Mit Öcalan gegen Öcalan?

Bruder des inhaftierten PKK-Führers kündigt Gründung von konservativer Kurdenpartei an

Die türkische Regierung bereitet im Rahmen ihrer Bemühungen zur Eindämmung des kurdischen Aufstandes der Arbeiterpartei Kurdistans PKK offenbar eine »Geheimwaffe« vor. Nach übereinstimmenden Aussagen der regierungsnahen Zeitung Zaman und der kurdischen Nachrichtenagentur Firat News soll der im Nordirak unter dem Schutz der dortigen Kurdenparteien und US-Besatzer lebende Bruder des inhaftierten PKK-Chefs Abdullah Öcalan, Osman, zusammen mit rund 100 weiteren ehemaligen Guerillakämpfern in den nächsten Tagen die türkische Grenze überschreiten, um dann vom Reuegesetz Gebrauch zu machen. Die Rückkehr des ehemals zweiten Mannes der PKK sei Ende Oktober während eines Besuchs des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu im Nordirak mit Vertretern der kurdischen Regionalregierung vereinbart worden.

Er habe die Absicht, eine »konservativ-demokratische« kurdische Partei in der Türkei zu gründen, erklärte Osman Öcalan gegenüber der Presse. Die neue Partei solle von ihrer politischen Ausrichtung der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan entsprechen und eine »AKP für Kurden« sein. Die an den Theo­rien seines Bruders Abdullah über Basisdemokratie und Frauenbefreiung orientierte linke Partei für eine Demokratische Gesellschaft DTP nannte Osman Öcalan ein »Hindernis« für eine Lösung der kurdischen Frage. Offenbar zielt dieser darauf, rückständige Teile der kurdischen Gesellschaft, denen die in fast 100 kurdischen Kommunen regierende DTP zu links und die AKP zu türkisch ist, zu gewinnen. So soll der türkischen Regierung in den kurdischen Landesteilen der Rücken gestärkt werden. »Die demokratische Initiative der Regierung hat unsere Entschlossenheit gestärkt. Wir sind insbesondere von der Rede von Erdogan im Parlament ermutigt«, lobte Osman Öcalan gegenüber der Presse die minimalen Zugeständnisse der Regierung an die Kurden.

Im Sommer 2004 hatten sich Osman Öcalan und rund tausend zum Teil führende Kader nach heftigen Linienkämpfen von der PKK getrennt. Zuvor waren sie innerhalb der PKK erfolglos dafür eingetreten, die Guerilla den US-Besatzern im Irak als Söldnertruppe unterzuordnen, während die Mehrheit der Partei für eine eher antiimperialistischen Orientierung eintrat. Eine Fortsetzung des bewaffneten Kampfes in der Türkei lehnte Osman Öcalan ab. Zu seiner persönlichen Diskreditierung trug bei, daß der Mittfünziger, der innerhalb der PKK gegen die kurdischen Frauenorganisationen auftrat, kurz nach seiner Trennung von der PKK eine 19jährige Frau heiratete.

junge Welt 27.11.2009


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