»Freiheit oder Nichts«

Mesopotamisches Sozialforum in der Südosttürkei eröffnet

Von Claudia Wangerin, Diyarbakir

In der kurdischen Großtadt Diyarbakir (Südosttürkei) ist am Samstag unter dem Motto »Freiheit oder Nichts« das erste internationale Sozialforum im Mittleren Osten eröffnet worden. Rund 10000 Menschen zogen am frühen Abend durch die Stadt, forderten »Freiheit für die Kurden, Frieden für den Mittleren Osten« und riefen Parolen wie »Schulter an Schulter gegen den Faschismus«. Neben den kurdischen Nationalfarben Rot, Gelb und Grün und der Regenbogenfahne für den Frieden waren auch die palästinensische Flagge und eine Fahne der Antifaschistischen Aktion zu sehen, die deutsche Teilnehmer des Amed-Camps mitgebracht hatten.

Einige der kurdischen Teilnehmer bekannten sich in Sprechchören zu der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und ihrem inhaftierten Gründer Abdullah Öcalan, der vor wenigen Wochen einen Friedensplan für den türkisch-kurdischen Konflikt vorgelegt hat. Das Mesopotamische Sozialforum teilt die Prinzipien des Weltsozialforums, das sich gegen den globalen Kapitalismus richtet.

Ziel des Sozalforums sei ein Solidaritätsnetz für den Mittleren Osten und die Region Mesopotamien, den Widerstand gegen Krieg und Gewaltherrschaft fortzusetzen, sowie »jegliche Diskrminierung in dieser Region zu beseitigen«, sagte Rechtsanwältin Reyhan Yalcindag vom MSF-Koordinierungskomitee vor Medienvertretern. Gemeint sei nicht nur die nationale Unterdrückung, sondern auch die Diskriminierung von Frauen, Schwarzen und Homosexuellen.

Teilnehmer aus Ländern des Mittleren Ostens wie Palästina, Jordanien, dem Libanon, Israel, Südkurdistan und Syrien sowie dem Iran und dem Irak, aber auch aus Lateinamerika werden in den nächsten Tagen erwartet oder sind bereits eingetroffen.

Für den heutigen Montag ist eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und der Palästina-Solidarität über ein Gesamtkonzept für die Region geplant. Die kurdische Befreiungsbewegung will keinen eigenen Staat, sondern selbstverwaltete Provinzen und ein basisdemokratisches Rätesystem für die gesamte Region. Am Amed-Camp, das den kurdischen Namen von Diyarbakir trägt und Teil des Sozialforums ist, beteiligen sich auch über 100 Aktive aus der Westtürkei und Westeuropa.

junge Welt 28.9.09


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