte hielt mehrere Tage an, der Unterricht an
der Schule wurde eingestellt.

„Währen der Bürgermeister einer Stadt bei einem Besuch einer Schule von
den Kindern bejubelt wird, werden diese brutal zusammengeschlagen. […]
Wir werden als Gewerkschaft diesen Ereignissen nicht den Rücken kehren.“
erklärte Ismail Ata, Vorsitzender der linken Lehrergewerkschaft
Eğitim-Sen zu den Ereignissen. Auch der Bürgermeister von Hakkari
protestierte gegen das Vorgehen der Lehrkräfte und kündigte eine
Untersuchung an.

In der nahe gelegenen kurdischen Stadt Van geht der türkische Staat
derweil massiv gegen die Studierendenbewegung vor. Über 10 Studierende
wurden am 11. Januar 2010 von Antiterroreinheiten verhaftet. Unter den
Festgenommenen befindet sich auch die Vorsitzenden des
Student_innenverbandes YÖDER.

Zuvor hatten Studierende der Yüzüncü Yıl Üniversitesi (YYÜ) in Van einen
eintägigen Unistreik durchgeführt, um auf die Repression des Staates im
Zusammenhang mit den mehrtägigen Hochschulprotesten im Dezember aufmerksam
zu machen. Ein Sprecher der Studierenden erklärte auf der Kundgebung:
„Nach unserem Streik wurden Razzien in den Hörsälen durchgeführt. Wir
wurden verhört und gefragt: „Waren sie im Dezember im Unterricht? Wenn
sie nicht dort waren, warum? Haben sie sich am Streik beteiligt? Warum
haben sie gestreikt? Hat sie jemand behindert am Kurs teilzunehmen, wurden
sie bedroht? Wenn sie bedroht oder behindert wurden, schreiben sie die
Namen der Personen auf.“ Etc.“

Die Berliner Schüler_inneninitiative „Bildungsblockaden einreißen!“ möchte
den Schüler_innen in Hakkari und den Studierenden in Van solidarische
Grüße schicken, sie sollen wissen, dass sie den Kampf gegen ein autoritäres
und fremdbestimmtes Schulwesen nicht alleine führen, sondern dass es
weltweit Jugendliche gibt, die sich gegen die autoritären Bevormundungen
von Lehrer_innen, Eltern und Staat wehren und Widerstand leisten. Zwar
leben wir in Berlin nicht unter militärischen Besatzungszuständen und das
Bildungssystem ist nicht ganz so autoritär, militaristisch und
nationalistisch wie in der Türkei, doch auch hier sind widerständige
Schüler_innen und Studierende mit Repression, Polizeigewalt und
Disziplinarstrafen konfrontiert, wenn sie für ihre Belange auf die Straße
gehen.

Bei Schulstreik-Aktionen und Demonstrationen während der Unterrichtszeit
kommt es auch in Deutschland regelmäßig dazu, dass Lehrer_innen oder
Direktor_innen die Jugendlichen in den Schulgebäuden einsperren, indem sie
die Ausgänge verschließen oder Jugendliche durch Androhung von Gewalt an
der Teilnahme von Protesten hindern. Auch brutale Polizeiübergriffe auf
Schüler_innen- und Studierenden-Demonstrationen sind keine Seltenheit. In
der Regel müssen junge Menschen jedoch „nur“ mit einem Fehltag oder einer
schlechten Note rechnen. Doch auch das ist eine Form autoritärer
Disziplinierung, wie das gesamte Bildungssystem darauf aufgebaut ist junge
Menschen nach den Vorstellungen der kapitalistischen Gesellschaft zu
formen. „Lehrer sind die Gefängniswärter der Gedanken“, hat ein Genosse
des kurdischen Studierendenverbandes auf dem 1. Mesopotanischen
Sozialforum in Diyarbakır/Amed gesagt. Lasst uns gemeinsam weltweit dafür
kämpfen, dass Gedanken und Menschen befreit werden!

Solidarität mit der Revolte der Schüler_innen in Hakkari!
Freiheit für die verhafteten Studierenden in Van!
International kämpfen gegen Lernfabriken und autoritäre Bevormundung!

Schüler_inneninitative „Bildungsblockaden einreißen!“, 14.Januar 2010


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