25 Jahre bewaffneter Aufstand

Zehntausende Kurden haben am Samstag in der Türkei und in Europa an den Beginn des bewaffneten Aufstandes der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor 25 Jahren erinnert. In der kurdischen Kleinstadt Eruh, in der am 15. August 1984 die Bildung der Guerilla verkündet wurde, versammelten sich mehr als 25 000 Menschen auf einem Kulturfestival der linken Partei für eine Demokratische Gesellschaft (DTP). Unter Fahnen mit dem Bild des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan demonstrierten sie für eine friedliche Lösung des Konflikts.

Sprecher der DTP verlangten die Aufhebung aller Barrieren für den öffentlichen Gebrauch der kurdischen Sprache. Der DTP-Abgeordnete Osman Özcelik forderte die Einbeziehung Öcalans in eine kürzlich von der türkischen Regierung verkündete »kurdische Initiative«. Was die Regierung konkret anzubieten hat, hält sie bislang geheim. Die Initiative baue auf »Liebe, Frieden und Brüderlichkeit«, hatte ein Regierungssprecher lediglich erklärt.

Auch die Veröffentlichung einer für das Wochenende angekündigten »Roadmap« Öcalans verzögert sich nach Angaben seines Anwalts Ömer Günes noch einige Tage, da die Militärpolizei die Anwälte erst am Freitag zu ihrem Mandanten auf die Gefängnisinsel Imrali vorließ. Bei dem Treffen erinnerte Öcalan an das türkisch-kurdische Bündnis im Befreiungskrieg gegen die alliierten Siegermächte nach Ende des ersten Weltkrieges. Auf einer solchen Grundlage gelte es nun, eine »demokratische Republik« neu zu gründen.

In Adana griffen in der Nacht zum Sonntag Aufstandsbekämpfungseinheiten kurdische Jugendliche an, die Reifen in Brand gesetzt hatten und PKK-Parolen riefen. Dabei wurde ein Polizist durch einen Messerstich getötet.

Unter dem Motto »25 Jahre Widerstand gegen Militärdiktatur und Kolonialismus – Solidarität mit dem kurdischen Freiheitskampf« gingen in Berlin mehrere hundert Demonstranten auf die Straße. Angeführt wurde ihr Zug von einem Block antifaschistischer und sozialistischer Gruppierungen. Ein Sprecher des Kurdistan-Solidaritätskomitees wies auf die internationale Dimension des kurdischen Freiheitskampfes hin. So hätten die PKK-Rebellen schon in ihren ersten Aktionen einen Schritt zur Befreiung nicht nur der Kurden, sondern auch der türkischen Werktätigen von der »faschistischen Militärjunta« gesehen. Andererseits erhält die türkische Armee im Kampf gegen die kurdische Befreiungsbewegung bis heute die Unterstützung der NATO und der Bundesregierung.

Die Versammlungsleiterin des Kurdistan-Solidaritätskomitees wurde von einem Polizisten zu Boden geworfen und am Arm verletzt, als sie gegen die Festnahme eines kurdischen Demonstranten protestierte. Unter dem Vorwand, sie könne jetzt Anzeige wegen Körperverletzung stellen, lockte der Polizeieinsatzleiter sie später in seinen Wagen. Dort wurde ihre Festnahme verkündet. Im Vorfeld der Demonstration hatte die Berliner Polizei einen kurdischen Vereinsvertreter vor der Zusammenarbeit mit »Linksradikalen« gewarnt.

junge Welt 17.8.09


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