Triumphzug durch Kurdistan

»Friedensbotschafter« in Diyarbakir begeistert empfangen

Zu einem Triumphzug gestaltet sich die Fahrt der zu Wochenbeginn in die Türkei eingereisten Friedensgruppe aus 34 Guerillakämpfern der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und Flüchtlingen. Mit einem 30 Kilometer langen Autokonvoi aus rund 1500 Fahrzeugen wurde der Bus mit den »Friedensbotschaftern« am Mittwoch in die heimliche Hauptstadt Kurdistans, Diyarbakir, geleitet, wo sie von mehreren hunderttausend Menschen mit einem Feuerwerk und einer Kundgebung begrüßt wurden. Oberbürgermeister Osman Baydemir von der Partei für eine Demokratische Gesellschaft (DTP) übereichte ihnen Blumen, Demonstranten hielten Bilder des inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan und kurdische Fahnen hoch und sangen das Lied »Die Guerilla kommt« des kürzlich verstorbenen armenischen Sängers Aram Tigran.

Angesichts der Bilder aus Diyarbakir forderte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die DTP auf, auf »übertriebene Kundgebungen« zu verzichten. »Diejenigen, die unseren nationalen Einheitsprozeß durch solche Provokationen belasten wollen, machen einen Fehler.« Kommentatoren der türkisch-nationalistischen Presse sehen die PKK durch ihren gewagten Coup gestärkt und sprechen von einer »inszenierten Hochzeit« mit der PKK als Braut, der DTP als Brautvater und der Türkei als zur Heirat gezwungenem Bräutigam. Oppositionsführer Deniz Baykal von der nationalistischen CHP warf der Regierung vor, gemeinsam mit Öcalan dessen »Road Map« für eine friedliche Lösung der kurdischen Frage umzusetzen. Der Inhalt dieses von Öcalan im August seinen Gefängniswärtern übergebenen Friedensplans wird von der türkischen Regierung bislang geheimgehalten. Ihre Veröffentlichung gehört zu den Forderungen der Friedensgruppe, die in den nächsten Tagen weiter nach Ankara fahren will, um Gespräche mit Parlamentariern und Regierungsvertretern zu führen.

Unterdessen setzte die türkische Armee ihr gewaltsames Vorgehen gegen die kurdische Bewegung fort und bombardierte mutmaßliche Guerillastellungen in Dersim und Sirnak. In der Nacht zum Donnerstag töteten Polizisten DTP-Stadtrat Mehmet Ilgin aus Idil. Der Kommunalpolitiker war nachts von einem Panzer gestoppt und zur Polizeidirektion nach Idil gebracht worden, wo er vermutlich an den Folgen von Schlägen verstarb.

junge Welt 23.10.2009


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