Junge Welt: PKK verurteilt Anschläge

PKK verurteilt Anschläge
Von Nick Brauns

Die Arbeiterpartei Kurdistans PKK hat die verheerenden Bombenanschläge vom Sonntag abend in Istanbul verurteilt. »Niemand darf die PKK mit diesem Angriff finsterer Kräfte in Verbindung bringen«, erklärte der Vorsitzende des Volkskongresses Kurdistan Kongra-Gel, Zübeyir Aydar, in einer am Montag von der Agentur Firat verbreiteten Erklärung. Aydar sprach den Opfern und ihren Angehörigen das Beileid der kurdischen Freiheitsbewegung aus.

Mindestens 17 Menschen waren laut Behördenangaben getötet und 154 zum Teil schwer verletzt worden, als in Müllkübeln auf einer Geschäftsstraße im Arbeiterviertel Güngören auf der europäischen Seite der Stadt kurz hintereinander zwei Bomben zündeten. Der erste, kleinere Sprengsatz diente offenbar dazu, Neugierige anzulocken. Dann explodierte die stärkere Bombe inmitten der herbeigelaufenen Passanten. Nach Hinweisen von Anwohnern nahm die Polizei noch Sonntag nacht nahe des Tatortes drei Verdächtige im Alter von 16 und 17 Jahren fest, die sich in einem Keller verborgen hielten.

Türkische Medien und nationalistische Politiker hatten bereits kurz nach dem Anschlag der PKK die Schuld zugewiesen. »Wir kennen die Mörder«, titelte die Tageszeitung Sabah am Montag unter Verweis auf die kurdische Guerilla. »Den Informationen zufolge, die ich von der Polizei habe, war dies die Arbeit der PKK«, zitierte der Fernsehsender NTV den nationalistischen Oppositionsführer Deniz Baykal. Der Anschlag sei der Preis für die türkischen Militäreinsätze, bezichtigte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan indirekt die kurdische Bewegung, Urheber des Blutbades zu sein. Erst in der Nacht zum Sonntag hatten türkische Kampfflugzeuge zum wiederholten Male mutmaßliche PKK-Camps im Nordirak bombardiert. Als Erdogan am Montag den Anschlagsort besuchte, skandierten Anwohner »Nieder mit der PKK«. Weder Vorgehensweise noch Zielauswahl und Tatort deuteten auf die PKK hin, warnten dagegen deutsche Sicherheitskreise laut Internetportal Spiegel online vor vorschnellen Schuldzuweisungen.

Ahmet Türk, der Vorsitzende der kurdischen Partei für eine Demokratische Gesellschaft DTP, nannte den Anschlag einen »Schlag gegen den Frieden und die Zukunft«. Türk erinnerte daran, daß in der Vergangenheit die PKK für Anschläge verantwortlich gemacht wurde, bei denen sich später herausstellte, daß sie von Mitgliedern der nationalistischen Putschistenorganisation Ergenekon begangen wurden. Es stimme nachdenklich, daß der Anschlag gerade zu einem Zeitpunkt erfolge, an dem das Verbotsverfahren des Verfassunsgerichts gegen die islamische Regierungspartei AKP wegen »Aushöhlung der säkularen Staatsform« in die Schlußphase geht und Anklage gegen Ergenekon erhoben wird, meint auch Kongra-Gel-Sprecher Aydar.

Tatsächlich könnten die Motive des Istanbuler Anschlags hinter dem momentan mit Hilfe der Justiz ausgetragenen Machtkampf zwischen AKP und nationalistischer Opposition zu suchen sein. In einer gerade vom Istanbuler Schwurgericht angenommenen, 2500 Seiten umfassenden Anklageschrift wird 86 zum Teil führenden Vertretern des nationalistischen Lagers, darunter drei pensionierten Generälen, dem Vorsitzenden der linksnationalistischen Arbeiterpartei Dogu Perincek und dem Herausgeber der kemalistischen Tageszeitung Cumhürriyet, Ilhan Selcuk, die Gründung einer »bewaffneten Terrorgruppe« vorgeworfen. Als Mitglieder von »Ergenekon« sollen sie versucht haben, die Türkei durch Anschläge und Massendemonstrationen ins Chaos zu stürzen, um einen Militärputsch zu provozieren.

via Junge Welt


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