Gewerkschafter unter Terrorverdacht

Erneut haben türkische Sicherheitskräfte am Donnerstag eine landesweite Großrazzia gegen linke und kurdische Aktivisten durchgeführt. Bei der von Antiterroreinheiten der Militärpolizei Jandarma in Istanbul, Izmir, Ankara, Manisa und der kurdischen Provinz Van durchgeführten Operation wurden mindestens 35 Personen verhaftet, darunter Gewerkschaftsfunktionäre. Ihnen wird die Unterstützung der Arbeiterpartei Kurdistans PKK vorgeworfen. So durchsuchte die Jandarma die Zentrale der Gewerkschaft des Öffentlichen Dienstes KESK in Ankara und weitere Gewerkschaftsbüros und Privatwohnungen von Gewerkschaftern. Unter den Verhafteten sind die Frauenverantwortliche der Lehrergewerkschaft Egitim Sen, Gülcin Ispir, KESK-Vorstandsmitglied Songül Morsümbul und die Mitbegründerin des Türkischen Friedensrats Yüksel Mutlu.

KESK-Generalsekretär Emirali Simsek nannte es inakzeptabel, seine Gewerkschaft in die Nähe des Terrorismus zu stellen. Dies sei eine „Bedrohung“ von demokratischen Elementen und Arbeiterrechten. In Ankara und Izmir demonstrierten Gewerkschafter gegen die Repressionswelle.

Sechs türkische Soldaten wurden getötet und acht weitere verletzt, als in der Nacht zum Donnerstag in der kurdischen Provinz Hakkari ein Sprengsatz unter ihrem Fahrzeug explodierte. Die Armee beschuldigte die PKK. Das Hauptquartier der Guerilla hatte Racheaktionen angekündigt, nachdem bei Angriffen der Armee in der Provinz Diyarbakir am 22.Mai mehrere Guerillakämpfer, darunter das Leitungsmitglied der Frauenguerilla Beritan Hevi, getötet worden waren. An der Beerdigung eines weiteren getöteten Guerillakommandanten, Ali İhsan İke, nahmen zu Wochenbeginn in Hakkari rund 50.000 Menschen teil. Im Anschluss an die Trauerfeier kam es zu Straßenschlachten mit der Polizei.

PKK-Führungsfunktionär Murat Karayılan kündigte unterdessen an, dass der von der Guerilla ausgerufene einseitige Waffenstillstand aufgrund der fortgesetzten türkischen Angriffe nach dem1. Juni nicht mehr möglich sei. Nun sei es an Ankara die Situation zu verändern.


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