Gedenken an die Massaker an den Dersim-Kurden

Pressemitteilung des Kurdistan-Solidaritätskomitees Berlin

Die abschließende Zerstörung Dersims durch Staudämme muss verhindert werden

Mit einer Kranzniederlegung vor der türkischen Botschaft in der Berliner Rungestrasse 9 gedenkt die Dersim-Freiheitsinitiative am Montag 16. November um 11 Uhr der Massaker an den Dersim-Kurden vor 71 Jahren.

Unter Führung des alevitischen Geistlichen Seyid Riza hatten sich die alevitischen Kurdinnen und Kurden von Dersim gegen ihre Unterwerfung und Zwangstürkisierung durch den türkischen Staat zur Wehr gesetzt. Die türkische Armee ging mit Bombern, Giftgas und Artillerie gegen die Aufständischen vor. Zivilisten wurden lebendig in Berghölen eingemauert oder in ihren Häusern verbrand, viele Frauen stürzten sich aus Angst vor Vergewaltigungen in den Munzur-Fluß. Bis zu 70.000 Menschen wurden in den Jahren 1937/38 in Dersim massakriert, weitere 100.000 anschließend in andere Landesteile deportiert. Dersim wurde in Tunceli umbenannt. Das bedeutet so viel wie Eisenfaust – die rächende Faust des Staates.

Die offizielle Geschichtsschreibung der Türkei verschweigt dieses Massaker bis heute. Dagegen bezeichnete der stellvertretende Vorsitzende der kemalistischen Hauptoppositionspartei CHP, Onur Öymen, während einer Parlamentsdebatte über mehr Rechte für die kurdische Bevölkerung am Dienstag das Vorgehen der Armee in Dersim als Beispiel für die „Bekämpfung des Terrorismus“. Deutlich wird, dass die türkischen Nationalisten selbst die angekündigten kleinen Reformschritte der Regierung in der kurdischen Frage wie die Beseitigung von noch existierenden Verboten für die kurdische Sprache als „Separatismus“ und Ermutigung des „Terrorismus“ ablehnen und alleine auf ein militärisches Vorgehen setzen, so wie in Dersim 1937/38.

Der Genozid von Dersim findet bis heute seine Fortsetzung. Nachdem in den 80er und 90er Jahren rund die Hälfte der Bewohner der Region durch Dorfzerstörungen und Hungerblockaden vertrieben wurde, ist jetzt die abschließende Zerstörung Dersims durch mindestens acht große Staudammprojekte geplant. Die ganze Region wird durch das Aufstauen des Munzur und seiner Nebenflüsse zerstückelt und unpassierbar, Tunceli-Stadt durch ein Staubecken zweigeteilt, der einzigartige Munzur-Nationalpark zerstört und die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Dörfer verhindert. Der Staudammbau, der nicht der Energiegewinnung sondern der sogenannten Aufstandsbekämpfung dient, findet im Rahmen des von Europa unterstützten GAP-Projektes statt, direkt beteiligt sind daran u.a. Baufirmen wie die Strabag AG.

Das Kurdistan-Solidaritätskomitee Berlin wird sich an der Kranzniederlegung am Montag beteiligen und ruft dazu auf, die Staudammgegnerinnen und –gegner in der Türkei/Nordkurdistan aktiv zu unterstützen. Der Genozid von Dersim darf nicht in Vergessenheit geraten. Dersim darf nicht zerstört werden.


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